Kooperation von Red Bull und FC Bayern "Da muss man Danke sagen"

Red Bull hat München zur deutschen Eishockey-Hauptstadt gemacht. Jetzt baut der Brausekonzern mit dem FC Bayern Basketball eine 100 Millionen Euro teure Sporthalle. Gegen diese Allianz regt sich auch Widerstand.

Boyle (l.), Aulie und Torhüter aus den Birken
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Boyle (l.), Aulie und Torhüter aus den Birken

Von Christoph Leischwitz, München


In den ersten beiden Spielen der best-of-seven-Serie um die deutschen Eishockey-Meisterschaft war es noch spannend. Die Berliner Eisbären hatten dem EHC Red Bull München alles abverlangt und sogar ein Spiel in deren Halle gewonnen. Spiel drei am vergangenen Mittwoch aber war ein klares Statement: 45:27 Torschüsse. Und vor allem: 18 Strafminuten für Berlin, nur acht für München. Drei der vier EHC-Treffer beim 4:1-Sieg fielen in Überzahl.

Dabei ist das gute Power Play nicht der Grund, sondern nur ein Indiz der Überlegenheit: München ist technisch, athletisch und psychologisch stets in der Lage, die Schwächen seines Gegners zu finden und auszunutzen.

Die Eisbären werden sich am Freitagabend in Spiel vier gewiss nach Kräften wehren. Doch München hat gute Chancen, die dritte Meisterschaft in Serie einzufahren. Der US-amerikanische Erfolgscoach Don Jackson war vorher mit dem Finalgegner Berlin fünf Mal Meister geworden. Nun hat der 61-Jährige beim vermeintlichen Krösus der Liga noch mehr finanzielle Mittel. Geld, so scheint es, schießt eben in jeder Sportart die Tore.

Im Moment noch nicht viel über Planungen bekannt

Damit nicht genug: Red Bull und der FC Bayern München machen bald gemeinsame Sache. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die neue Hightech-Multifunktionshalle für die Eishockeyspieler von Red Bull und die Basketballer des FC Bayern gebaut wird.

Dort, wo das neue Machtzentrum des deutschen Sports entstehen soll, liegt im Moment noch Schotter, eingekreist von einem 2,50 Meter hohen Holzzaun. Bis 2015 stand hier das alte Olympia-Radstadion der Sommerspiele von 1972, dann wurde es für Red Bull abgerissen. Die Halle wird im Westen des Olympiaparks entstehen, gut einen Kilometer entfernt von der aktuellen Eishalle mit ihrem urigen Siebzigerjahre-Charme. Rund 10.000 Zuschauer soll sie fassen. Red Bull trägt die Investitionskosten.

Münchens Trainer Don Jackson
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Münchens Trainer Don Jackson

Viel mehr ist über die Planungen aber nicht bekannt. Die Österreicher halten sich, ganz in Linie mit der Konzernpolitik, in Sachen Öffentlichkeitsarbeit sehr zurück. Das meiste von dem, was bekannt ist, weiß man aus einem einzigen Statement von Red Bull-Eigner Dietrich Mateschitz sowie aus Zeitungsinterviews mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß, dessen neue Leidenschaft der Basketball geworden ist. 2020 oder 2021 wird der Einzug erfolgen, der Baubeginn dürfte also unmittelbar bevorstehen. Der Umbau von einer Eishockey- in eine Basketballhalle soll im Spielbetrieb nicht mehr als sechs Stunden betragen. Die Gesamtkosten für den Bau werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Der Protest gegen dieses Sport-Geld-Konglomerat hält sich in Grenzen. Erstens ist die Stadt froh, ein weiteres sportliches Aushängeschild zu bekommen. Zweitens dürfte die defizitär arbeitende Olympiapark GmbH ebenfalls profitieren. "Da muss man als Oberbürgermeister Danke sagen und zufrieden sein", sagte Dieter Reiter 2017 bei Bekanntwerden der Pläne. Und die entspannten Eishockey-Fans, die ohnehin mit Red-Bull-Trikots auf den Rängen stehen, haben Verständnis. "Eigentlich ist die alte Halle für ihr Alter gesehen immer noch sehr gut", sagt Michael Lennackers, der seit mehr als 30 Jahren zu den Spielen geht. Aber natürlich könne man diese Halle den Sponsoren und VIPs schwerlich als hochmodern verkaufen.

"Wenn da die Fans nicht eingebunden werden - schwierig"

Etwas mehr Widerstand regt sich beim FC Bayern. Die Ultragruppierung Schickeria, die schon Auswärtsfahrten der Fußballer zu RB Leipzig boykottierte, hielt im Januar 2017 bei einem Spiel in Freiburg das Spruchband "Keine Halle mit RB!" in die Höhe. Der Fan-Dachverband Club Nr. 12 fand in einer Umfrage unter eigenen Fans heraus, dass nur gut zwölf Prozent die Rolle eines Mieters befürworten. Und für gerade einmal ein Prozent wäre es in Ordnung, wenn die Halle nach Red Bull benannt wäre.

Uli Hoeneß beim Basketball
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Uli Hoeneß beim Basketball

Die anderen Fans stört die Ungewissheit. Bei den Big Reds, dem Basketball-Fanklub der Bayern mit 350 Mitgliedern, hat man keine Ahnung, ob man zum Beispiel wieder eine Südkurve bekommt. Vorstand Claudia Zirngibl versteht Fußball-Proteste gegen Konzerne wie Red Bull zwar nur bedingt. Aber: "Es geht ja um die Stimmung in der Halle. Die interessiert einen Verein oder ein Sponsor nicht. Wenn da die Fans nicht eingebunden werden - schwierig", sagt sie.

Zumindest bei der Namensgebung konnte der FC Bayern wohl seine Interessen durchsetzen. Die Halle wird nicht nach dem Brausehersteller benannt. Dafür soll sich ein dritter schwergewichtiger Protagonist des deutschen Sport-Großkapitals gefunden haben: SAP. Daniel Hopp, Sohn von Dietmar Hopp, ist schon lange ein Förderer des deutschen Eishockeys. Es ist aber gut möglich, dass den Bayern-Fans eine SAP-Arena genauso wenig schmeckt wie eine Red-Bull-Arena.



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