Dubiose Geldströme Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Handballchef Moustafa

Hassan Moustafa ist ein umstrittener Funktionär. Der Boss des Handball-Weltverbandes sorgte schon mehrfach für Aufregung. Nun aber hat es Moustafa nach Informationen von SPIEGEL ONLINE übertrieben. Wegen des Verdachts auf unsaubere Geschäfte laufen in der Schweiz Ermittlungen gegen ihn.

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Bisher haben die vielen Skandale um Hassan Moustafa nur die Welt des Sports interessiert. Dass der Präsident der Internationalen Handball-Föderation (IHF) unmittelbar in den Korruptionsskandal bei der asiatischen Olympia-Qualifikation für 2008 beteiligt war, indem er die eigentlich angesetzten deutschen Schiedsrichter für die geschobene Partie Kuwait gegen Südkorea (28:20) persönlich absetzte, hat der Internationale Sportgerichtshof (Cas) irritiert festgestellt. Vor Beginn der 21. WM in Kroatien, deren Halbfinals heute anstehen, schrieb Moustafa erneut Schlagzeilen: Dopingkontrollen im Training soll er für "rausgeschmissenes Geld" halten, so jedenfalls hat sich der 64-jährige Ägypter gegenüber Hans Holdhaus, einem Mitglied der Medizinischen Kommission der IHF, angeblich geäußert. Moustafa bestreitet dies.

Handball-Funktionär Moustafa: Ermittlungen in der Schweiz
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Handball-Funktionär Moustafa: Ermittlungen in der Schweiz

Nun aber kümmert sich auch die Staatsanwaltschaft um Moustafa und die IHF. Seit November 2008 liegt "gegen Organe der IHF" eine Anzeige vor. Es geht möglicherweise "um unsaubere Geschäfte, die bis ins Jahr 1999 zurückreichen", sagt Markus Melzl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, der "Basler Zeitung" über das Ermittlungsverfahren wegen des "Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung". Als Höchststrafe in Untreueverfahren sieht das Schweizer Strafgesetzbuch (Artikel 158) bis zu fünf Jahre Gefängnis vor. Die IHF gibt an, von diesen Vorwürfen bislang nichts zu wissen. "Wir wurden nicht informiert", sagte IHF-Mitarbeiter Christoph Geissler der "Basler Zeitung".

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE geht es in dem Ermittlungsverfahren um den Verbleib des IHF-Zuschusses für das Organisationskomitee (OK) der 16. Weltmeisterschaft 1999 in Ägypten. Als OK-Chef fungierte damals Hassan Moustafa, gleichzeitig Präsident der Egyptian Handball-Federation (EHF). Üblicherweise wird dieser Zuschuss, der damals 1,6 Millionen Schweizer Franken betrug, in drei Tranchen überwiesen: Ein Drittel vor dem Turnier, ein Drittel während der WM, das letzte Drittel schließlich einige Monate nach der WM im Zuge der Endabrechnung. 1999 jedoch floss laut dem damaligen IHF-Schatzmeister Rudi Glock kein einziger Rappen nach Ägypten.

Laut Glock habe die EHF gebeten, das Geld zunächst nicht zu überweisen, da sonst der Staat als WM-Finanzier das Geld vereinnahmen würde. "Ich nahm an, dass die Ägypter das Geld später für die Finanzierung von Nationalmannschaftsreisen verwenden würden", erklärt Glock auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. "Ich bin davon ausgegangen, dass das Geld dann dem ägyptischen Verband zur Verfügung steht", sagt Glock, der aber einräumt, dass dieser Vorgang ungewöhnlich war: "Normalerweise hat ein Veranstalter den Bedarf." Da er Ende November 2000 auf dem IHF-Kongress im portugiesischen Estoril vom Spanier Miguel Roca als IHF-Schatzmeister abgelöst wurde, kann er über den Verbleib des Geldes nichts sagen.

Bei dem Kongress in Estoril wurde auch Moustafa erstmals zum Präsidenten des Weltverbands gewählt und ist seitdem ranghöchster Handballfunktionär. Fortan verantwortete er den Verbleib des WM-Zuschusses, der allerdings bereits am 21. November 2000 um 300.000 US-Dollar geschrumpft war. Laut Unterlagen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, floss dieser Betrag gut eine Woche vor Moustafas Wahl vom Hauskonto der IHF bei der UBS Basel ab.

In der Folge wies die Basler Dependance der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) ihrem Auftraggeber IHF mehrfach darauf hin, dass der Zuschuss, der für das Jahr 1999 eingestellt worden war, immer noch auf dem IHF-Konto lag. Die IHF müsse dieses Geld dem eigentlichen Besitzer, dem OK für 1999, zukommen lassen, heißt es noch im PWC-Jahresbericht 2001, der SPIEGEL ONLINE ebenfalls vorliegt. Erst als das Geld im Jahr 2002 abfloss, waren die externen Wirtschaftsrevisoren der IHF zufrieden.

Die Wirtschaftsprüfer gingen offenbar davon aus, dass das Geld nach Ägypten geflossen war. Letztlich findet es sich auf einem US-Dollar-Konto einer kleinen Genossenschaftsbank in Straßburg, einer Filiale der Credit Mutuel. Hier lag das Geld mindestens bis September 2003; ein Kontoauszug, der SPIEGEL ONLINE ebenfalls vorliegt, weist für den 1. September 2003 exakt 695.420,98 US-Dollar aus. Als Kontoinhaber fungiert das "OK für die WM 1999 in Ägypten".

Zwei Drittel des WM-Zuschusses für 1999 waren also vier Jahre später immer noch nicht in Ägypten angekommen. Wer Kontovollmacht besaß, ist nicht sicher. Laut einem Schreiben der IHF an die EHF vom 30. April 2001 waren mindestens vier Personen als Kopieempfänger in den ungewöhnlichen Vorgang eingeweiht: Darunter befand sich auch Präsident Hassan Moustafa sowie der bis September 2007 als Geschäftsführer tätige Frank Birkefeld.

Noch dubioser wird die Angelegenheit im August 2006, damals bilanzierte Birkefeld den gesamten Vorgang noch einmal. Demnach hatte die IHF die Restsumme im "Laufe des Novembers 2003" überwiesen. Klar ist aber damit, dass die IHF auch noch nach 2002 über jenes Geld verfügte, was ihr laut PWC-Bericht nicht mehr gehörte.

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt will nun wissen, was mit dem Geld passierte: Wer kontobevollmächtigt war, ob es noch in Straßburg liegt, oder ob es doch tatsächlich dem rechtmäßigen Empfänger zugeflossen ist. Ein Rechtshilfegesuch an die französischen Strafverfolgungsbehörden soll bereits gestellt worden sein. Hassan Moustafa scheint derweil nicht gewillt, die obskure Angelegenheit entschlossen aufzuklären. Der Ägypter, der als IHF-Präsident, EHF-Präsident und OK-Präsident das Geld aus drei verschiedenen Perspektiven betrachten durfte, reagierte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht.



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