Bislang schwaches Abschneiden bei Schwimm-WM DSV-Trainer Lambertz ratlos

Bei der WM in Barcelona haben die deutschen Schwimmer bislang an die schlechten Leistungen von den Olympischen Spielen 2012 angeknüpft. Es droht die schlechteste WM-Bilanz der Geschichte des DSV. Bundestrainer Henning Lambertz zeigt sich auf der Suche nach Gründen ratlos.

Bundestrainer Lambertz: "Parallelen kann man nicht von der Hand weisen"
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Bundestrainer Lambertz: "Parallelen kann man nicht von der Hand weisen"


Hamburg - Chefbundestrainer Henning Lambertz hat für die bisher enttäuschenden Leistungen der deutschen Beckenschwimmer bei der Schwimm-Weltmeisterschaft in Barcelona keine Erklärung. "Irgendwo ist da irgendwas, was wir noch nicht wissen, was wir nicht finden. Ich glaube nicht, dass das Trainingsmethodik ist. Es machen nicht auf einmal 25 Trainer, die beteiligt sind, alles verkehrt", sagte Lambertz nach den Auftritten bei der WM, die an das Olympia-Debakel von London erinnern. Damals erreichten die Athleten des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) nur eine Medaille. "Die Parallelen kann man nicht von der Hand weisen und man muss überlegen, warum ist das immer so."

60 bis 70 Prozent der Schwimmer sollten ihre Zeiten von den deutschen Meisterschaften Ende April verbessern, hatte Lambertz vor dem Wettkampf gefordert. Das gelang bislang nur Schmetterlings-Ass Steffen Deibler und Brustspezialist Hendrik Feldwehr.

Die offiziellen Ziele mit drei bis vier Medaillen und zehn Finalplätzen entpuppen sich als illusorisch. Selbst die bislang schlechteste WM-Bilanz - drei Bronzemedaillen 1973 in Belgrad - dürfte der DSV in Barcelona kaum erreichen. Nach drei Finalteilnahmen sind nur noch wenige weitere in Sicht.

"Da müssen wir uns wirklich was einfallen lassen. Man denkt viel darüber nach, was die Gründe dafür sind", erklärte Lambertz, der erst ein gutes halbes Jahr im Amt ist.

"Die ganze Individualität, die wir zugelassen haben, egal ob Norden, Süden, Osten, Westen, egal ob alte Trainer, junge Trainer, Frauen, Männer, ganz erfahrene Kollegen, ganz frische Newcomer - das kann ja nicht sein, dass alle auf einmal alles falsch machen."

Negativtrend setzt sich fort

Auch Leistungssportdirektor Lutz Buschkow hat ein ernüchtertes Zwischenfazit gezogen. "Es ist nicht so, dass die Ergebnisse der ersten drei Tage uns große Freude machen." DSV-Präsidentin Christa Thiel hielt sich mit Kritik am Bundestrainer vorerst zurück: "Natürlich ist das enttäuschend. Die Beckenschwimmer haben Probleme, aber die kann Henning Lambertz nicht von heute auf morgen lösen."

Der Negativtrend hat sich derweil auch am dritten Wettkampftag fortgesetzt. Der mit leichten Medaillenhoffnungen gestartete Hendrik Feldwehr, WM-Vierter von 2011, scheiterte auf seiner Paradestrecke 50 Meter Brust in 27,59 Sekunden als 17. bereits im Vorlauf. Hätte der Essener seine Saisonbestzeit (27,47) von der Deutschen Meisterschaft im April bestätigt, wäre er als Elfter ins Halbfinale eingezogen.

"Das Ziel war ganz klar das Finale, es gibt keine Ausreden. Ich bin gesund, mir tut nichts weh", sagte Feldwehr anschließend. Eine Erklärung für seine Leistung habe er nicht: "Ich habe keine Ahnung, woran es gelegen hat. Ich habe keine groben Schnitzer bemerkt, ich wollte nicht pokern."

