Eberhard Gienger Schwerverletzt nach Fallschirmabsturz

Bei einem Fallschirmsprung ist der frühere Turnweltmeister schwer verletzt worden. Kurz vor der Landung war sein Schirm durch eine Windböe zusammengefaltet worden.


Eberhard Gienger
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Eberhard Gienger

Esslingen - Der ehemalige Reck-Weltmeister Eberhard Gienger hat sich bei einem Fallschirmabsturz am Sonntagmittag im schwäbischen Köngen schwere Verletzungen zugezogen. Der ersten alamierenden Mitteilung der Polizeidirektion Esslingen, wonach laut eines Sprechers sogar "Lebensgefahr" bestehe, folgte kurze Zeit später die Entwarnung. Bernd Effing, Geschäftspartner und ehemaliger Kunstturn-Kollege des 48-Jährigen, erklärte am Nachmittag auf der Fahrt ins Krankenhaus, Gienger habe bereits wieder mit seiner Frau Sybille telefoniert. Er habe beide Beine gebrochen und eventuell auch das Becken. Über mögliche innere Verletzungen war noch nichts bekannt.

Der Unfall ereignete sich bei einem Rundflug anlässlich eines Tages der Offenen Tür im Postfrachtzentrum Köngen bei Esslingen. Gienger, 1974 und 1978 als erster und bislang einziger Kunstturner Deutschlands Sportler des Jahres, stürzte vor zahlreichen Besuchern aus zehn Metern Höhe ungebremst auf den Betonboden, nachdem eine Windböe seinen Fallschirm zusammengeklappt hatte.

Der 30-malige deutsche Meister Eberhard Gienger wurde mit dem Rettungshubschrauber in die Uniklinik in Tübingen geflogen, nachdem er trotz der ersten Versorgung im Rettungswagen lange Zeit nicht transportfähig war. Er war aber stets bei Bewusstsein und ansprechbar.

Bei den Europameisterschaften der Kunstturner in Bremen, die der Künzelsauer von Donnerstag bis Samstag verfolgt hatte, löste die Nachricht Entsetzen aus. "Ich bin erschüttert und traurig", sagte Prof. Dr. Jürgen Dieckert, Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Eberhard Gienger im Doppelpack mit Löwen-Coach Werder Lorant
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Eberhard Gienger im Doppelpack mit Löwen-Coach Werder Lorant

Gienger, Vorsitzender des Technischen Komitees Kunstturnen Männer im DTB, ist ein erfahrener Fallschirmspringer mit unzähligen Sprüngen. Vor mehreren Jahren allerdings war Gienger einem Absturz mit einem Schleppflugzeug nur knapp entgangen. Erst kürzlich hatte er sich mit dem Nordpol ein äußerst extremes Absprungziel gesucht. "Ein kleines Restrisiko bleibt immer, aber ich habe eben unbändige Freude an diesem Sport", sagte der verheiratete Vater zweier Söhne einmal über sein Hobby.

Giengers Auftritt in Köngen stand in Zusammenhang mit seinem Engagement in der PR-Abteilung der Deutschen Post AG. Er war zuletzt unter anderem maßgeblich daran beteiligt, dass es zwischen dem Nachfolger der deutschen Bundespost und dem Formel-1-Team Jordan mit Fahrer Heinz-Harald Frentzen (Mönchengladbach) zu einem mit 20 Millionen Mark dotierten Sponsorenvertrag kam.



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