Downhill-Weltcup in Leogang Runter kommen sie alle

Beim Downhill-Weltcup fahren die Radfahrer mit rund 60 Stundenkilometern steile Abhänge hinunter und springen 25 Meter weit. Was treibt die Fahrer auf die Strecke? Ein Besuch in Österreich.

Nina Golombek

Aus Leogang berichtet


Kuhglocken läuten, Kettensägen rasseln, der Kommentator brüllt Namen, Zeiten und Superlative in die Berglandschaft, und das Publikum rund um die Auslaufzone jubelt, wenn die Fahrer über die Ziellinie schießen. Ist das hier die Streif-Abfahrt in Kitzbühel? Nein, Radsport!

Im österreichischen Leogang treten die weltbesten Downhill-Fahrer auf der 2,3 Kilometer langen Strecke "Speedster" gegeneinander an. Downhill ist eine Variante des Mountainbiking, in der es darum geht, so schnell wie möglich eine abgesperrte, bergab führende Strecke hinunterzufahren. Mit stellenweise rund 60 Stundenkilometern geht es über Wurzeln, Stufen, um steile Kurven, durch Tunnel.

Die Abhänge sind stellenweise so steil, dass man zu Fuß keine Chance mehr hat. Für die rund 500 Höhenmeter, die während der Fahrt in Leogang zu überwinden sind, brauchen die Profis nur wenig mehr als drei Minuten. Warum wagt jemand eine solch tollkühne Abfahrt?

Die Schnelligkeit zählt

"Man fängt ja nicht direkt mit einer Weltcup-Strecke an", sagt Jasper Jauch, einer der bekanntesten deutschen Fahrer. "Die meisten bringen sich das Biken selber bei, entwickeln sich weiter. Es ist ein Adrenalinsport, bei dem man sich selber fordert, und das ist wohl der Grund, warum er so süchtig macht."

Ohne das passende Material geht dabei nichts. "Das Gerät ist das Wichtigste - neben der Performance natürlich", sagt Stefan Willared, Konstrukteur des Rades des US-Amerikaners Aaron Gwin - dem derzeit Führenden in der internationalen Rangliste. Das Fahrwerk müsse dem Fahrer bei hohen Geschwindigkeiten und Sprüngen die Möglichkeit geben, das Rad jederzeit unter Kontrolle zu halten, um so die schnellste Linie fahren zu können, sagt Willared.

Downhill-Fans: "Die Kettensäge hat hier Tradition"
Nina Golombek

Downhill-Fans: "Die Kettensäge hat hier Tradition"

Auch viele Fans sind auf Rädern unterwegs, sie gondeln mit ihren Mountainbikes über das Areal und schauen sich die Weltelite an. Die kommt vorwiegend aus den USA, Großbritannien, Frankreich, Australien und Neuseeland, entsprechend international ist das Publikum. Das Highlight des Turniertages ist die Abfahrt der Herren in der "Elite"-Klasse. Der fünfmalige Weltcup-Gesamtsieger Gwin hatte die Chance, zum vierten Mal in Folge in Leogang zu gewinnen.

Ohne Kette zum Sieg

Gern wird unter den Zuschauern die Anekdote erzählt, wie der 31-Jährige 2014 die Hälfte des Rennens auf der Felge bestritt und im Jahr darauf ohne Kette zum Sieg fuhr - sie war kurz nach dem Start gerissen. In diesem Jahr verhinderte jedoch eine Daumenverletzung den Sieg. Jubeln konnte Franzose Amaury Pierron, der sich mit einer halben Sekunde Vorsprung seinen zweiten Saisonsieg sicherte.

Auch deutsche Fahrer waren dabei: Die beste Platzierung fuhr mit Rang 38 Joshua Barth ein. Neben dem 22-Jährigen hatte sich in Leogang nur noch Jauch für das Rennen qualifiziert - bei einem Starterfeld von 62 Fahrern. Der Downhill-Leistungssport sei in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, sagen beide. Jauch ist einer der wenigen Fahrer, die von dem Sport leben können.

