Weniger Geld für den Sport Athleten in der Nebenrolle

Der Bund will dem Spitzensport erheblich weniger Geld geben, als dieser sich wünscht. Das liegt vor allem am vergifteten Verhältnis beider Seiten. Auch der Athletenverein leidet darunter.

DOSB-Boss Alfons Hörmann
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DOSB-Boss Alfons Hörmann

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Das nennt man wohl einen Teufelskreis, in dem sich Sport und Politik derzeit bewegen. Die Politik verlangt, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erst einmal seine Leistungssportreform vorantreibt, danach kann er mit mehr Geld rechnen. Der DOSB hält dagegen: Er brauche erst mehr Geld, sonst könne er die Reform nicht zufriedenstellend angehen. Mit dem Ergebnis, dass sich beide Seiten derzeit blockieren.

Seit der Vorwoche ist die Stimmung im DOSB jedenfalls verhagelt, nachdem der Bund seine Haushaltsplanungen öffentlich machte und darin erheblich weniger Geld für den Spitzensport zur Verfügung gestellt wird, als es der DOSB sich gewünscht hatte. Mit etwa 100 Millionen Euro mehr pro Jahr hatte DOSB-Boss Alfons Hörmann gerechnet, bekommen hat er gut 30 Millionen für die kommenden Jahre, für 2018 gibt es gar keinen Zuwachs.

Die Politik folgt dabei einem Gutachten des Bundesrechnungshofs, das sehr kritisch mit dem DOSB ins Gericht geht. Darin heißt es: Der Verband gehe zu schleppend mit der Umsetzung von Strukturveränderungen vor, bei der Reduzierung von Bundesstützpunkten komme man kaum voran. Erst wenn hier mehr geschehe, könne man daran denken, den Sport wieder mit mehr Geld zu bedenken. Hörmann kontert: "Wir sind in der Entwicklung deutlich weiter", als es der Rechnungshof glaube.

Krisensitzung der Verbandschefs

Hörmann hat die Chefs der Mitgliedsverbände daraufhin für diesen Mittwoch zu einer Sondersitzung einberufen, man könnte auch Krisensitzung dazu sagen. In seinem Einladungsschreiben heißt es: "Auf dieser Basis lassen sich die Bedingungen für Athletinnen und Athleten sowie Trainerinnen und Trainer nicht verbessern." Das Scheitern der vom DOSB als Königsprojekt betriebenen Reform stehe im Raum.

Dass der Verbandschef allerdings selbst seinen Anteil daran hat, dass das Verhältnis zwischen Sport und Politik derzeit angespannt ist, darauf weisen Hörmanns Kritiker hin. Sein vorsichtig formuliert offensiver Tonfall gegenüber der Politik hat ihm in Berlin nicht allzu viele Freunde gemacht. Hörmann habe "in schöner Regelmäßigkeit Porzellan zerschlagen", schreibt der Sportinformationsdienst in seinem Kommentar.

Das Scheitern der Hamburger Olympiabewerbung kreidete Hörmann der Politik an. Seine Forderungen nach mehr Geld waren bei den Pressekonferenzen während der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang an Deutlichkeit schwer zu überbieten. In Südkorea scheffelten die deutschen Athleten zahlreiche Medaillen. Hörmann wähnte sich mit dieser sportlichen Bilanz im Rücken in der Oberhand.

Athletenverein bangt um seine Förderung

"Die Spannungen zwischen Sport und Politik haben wir bei unseren Gesprächen in Berlin schon deutlich zu spüren bekommen", sagt Athletensprecher Max Hartung zu SPIEGEL ONLINE. Auch er und der von ihm geführte Verein "Athleten Deutschland" hat die Konsequenzen daraus erfahren. Die 225.000 Euro, die der Bund dem unabhängigen Verein noch im April zugesichert hatte, sind aus dem Etatplan zunächst gestrichen worden. "Darüber sind wir natürlich alarmiert", sagt Hartung.

Noch hofft Hartung darauf, dass die gegebenen Zusagen eingehalten werden. "Wir vertrauen da auf die Abgeordneten und auch auf das, was uns der zuständige Staatssekretär Stephan Mayer aus dem Bundesinnenministerium versprochen hat." Im Sportausschuss im April hatten die Bundestagsfraktionen das Anliegen von "Athleten Deutschland" geschlossen unterstützt.

