Dunja Hayalis erstes "Sportstudio" Bequemer Gast, bequeme Fragen

Viel Lärm um wenig: Dunja Hayalis erster Auftritt im "aktuellen Sportstudio" war vorhersehbar und belanglos. Genau so hatten sich das die Verantwortlichen des ZDF vermutlich gewünscht.

Dunja Hayali
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Kurz, leider nur ganz kurz, durfte man Hoffnung haben. Hoffnung darauf, dass sich Dunja Hayali als neue Moderatorin des "aktuellen Sportstudios" etwas Besonderes ausgedacht hatte. Und das gleich bei ihrer ersten Frage, sie lautet "War es etwas Besonderes?"

Gestellt wurde sie an den ewigen Friedhelm Funkel, der als Trainer von Fortuna Düsseldorf zum gefühlt 38. Mal in die Bundesliga aufgestiegen ist. Und mit der Frage war die Sache dann eigentlich schon gelaufen. Was sollte Funkel wohl antworten? "Nein, es war wie immer"? Das wäre ein bisschen lustig und ein klein wenig überraschend gewesen. Beides wurde Hayalis Sportstudio-Premiere nicht.

"Natürlich" sei die erste Bundesligapartie nach dem Aufstieg mit Fortuna Düsseldorf etwas Besonderes gewesen, antwortete Funkel. Kein Wunder. Wer wie er seit 45 Jahren in der Bundesliga verwurzelt ist, weiß, wie man einen Ball gekonnt zurückspielt. Funkel war ein denkbar bequemer Gast für die neue Moderatorin, von der man sich doch eigentlich unbequeme Fragen gewünscht hatte.

Leicht verdienter Applaus

Mit publikumsfreundlichen Aussagen zum "Witz-Elfmeter" für den FC Bayern und der Forderung, statt "Marketing-Maßnahmen" wieder mehr auf "Fan-Nähe" zu setzen, sammelte Funkel leicht verdienten Applaus ein. Hayali nickte dazu rhythmisch und schien mit sich und ihrem Talk-Gast im Reinen zu sein. "Viele Leute denken, das stimmt, was der Mann sagt", war einer ihrer glatt gebügelten Einwürfe. Fernsehmoderator Michael Steinbrecher hätte es kaum einfühlsamer sagen können.

Im Vorfeld hatte die Personalie Hayali für Aufregung und Aufsehen gesorgt, abhängig davon, wo im politischen Spektrum man sich verortet. Wutbürger kündigten in den sogenannten sozialen Medien an, das "Sportstudio" zu boykottieren, wenn "Ms. -Rassismus-Vorwurf" - so ein Twitter-Kommentar - durch die Sendung führen würde. Andere Zuschauerinnen und Zuschauer hofften darauf, dass Hayali eine persönliche Note einbringen oder sich vielleicht mit einem Kommentar zu gesellschaftlich relevanten Themen einbringen würde.

Doch nichts dergleichen ist in der ersten Sendung geschehen. Statt auch nur eines Hauchs von Innovation hielt sich die 44-Jährige minutiös ans Lehrbuch "Sportstudio-Moderieren für Dummies". Von den etwas ungelenk das Gespräch unterbrechenden Anmoderationen der Spielberichte bis hin zum unvermeidlichen "Picken Sie sich Ihren Verein raus" beim Einblenden der Tabelle war es ein später Samstagabend im ZDF wie jeder andere - nur halt mit einem anderem Gesicht.

"Der Mann, der neben mir sitzt, hat auch einen Rücken"

Hätte man im Vorfeld nicht so viel über Hayalis Amtsantritt gehört oder gelesen, wäre der Personalwechsel vermutlich gar nicht aufgefallen. Dann hätte man wie eh und je mit Chipskrümeln auf dem Unterhemd auf dem Sofa wegdämmern können und sich so manche hemdsärmlige Überleitung ("Der Mann, der neben mir sitzt, hat auch einen Rücken") und allzu vorhersehbare Nachfrage ("Sie brennen noch für den Trainerjob?") erspart.

