DTM-Neuling Coulthard: "Ich weiß noch nicht genau, was ich falsch mache"

246 Rennen in der Formel 1, Rang zwölf zur Premiere in der DTM: Mercedes-Pilot David Coulthard spricht im Interview mit SPIEGEL ONLINE über seine Schwierigkeiten beim Start, den unterschiedlichen Fahrstil im Gegensatz zur Königsklasse und seine Probleme mit dem Playboy-Auto.

David Coulthard: Rund 250 PS weniger Fotos
dpa

SPIEGEL ONLINE: Herr Coulthard, wie haben Sie sich vor dem Start Ihres ersten DTM-Rennens gefühlt? War es wie früher in der Formel 1?

Coulthard: Nein. Es war etwas völlig anderes. In der Formel 1 hatte ich das Gefühl, dass das Auto eine Verlängerung meines Körpers war. Im DTM-Wagen musste ich mich wieder viel stärker konzentrieren. Ich brauche einfach noch mehr Erfahrung und Routine. Aber es macht Spaß, wieder im Auto zu sitzen.

SPIEGEL ONLINE: Sie hatten - wie schon bei den Tests - Probleme beim Start.

Coulthard: Es war sogar schlimmer, als ich gedacht hatte. Ich habe den Motor schon auf dem Weg zur Startaufstellung abgewürgt. Ich weiß noch nicht so genau, was ich falsch mache. Meine Kollegen unterstützen mich hier toll und geben mir viele Tipps um mich zu verbessern. Aber es ist noch ein weiter Weg.

SPIEGEL ONLINE: Timo Scheider sagte vergangene Woche, Sie dürften sich nicht wundern, wenn Sie aus der letzten Reihe starten müssten - und so kam es auch. Waren Sie trotzdem überrascht?

Coulthard: Nicht überrascht. Aber schon ein bisschen enttäuscht, denn meine Tests ließen hoffen, dass ich näher an den anderen Fahrern dran bin. Aber ich bin auch nicht richtig unzufrieden - die DTM ist eine Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. Auch wenn es schwierig wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind nebenbei noch Formel-1-Experte für die BBC. Wie lässt sich das mit der DTM unter einen Hut bringen?

Coulthard: Ich bin in einer anderen Situation als die jungen Fahrer: Viele stehen am Beginn ihrer Karriere. Meine ist dagegen beinahe vorüber. Klar muss ich für diese beiden Jobs viel reisen, aber das ist okay. Mich motiviert die Herausforderung an der DTM. Und will ich ein gutes Level erreichen und eine echte Konkurrenz sein? Ja, natürlich!

SPIEGEL ONLINE: Sie sind seit 16 Jahren ein Teil der Formel 1. Wollen Sie durch die Arbeit bei der BBC auch den Kontakt in die Königsklasse erhalten?

Coulthard: Mir geht es mehr um die Möglichkeit, etwas anderes zu machen. Ich bin beinahe 40, ich werde nicht bis an mein Lebensende Rennen fahren. Vielleicht ist das Fernsehen ja meine Zukunft. Ich weiß es heute nicht, aber ich genieße die Möglichkeit es auszuprobieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gesagt, es fiele Ihnen schwer, die Aggressivität der Formel 1 aus Ihrem Kopf zu verdrängen, wenn sie in einem DTM-Wagen sitzen. Was heißt das genau?

Coulthard: In der Formel 1 ist der Fahrstil extrem: Du trittst voll auf die Bremse, drückst voll auf das Gas. In der DTM ist alles flüssiger. Es ist, als ob Sie einen Sportwagen fahren und sich dann in einen Familienvan setzen: der ist viel größer, viel schwerer. Es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen.

SPIEGEL ONLINE: Auch an die neuen Gegner auf der Strecke?

Coulthard: Ganz klar. Speziell das Auto mit dem Playboy-Emblem hat mich immer wieder abgelenkt, ich musste die ganze Zeit an Playboy-Bunnys und an Hugh Heffner denken. Aber dann kam auch schon die nächste Kurve, und ich musste mich wieder aufs Fahren konzentrieren.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Ziel für Hockenheim war es, über die Runden zu kommen. Was ist Ihr Ziel für das nächste Rennen in Valencia?

Coulthard: Die Strecke in Valencia passt besser zu mir. In Hockenheim war ich auch in der Formel 1 nie besonders gut. Ich will also in die zweite Phase des Qualifyings kommen. Und ich will meine Starts verbessern. Das ist wirklich schwierig!

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Sie es in dieser Saison einmal auf das Podium schaffen?

Coulthard: Ich kann nicht damit rechnen, in die Nähe des Podiums zu kommen. Aber ich will noch viel schneller fahren und konstanter werden.

Das Interview führte Jan Hendrik Meier

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Er macht nichts falsch.
dodo62 27.04.2010
Ganz einfach: Formel 1 und DTM sind zwei grundverschiedene Fahrzeugtypen. Hinzu kommt, das der Umstieg von einem schwächeren auf ein stärkeres Auto immer einfacher ist als umgekehrt. Er wird es schon schaffen. ;-)
2. Hm.
multi_io 27.04.2010
Hm, ein Typ, der mit 300 Sachen durch die Gegend rast, irgendwas falsch macht, und nicht weiß, was es ist. Will man das? Fragjanur. :-P
3. Ich weiß es
unente 27.04.2010
---Zitat--- DTM-Neuling Coulthard: "Ich weiß noch nicht genau, was ich falsch mache" ---Zitatende--- ...den gleiche Fehler, den M. Schumacher derzeit in der Formel 1 macht - ihr könnt nicht aufhören und macht euch dadurch den Ruf kaputt. Wie viele Millionen muss man denn in seinem Leben auf das Konto scheffeln, bevor man merkt, dass das sinnlos ist? Ayrton Senna sollte euch allen eine Lehre sein - genießt eure Millionen, anstatt eure Haut für andere zu Markte zu tragen.
4. .
Haio Forler 28.04.2010
Zitat von unente...den gleiche Fehler, den M. Schumacher derzeit in der Formel 1 macht - ihr könnt nicht aufhören und macht euch dadurch den Ruf kaputt. Wie viele Millionen muss man denn in seinem Leben auf das Konto scheffeln, bevor man merkt, dass das sinnlos ist? Ayrton Senna sollte euch allen eine Lehre sein - genießt eure Millionen, anstatt eure Haut für andere zu Markte zu tragen.
Wie kann man sich da den "Ruf kaputt machen"? 7 mal Weltmeister ist 7 Mal Weltmeister. Das wird doch nicht weniger. Wenn wir mal in Rente sind, werden uns die Millionen noch fehlen ;)
5. Naja...
Realo 28.04.2010
...die Formel 1 Fahrer haben in der DTM nie viel gerissen. Frenzen nicht, Mika war besser und hat wenigstens 1x gewonnen und Couldhard hat es halt auch schwer.
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Zur Person
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David Coulthard, 41, geboren im schottischen Twynhol, hat 246 Formel-1-Grand-Prix für Williams, McLaren und Red Bull absolviert. Er konnte 13 Rennen gewinnen, wurde in der Saison 2001 Vize-Weltmeister hinter Michael Schumacher. Seit 2010 fährt er für Mercedes in der Deutschen Tourenwagen Masters. 2001 überlebten Coulthard und seine damalige Verlobte den Absturz eines Privatflugzeuges, bei dem beide Piloten ums Leben kamen. Drei Tage nach dem Unglück trat der Brite zum Großen Preis von Spanien an und wurde Zweiter.