Tödlicher Unfall am Nürburgring "Wir sind alle schwer geschockt"

Schock am Nürburgring: Der Tod eines Zuschauers bei einem Langstreckenrennen hat Entsetzen bei Fahrern und Verantwortlichen ausgelöst. Die genaue Unfallursache war am Abend immer noch ungeklärt.


Hamburg - Es sollte ein Rennvergnügen werden, es wurde eine Tragödie. Bilanz des schweren Rennunfalls am Nürburgring vom Samstag: Ein toter Zuschauer und zwei weitere Verletzte. "Mir fehlen die Worte", sagte der amtierende DTM-Champion Marco Wittmann, der als Gastfahrer am Start war.

Das Auftaktrennen der Breitensport-Rennserie VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring war zuvor von dem schweren Zwischenfall auf der Nordschleife überschattet worden, als der Nissan Nismo GT3 des Briten Jann Mardenborough über die Streckenbegrenzung flog und auf dem Dach in einem Zuschauerraum landete. Die Ursache des Unfalls war zunächst unklar.

Das Opfer verstarb nach Angaben des Veranstalters trotz sofort eingeleiteter Rettungsmaßnahmen noch im Medical-Center der Rennstrecke. Die übrigen verletzten Zuschauer wurden zur weiteren medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht. Zehn weitere Zuschauer seien durch den Rettungsdienst vor Ort notfallpsychologisch betreut worden. Das Rennen wurde abgebrochen und nicht wieder neu gestartet.

Das zuständige Polizeipräsidium in Koblenz bestätigte die Angaben der Veranstalter. Ermittlungen seien aufgenommen worden. Laut DMSB wird die Staatsanwaltschaft in der kommenden Woche routinemäßig die Unfallstelle begehen.

Der Pilot selbst blieb bei dem Unfall unverletzt

Der 23 Jahre alte Pilot konnte sein Auto laut Nissan aus eigenen Kräften verlassen und wurde nach einem ersten Check im Medical-Center zu Routineuntersuchungen in ein Krankenhaus gebracht. Bei Twitter wurden bereits kurz nach dem Unfall Fotos veröffentlicht, die den Piloten stehend neben seinem zerstörten, auf dem Dach liegenden Boliden zeigen.

Im Streckenabschnitt Flugplatz an der Quiddelbacher Höhe, einer der berüchtigten Sprungkuppen der Nordschleife, war Mardenboroughs Nissan von der Strecke abgehoben und über die Leitplanke und den Sicherheitszaun geflogen. An dieser Stelle erreicht ein Langstreckenrennwagen bei trockenen Verhältnissen mehr als 200 Stundenkilometern.

Nissan sicherte in einer Erklärung seine "volle Kooperationsbereitschaft" bei der Aufklärung des Vorfalls zu und äußerte sein tiefes Bedauern: "Die heutigen Ereignisse sind eine Tragödie. Wir alle sind schwer geschockt und betroffen. Unsere ersten Gedanken gelten dem Verstorbenen, den Verletzten und deren Familien und Freunden."

Die ADAC-Westfalenfahrt wird von vielen Motorsportlern zur Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen an gleicher Stelle am 16./17. Mai genutzt. Zum Zeitpunkt des Abbruchs führte der Zakspeed-Mercedes von Luca Ludwig, Sebastian Asch und Tom Coronel. Der Vorfall am Samstag war der erste in der 38-jährigen Geschichte der Rennserie, bei dem Zuschauer zu Schaden kamen.

Mardenborough, dessen Vater Steve 21 Jahre lang als Fußballprofi in England aktiv war, gilt als großes Rennsporttalent. 2011 setzte er sich gegen mehrere 1000 Konkurrenten bei der sogenannten GT Academy von Nissan und Sony durch, einem virtuellen Autorennen auf der Play Station. Als Belohnung wurde ihm der Einstieg in den professionellen Motorsport ermöglicht. Seit 2014 fährt Mardenborough in der GP3-Serie, in diesem Jahr startet der Brite zusätzlich in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft.

aha/sid



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