Nichts, aber auch gar nichts war neu, frisch oder anders an diesem "Sportstudio". Stattdessen schien es für Hayali ein weiterer Routine-Job zu sein, der zeitlich gut reinpasste, weil es am Wochenende kein "Morgenmagazin" gibt und die "Deutsche Automatenwirtschaft" erst im nächsten Jahr wieder zum "Gaming Summit" lädt.

Mit fast schon aufdringlich weit aufgerissenen Augen, den Oberkörper für die so unsäglich handzahmen Langweiler-Fragen ein bisschen zu weit nach vorne gelehnt, hing Hayali an Funkels bärtigen Lippen, als hätte der nicht nur geredet, sondern dabei sogar etwas gesagt. Zwischendurch der von der ZDF-Regie millionenfach erprobte Umschnitt: Hayali jetzt mal frontal, tief Luft holend, damit vor dem Übergang zum nächsten Spielbericht eine spürbare Pause entsteht. Und bei der Anmoderation bitte nicht den Blick auf die immer etwas zu wuchtigen Moderationskärtchen vergessen. Man muss ja nahbar bleiben.

Knapp zusammengefasst: Viel "sportstudioiger" hätte die Hayali-Premiere nicht ausfallen können. Beim ZDF dürfte man damit sehr zufrieden sein. Bewährtes hat sich ja nicht von ungefähr bewährt. Und Veränderung birgt Risiken, die nun wirklich keiner braucht. Der Wirbel im Vorfeld dürfte den Verantwortlichen schon gereicht haben. Immerhin: Diejenigen, die wegen Hayali bewusst ausgeschaltet und trotzdem nichts verpasst haben, haben einen Grund mehr, wütend zu sein. Auf die Welt, die Regierung und die vermeintlich linksversifften Medien. Denn an diesem Aufritt gibt es absolut nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt.

insgesamt 78 Beiträge
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Seite 1
Todweber 26.08.2018
1. Lasst Quoten sprechen.
Gehört längst eingestellt, schaut eh niemand mehr. Viel zu spät und vollkommen uninteressant in Zeiten des Pay-TV.
Koana 26.08.2018
2. Gebührenfinanzierte....
..... Statistentruppe, die eben einen "Klassengewinn" im mittleren Gewinnfeld gezogen haben. Die Moderatorin ist nicht schlimmer als ein Balltreter der Bundesliga und bekommt wohl wesentlich weniger Euros aus dem Pot,dafür jedoch auch wesentlich mehr als z.B. deutschlands beste Balltreterin, was den Lotteriekarakter allen Schaffens in diesem Feld der medialen Unterhaltung schön skizziert. Leider müssen (fast) alle dafür zahlen, egal für wie schwachsinnig sie das Theater empfinden.
kub.os 26.08.2018
3. Überschrift passt!
Routiniert hat Frau Hayalis durch die Sendung geführt. Ich habe da wenig zu meckern. Die wirklich "unbequemen" Gäste (Grindel, Bierhoff etc.) hatten ja im Vorfeld abgesagt. Das kann man ihr nicht zum Vorwurf machen. Der nette Herr Funkel war dann tatsächlich an Belanglosigkeit nicht zu übertreffen.
marialeidenberg 26.08.2018
4. Die Programmgewaltigen haben ihre Pflicht getan.
Und die Dame ist doppelt qualifiziert: Feminin (?) und Migrationshintergrund. Die weibliche Version des Konzessionsschulzen. Das passt. Ob sie fachlich tatsächlich erste Wahl ist weiß ich nicht, es kam mir aber nicht so vor.
Markus Frei 26.08.2018
5. Format
Ich denke mal wenn man eine Sendung sehen will in der wie der Autor hier fordert "gesellschaftspolitische Themen"in absolut politischer Korrektheit behandelt werden hat man bei den Öffentlich-Rechtlichen genug Sendungen zur Auswahl. Aber es darf doch auch Platz für eine Sendung geben in der es tatsächlich nur um Sport geht, ohne das uns in jeder Sekunde vorgehalten wird was für schlechte Menschen wir Deutschen doch sind.
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