Der Sieger: Amaury Pierron
Nina Golombek

Der Sieger: Amaury Pierron

Barth ist gelernter Werkzeugmechaniker und kündigte im vergangenen Jahr seinen Job mit dem Ziel, Profi zu werden. Im Moment lebt er von Erspartem, sein Hauptsponsor finanziert die Reisen. Barth hofft, in ein Profiteam aufgenommen zu werden. Das werde zwar schwer, zur Not könne er aber wieder in seinem erlernten Beruf arbeiten: "Selbst wenn es nicht klappt, werde ich nichts bereuen", sagt Barth.

Bei den Damen ist Valentina Höll derzeit die größte Nachwuchshoffnung in der Juniorenklasse. Die 16-jährige Österreicherin hat in ihrer ersten Weltcup-Saison alle bisherigen drei Rennen für sich entscheiden können. Auf ihrer Heimstrecke in Leogang siegte sie mit 15 Sekunden Vorsprung, ihre Zeit hätte für den siebten Platz in der Damen-Eliteklasse gereicht.

Höll stammt aus einer Fahrradfamilie. Warum sie sich für den Sport entschieden hat, ist simpel: "Meine Eltern sind schon immer Rad gefahren, und ich war nie das Kind, das gern pedaliert, deswegen war klar, dass ich nur bergab fahre."

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insgesamt 2 Beiträge
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dimaco 11.06.2018
1. Ich habe mir das Rennen live per Stream
angesehen. Es ist einfach nur geil, mit welchem Speed die dort runterballern, ist irgendwo zwischen lebensmüde und Wahnsinn. Die TV-Bilder lassen es noch einfacher aussehen, wie es eigentlich ist. Schade, dass es zuwenig Deutsche gibt die ansatzweise mit der Weltspitze mithalten. Ich fahre selbst Moutainbike, nur eben kein Downhill, mein Fully ist schon sehr nahe an einem Enduro dran, aber selbst das Potential des Bikes kann ich von meiner Fahrtechnik nicht voll ausnutzen, ist aber egal, Hauptsache ich habe Spaß dabei ein paar Trails damit zu schreddern. Rennrad fahre ich ja auch noch. Mountainbiken ist ein sehr schöner Sport, man ist viel in der Natur, sieht viel und man bekommt die Birne dabei frei, geht natürlich auch beim Touren fahren(nicht schreddern) auch. In 10min bin ich aus der Großstadt raus und treffe meistens dann nur noch paar Hundebesitzer und Reiter im Wald, die sind alle sehr freundlich und nett.
IchWeissAuchWas! 14.06.2018
2. Endlich DH in der deutschen Presse!
Sehr schön das es endlich mal einen Beitrag über MTB DH gibt, und nicht immer nur Fußball. Obwohl es viele Offroad Radsportler in Deutschland gibt, hält sich die Popularität des Downhill Worldcups in Grenzen. Und damit auch die Übertragung, Medieninteresse, Sponsoring, Nachwuchsförderung, etc. An der Spitze fahren seit Jahren schon immer nur die Engländer, Franzosen oder Australier. Es ist schon bezeichnend, das ein Fahrer 12 Jahre lang Deutscher Meister war (Markus Klausmann), sich aber im Worldcup meistens nur schlechter als 40 platzieren konnte. Downhill ist so faszinierend wie Formel-1. Zum Glück sorgt RedBull für weltweite Übertragung. Noch geiler anzuschauen sind eigentlich nur noch 4-Cross Rennen (wo 4 Fahrer gleichzeitig den Hang runter rasen). Da gibt es auch schon mal Rempeleien. Aber leider hat die UCI (die FIFA des Radsports) das völlig aus dem Programm gestrichen. Ride On!
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