Alexandra Wenk schwamm über 200 Meter Freistil 3,6 Sekunden langsamer als Franziska van Almsick an gleicher Stelle bei ihrem Olympia-Silber vor 21 Jahren. "Ich kann nur die Brille an die Wand klatschen und sagen: Ihr könnt mich alle mal!", sagte die 18-Jährige nach ihrem 28. Platz: "Aber das bringt auch nichts."

mon/dpa



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Schlunze 30.07.2013
1.
Woher kommt der Vorsprung der anderen Nationen beim Doping, Herr Bundestrainer?
noalk 30.07.2013
2. ungedopt
Sehen wir das doch mal positiv. Vielleicht haben sie ja nichts geschluckt. Oder wird hier wieder Mediendruck aufgebaut, damit man hinterher über die Doper herziehen kann?
enrico3000 30.07.2013
3. Doping
Zitat von sysopDPABei der WM in Barcelona haben die deutschen Schwimmer bislang an die schlechten Leistungen von den Olympischen Spielen 2012 angeknüpft. Bundestrainer Henning Lambertz zeigt sich auf der Suche nach Gründen ratlos. Der DSV müsse sich "wirklich etwas einfallen lassen". http://www.spiegel.de/sport/sonst/dsv-cheftrainer-lambertz-ratlos-a-913838.html
Da stimmt doch einiges gewaltig nicht mehr. Vor allem diese Britta bringt doch nur Unruhe ins Team und Biedermännchen konnte nicht ausreichend trainieren? Einfach alles nur noch lächerlich und erinnert eher an eine damalige Frage ans amerikanische Team, wie sie die Deutschen so fanden. Sie antworteten:" Ertrunken ist gottseidank keiner" Ich denke mal, dass aufgrund der vielen Dopingkontrollen einigen Athleten der Arsch auf Grundeis ging. Auch Schwimmsport wird wohl in der Spitze gedopt und der beste, der nicht auffällt gewinnt.
mundi 30.07.2013
4. Ein Symptom der satten Gesellschaft
Zitat von sysopDPABei der WM in Barcelona haben die deutschen Schwimmer bislang an die schlechten Leistungen von den Olympischen Spielen 2012 angeknüpft. Bundestrainer Henning Lambertz zeigt sich auf der Suche nach Gründen ratlos. Der DSV müsse sich "wirklich etwas einfallen lassen". http://www.spiegel.de/sport/sonst/dsv-cheftrainer-lambertz-ratlos-a-913838.html
Es ist nicht nur eine periodische Durststrecke. Es ist auch ein Symptom für die satte Gesellschaft. Das Training eines Leistungsschwimmen besteht aus 2 Trainigseinheiten am Tag. Dabei werden täglich Strecken von durchschnittlich 10 km geschwommen. Da es sich bei den Sportlern um sehr junge Menschen handelt, die nebenbei zur Schule gehen müssen, beginnt die erste Trainingseinheit bereits um 6 Uhr morgens. Schule, Hausarbeiten, kurze Ruhepause und dann wieder Training, oft bis 22.00. Uhr, zusätzlich noch Krafttraining - das ist der Alltag der jungen Idealisten. Einige von ihnen schaffen die internationale Klasse, die aber materiell kaum was einbringt. Van Almsick oder Britta Steffen sind vielleicht die Ausnahmen. Die 2-fache Weltmeisterin Hannah Stockbauer konnte sich über das Ballkleid freuen, das ihr zum Opernball in Nürnberg geschenkt wurde. Man findet kaum noch Kinder und Jugendliche, die diese Strapazen auf sich nehmen, wenn sogar A-Klasse Fußballer Gehälter und Prämien bekommen. Wer will da noch Wettkampfschwimmen betreiben oder Eislaufen?
mundi 30.07.2013
5. Schlechte Verlierer?
Zitat von enrico3000Da stimmt doch einiges gewaltig nicht mehr. Vor allem diese Britta bringt doch nur Unruhe ins Team und Biedermännchen konnte nicht ausreichend trainieren? Einfach alles nur noch lächerlich und erinnert eher an eine damalige Frage ans amerikanische Team, wie sie die Deutschen so fanden. Sie antworteten:" Ertrunken ist gottseidank keiner" Ich denke mal, dass aufgrund der vielen Dopingkontrollen einigen Athleten der Arsch auf Grundeis ging. Auch Schwimmsport wird wohl in der Spitze gedopt und der beste, der nicht auffällt gewinnt.
Wir Deutschen sollten mit Dopingvorwürfen sehr vorsichtig sein. Gilt doch der deutsche Sport international als die Wiege des organisierten Dopings. Als 1954 eine eher durchschnittliche deutsche Fußballmannschaft sensationell Weltmeister wurde, häuften sich danach bei den Teilnehmern rätselhafte Fälle von Gelbsucht. Offiziell sprach man nur von Vitaminen, die die Spieler eingenommen hatten. Die deutsche Presse hat über diese Vorfälle praktisch geschwiegen. Vielleicht deshalb nennt man dieses Ereignis „Das Wunder von Bern“. Dem kann man nur zustimmen.
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