"Daddelei vor dem Fernseher" Der Streit um E-Sport verschärft sich

Echter Sport oder "Gefahr für die Gesellschaft": Der Tonfall in der Debatte um die Anerkennung von E-Sport wird rauer. Der Verbandspräsident spricht von einer Verrohung der Sprache.

E-Sportler beim "Fifa"-eWorld Cup in London
DPA

E-Sportler beim "Fifa"-eWorld Cup in London


Der Präsident des E-Sport-Bundes Deutschland (ESBD), Hans Jagnow, hat den Ton bei den Gegnern einer Anerkennung von E-Sport als Sportart beklagt. "Die Äußerungen in den letzten Tagen lassen eine zunehmende sprachliche Verrohung der Debatte erkennen", sagte Jagnow. Der hessische Innenminister Peter Beuth hatte etwa gefordert, dass man den Begriff E-Sport "ausradieren" müsse.

Ebenfalls kritisch äußerte sich Andreas Silbersack in einem Interview mit der "Mitteldeutschen Zeitung". Der Präsident des Landessportbundes (LSB) Sachsen-Anhalt bemängelte, dass in E-Sport-Spielen "Menschen abgeschlachtet werden" und die Inhalte "blutrünstig" seien.

DOSB-Vize Walter Schneeloch nannte E-Sport gar "eine Gefahr für unsere Gesellschaft", wie er der "Rheinischen Post" sagte. Er begründet seine Meinung so: "Unsere Kinder werden immer dicker und kränker. Was wäre es für ein fatales Signal, wenn wir dann auch noch etwas unterstützen, bei dem man fünf Stunden an der Konsole hängt, und hinterher behauptet ein Kind, es habe ausreichend Sport gemacht? E-Sport ist deshalb leider eher eine Gefahr für unsere Gesellschaft." Für Schneeloch ist das Ganz nur eine "Daddelei vor dem Fernseher".

"Anstatt sich mit den Sachfragen auseinanderzusetzen, verfallen einige in pure Polemik", sagte ESBD-Präsident Jagnow zu den Aussagen: "Gerade reden viele nur über E-Sport statt mit ihm. Das ist kontraproduktiv und entspricht auch nicht unserer Vorstellung eines gesellschaftlichen Dialogs."

Jagnow kämpft seit Jahren um die Anerkennung von E-Sport, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte der Aufnahme in den organisierten Sport Ende Oktober jedoch eine Absage erteilt.

aha/sid



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Sleeper_in_Metropolis 30.11.2018
1. Schwierig
Einerseits hab' ich auch so meine Probleme damit, E-Sports als "echte" Sportart zu sehen. Andererseits - solange Beispielsweise Schach und Formel-1-Fahren auch als Sportart gelten, warum dann nicht auch E-Sports ?
v. m. photon 30.11.2018
2. Retro-Diskussion
Die Aussagen der E-Sport-Gegner entsprechen 1:1 der unseligen Killerspiel-Debatte vor über 15 Jahren. Schach gilt als Sport, E-Sport ist doch nichts anderes. Eigentlich unfassbar, dass sich in den Betonköpfen so wenig geändert hat...
kuroro_luzifer 30.11.2018
3.
Schade, dass die Diskussion offenbar in Polemik verfällt. Die Leistungen der Aktiven sollte zumindest gewürdigt werden. Das sachliche Argument des Bewegungsmangels ist jedoch absolut nachvollziehbar und treffend. Mangelnde Bewegung ist ein Zustand, der sich in unsere westliche Gesellschaft eingeschlichen hat, Mitursache zahlreicher gesundheitlicher Probleme ist und daher bekämpft werden muss. Eine (Sport-)Förderung ist da kontraproduktiv.
xgilliganx 30.11.2018
4. herrje
ach du meine güte, ich dachte wirklich die gesellschaft wäre gänzlich darüber hinweg, das kulturgut videospiele zu verteufeln. da irrte ich wohl. einmal 15 jahre zurück in die vergangenheit... klar, die turniere als sport zu betrachten, da lässt sich drüber streiten. aber hier wieder von gefährdung, blutrunst und abschlachten zu sprechen... herrje... ist das arm. hallo....!!! aufwachen. auch die videospielbranche ist eine branche, die wirtschaftlich enorm von bedeutung ist. mittlerweile wohl mindestens genauso wie die filmindustrie. auch hier hat deutschland seit jahren massiven aufholungsbedarf, da u.a. genau wegen solcher dämlichen diskussionen massiv potenzial verpennt wurde. fehlende förderung ist z.b. etwas, was entwicklerstudios zur entscheidung bringt, nicht in deutschland sesshaft zu werden. aber die gleiche ebene sport ist es ja auch nicht. das zeigt doch alleine schon die zugabe des buchstaben "e". nur wenn billiard und schach als sport gilt, gerade bei schach sitzt man stunden lang vorm brett, wie ungesund, da bewegt man sich beim zocken am pc oder an der konsole sicherlich um ein vielfaches mehr, ist e-sport sicher ein sport. übrigens, nebenbei bzgl. des obigen kommentar: formel 1 ist garantiert sport. denn es ist massiv anstrengend und es bedarf hoher konzentration eine renndistanz mit solchen krafteinwirkungen zu fahren.
schueler79 30.11.2018
5. Ein leidenschaftlicher Zocker
Seit über 30 Jahren, damals noch mit Atari und dem C 64, spiele und liebe ich Videospiele. Und als solcher finde ich hat E - Sport nichts bei einer Olympiade verloren. Es gibt genügend Formate wo sich Player messen können, warum versucht man jetzt den üblichen Weg zu gehen? Unnötig. P.S. Lieber PES als FIFA! :)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.