Dr. Reiner Klimke ist tot "Der Verlust ist für das Reiten nicht zu beschreiben"

Mit seinem Pferd Ahlerich war er bei Olympia stets eine sichere Bank für die Goldmedaille. In der Nacht zum Dienstag erlag der sechsfache Olympiasieger den Folgen eines Herzinfarkts.


Münster - Der deutsche Sport hat einen seiner herausragenden Vertreter verloren. Reiner Klimke starb in der Nacht zum Dienstag in einer Klinik in seiner Heimatstadt Münster im Alter von 63 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts. Klimke hatte in seiner einmaligen Karriere an sieben Olympischen Spielen teilgenommen und sechs Gold- und zwei Bronzemedaillen mit nach Hause genommen. Eine Sammlung, die bis heute kein deutscher Sportler erreicht hat.

Dr. Reiner Klimke
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Dr. Reiner Klimke

Der Jurist aus Münster hatte am 6. August auf dem Weg zu einem Gerichtstermin in Bonn einen Herzinfarkt erlitten. Er war sofort in ein Krankenhaus in Haltern eingeliefert worden. In der vergangenen Woche war er von Haltern nach Münster gebracht worden. Sein Tod zu diesem Zeitpunkt kam überraschend. Er schien auf dem Wege der Besserung zu sein und hatte mit seiner Familie Pläne gemacht.

Klimke ist der zweite bekannte Dressurreiter, der innerhalb der letzten beiden Wochen starb. Am 4. August erlag die Olympiasiegerin Liselott Rheinberger, die unter dem Namen Linsenhoff bekannt wurde, im Alter von 71 Jahren einer schweren Krankheit.

"Der Verlust für das Reiten ist nicht zu beschreiben", sagte Bundestrainer Klaus Balkenhol. "Er war ein Vorbild, ein Horseman durch und durch, immer fair zu seinen Mitstreitern und zu den Pferden. Er war ein Mensch, der noch 20, 25 Jahre dem Reiten hätte etwas geben können." Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Walther Tröger, bezeichnete Klimkes Tod als "herben Verlust für das Reiten und den olympischen Sport": "Ich habe ihn seit 1964 gekannt. Er war ein enger Freund und wird dem NOK sehr fehlen", meinte Tröger.

Dressurreiter Klimke auf Biotop
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Dressurreiter Klimke auf Biotop

Klimke prägte über vier Jahrzehnte das Dressurreiten. Doch konzentrierte er sich nicht allein auf das Reiten im Viereck. Das zeigten seine Erfolge in der Military mit einer deutschen Meisterschaft (1960) und einem EM-Mannschaftstitel (1959). An den Olympischen Spielen 1960 in Rom nahm Klimke als Militaryreiter teil und war als 18. bester Deutscher. Ein Sieg in einem schweren Springen in der Berliner Deutschlandhalle wies ihn zusätzlich als reiterlichen Alleskönner aus.

Mit seinen Erfolgen sind auch die Namen außergewöhnlicher Pferde verbunden. Mit Dux, Mehmed oder Ahlerich sammelte er nicht nur bei Olympischen Spielen, sondern auch bei Welt- und Europameisterschaften Titel und Medaillen. Bekanntestes Pferd war der Westfalen-Wallach Ahlerich, auf dem Klimke 1984 in Los Angeles die Goldmedaillen im Einzel und mit der Mannschaft gewann und auch 1988 in Seoul noch einmal mit der Equipe siegte. Ahlerich starb 1992 mit 21 Jahren an einer Kolik. Mit seinem Pferd Biotop gelangen ihm bis weit in die Neunzigern noch viele nationale und internationale Erfolge.



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