Kartellverfahren Ex-Firma von deutschem Olympia-Chef muss Millionen-Bußgeld zahlen

Die Creaton AG muss wegen illegaler Preisabsprachen fast 40 Millionen Euro Bußgeld zahlen. Die Vorgänge fallen in die Zeit, als der heutige DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Dachziegelfirma leitete.

Von Thomas Purschke

DOSB-Chef Hörmann: "Wohl im Grenzbereich"
DPA

DOSB-Chef Hörmann: "Wohl im Grenzbereich"


Die Creaton AG ist keine übermäßig bekannte Firma, was vor allem an dem Produkt liegt, das sie herstellt: Dachziegel. Deutlich berühmter ist da schon der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Firma, der heute der oberste Sportfunktionär des Landes ist: Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Und deshalb dürfte das Urteil, das am 29. Mai im Kartellverfahren am Oberlandesgericht Düsseldorf gefallen ist, nicht nur die Dachziegelbranche interessieren. Creaton wurde dort zur Zahlung von 39,9 Millionen Euro Bußgeld wegen illegaler Preisabsprachen verurteilt, was ein Sprecher des Oberlandesgerichts auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigte. Betroffen ist das Jahr 2006, mitten in der Amtszeit von Alfons Hörmann.

Zur Vorgeschichte: Das Bundeskartellamt hatte nach umfangreichen Ermittlungen im Dezember 2008 sowie Anfang 2009 gegen neun Unternehmen und zwölf Personen wegen der Beteiligung an wettbewerbsbeschränkenden Absprachen bei Tondachziegeln Geldbußen in Höhe von insgesamt 188 Millionen Euro verhängt. Die Firma Creaton hatte gegen ihren Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt. Daraufhin prüfte die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf den Vorgang akribisch.

Prozesseröffnung im Mai 2015

Die Behörde teilte im November 2013 mit: "Wir sind nach umfangreicher Prüfung davon überzeugt, dass der vom Bundeskartellamt im Jahr 2008 erhobene Vorwurf der wettbewerbsbeschränkenden Preisabsprachen bei der Firma Creaton AG zutrifft." In der Folge hatte der zuständige Kartellsenat beim Oberlandesgericht Düsseldorf am 11. Mai 2015 den Prozess eröffnet.

Die von den Kartellwächtern im Jahr 2008 gegen den damaligen Marktführer Creaton verhängte Bußgeldsumme von ursprünglich 66 Millionen Euro wurde nach einer umfassenden Prüfung der Firmen-Bilanzen der Creaton AG im Rahmen des Gerichtsverfahrens auf nun 39,9 Millionen Euro Bußgeld festgesetzt. Diese einstigen Preisabsprachen von mehreren deutschen Ziegelherstellern gingen zu Lasten vieler Häuslebauer, die dadurch höhere Preise zahlen mussten.

Alfons Hörmann, der im Dezember 2013 zum DOSB-Präsidenten gewählt wurde und von 2005 bis 2013 als Präsident den Deutschen Skiverband anführte, war von 1998 bis 2010 Vorstandsvorsitzender von Creaton, also auch im betreffenden Jahr 2006. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes hatte Hörmann zudem vor seiner Wahl 2013 "nach eingehender Prüfung" des Vorgangs den Rücken gestärkt und öffentlich verkündet, dass dieses Kartellrechtsverfahren keinerlei Auswirkungen auf Hörmanns Kandidatur habe.

Keine kritischen Stimmen

Hörmann hatte, wie Anfang Mai 2015 bekannt wurde, wenige Tage vor Prozessbeginn in Düsseldorf den bereits 2008 vom Bundeskartellamt erlassenen Bußgeldbescheid in Höhe von 150.000 Euro plus circa 75.000 Euro Zinsen akzeptiert - vor seiner Wahl zum DOSB-Chef aber mehrfach öffentlich betont, er sei an keinen illegalen Preisabsprachen bei der Creaton AG beteiligt gewesen.

Anfang Mai 2015 hatte Hörmann dann plötzlich erklärt: Er habe sich wohl im Grenzbereich bewegt und müsse einen Fehler eingestehen. Erst abstreiten, dann teilweise einräumen - kritische Stimmen aus dem organisierten Sport hat es auch danach nicht gegeben. Das wird sich wohl auch nach dem Urteil nicht ändern.

Hauptberuflich ist der 54-jährige Allgäuer Unternehmer Hörmann heute als Chef der Hörmann-Gruppe mit circa 3000 Mitarbeitern vornehmlich im Bereich der Kommunikationsanlagen- und Autoteile-Branche tätig. Am 23. November 2009 wurde Hörmann von Bayerns damaligem Wirtschaftsminister Martin Zeil mit der Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft ausgezeichnet.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.