Ob der Bundesrechnungshof mit seiner Kritik am DOSB wirklich Recht hat, das könne man schlecht beurteilen, sagt Hartung. Dass er sich bei der Bewertung zurückhält, hat einen einfachen Grund: Zu den entscheidenden Gesprächen zwischen Sport und Politik waren die Athletenvertreter nicht eingeladen worden. "Dabei steht der Athlet doch im Mittelpunkt", sagt Hartung. Es tut vielleicht ganz gut, daran noch einmal zu erinnern.



insgesamt 8 Beiträge
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urmel50sport 08.05.2018
1. Trauerspiel
Ich finde das was sich die Politik mit der Sportförderung leistet ein Trauerspiel. Steuergelder werden mit vollen Händen zum Fenster raus geworfen, aber für die Sportler, die Deutschland international vertreten ist nicht genügend Geld vorhanden.
max.fi 08.05.2018
2. Hä?
Niemand wird gezwungen einen Speer oder eine Eisenkugel so weit wie möglich zu werfen, oder mittels einer Stange über eine andere Stange in ca. 6m Höhe zu springen. Oder sich eine eisige Steilwand auf Skier herunter zu stürzen, oder, oder, oder..... Wer es dennoch tut, tut es freiwillig, dass es dafür auch noch Geld gibt ist eh schon ein Fehler. Noch mehr dafür zu fordern schlichtweg eine Frechheit.
merlin 2 08.05.2018
3. Das ist aber doch auch wieder nur die Spitze des Eisbergs
Vereine mit Spitzensportlern in den Leistungssportarten (Turnen, Wasserspringen, Mehrkampf, ...) finanzieren sich schon seit längerem nur noch aus Mitgliederbeiträgen, Spenden und privaten Sponsoren. Mittel vom Land oder vom Bund mögen in Fußball oder im Massensport vorkommen, in den anderen Bereichen gibts schon lange fast nichts mehr. Dabei sind Trainingsaufwände extrem hoch und bereits bei den Jugendlichen geht unter 4x bis 6x Woche Training à 3h nichts. Das bedeutet, daß man mehrere Vollzeittrainer benötigt, wenn die Gruppen größer 10 Kinder groß sind. Und das kostet. Will man diese Leistungen, dann sollte man sich auch in der Politik mal Gedanken über die Förderung machen, vollkommen unabhängig davon, ob einem die Nase des Verbandsmokels paßt oder nicht. Der Sport und vor allem die Sportler, die mit sehr viel Einsatz bei der Sache sind, sind am Ende die leidtragenden.
Lankoron 08.05.2018
4. @max.fi: niermand zwingt sie,
Autos zusammenzusschrauben, Versicherungen zu verkaufen oder Zeug in einem LKW durch die Lande zu fahren. Spitzensportler ist kein Hobby, sondern ein Beruf, und das Einkommen von wenigen Fussballmillionären mit dem von Langläufern, Leichtathleten oder Judokas zu gleichzusetzen, ist so, als würde jeder im Autobau beschäftigte mit dem Vorstandsboss von VW oder BMW gleichgesetzt. Spitzensport braucht nun mal staatliche Förderung, das ist in jedem Land so. Was hier so stört, ist die Funktionärsfixierung. Athelten und andere "Arbeiter" stehen immer aussen vor, wenn Funktionäre mit Politikern verhandeln oder Zukunftsplanungen entwickeln. Deshalb muss in der Spitzensportförderung endlich was geändert werden...ohne DOSB, ohne Hörmann und seine CSU- Hinterzimmerpolitik, sondern zusammen mit Athleten und deren von denen gewählten Vertretern.
misterknowitall2 08.05.2018
5. @max.fi
Ein Sportler, der für Deutschland an den Start geht, hat es auch verdient vom Deutschland ordentlich bezahlt zu werden. Und wir reden hier nicht von den millionengehaltern von fussballern , sondern von peanuts was gerade reicht, um das Leben zu finanzieren. Warum müssen eigentlich ständig unsportlich Menschen den Sinn von Sport in Frage stellen, bzw Neid und Gier zur Schau stellen? Für leistet jeder Sportler mehr als die meisten Mitglieder des Bundestags.
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