Von Frederik Schäfer
Spieler schlagen auf Zuschauer ein, zwei Fans müssen ins Krankenhaus, die Polizei ermittelt: Die Ereignisse während des Eishockey-Verbandsliga-Spiels zwischen den Wedemark Scorpions und der zweiten Mannschaft der Hamburg Crocodiles sorgten für Aufsehen. Nun haben sich die beschuldigten Hamburger erstmals öffentlich geäußert. In einer schriftlichen Mitteilung, die auf der Website der Crocodiles veröffentlicht wurde, weisen sie jegliche Schuld von sich.
Dort heißt es, dass die gegnerischen Fans anfingen "mit Fahnenstangen und anderen langen Gegenständen direkt auf unsere Offiziellen sowie die Spieler einzuschlagen bzw. zu stechen und uns mit Gegenständen zu bewerfen." Die Hamburger Spieler hätten sich "letztendlich tatsächlich massiv ihrer Haut wehren müssen". Die Polizei prüft nun, ob sie gegen die Wedemärker Fans Ermittlungen einleiten wird.
Einen Schritt weiter ist die Polizei bei drei Spielern der Crocodiles: Sie prügelten mit ihren Eishockey-Schlägern auf Wedemärker Fans ein. Zwei junge Anhänger mussten im Krankenhaus genäht werden. "Gegen die Hamburger Spieler wird wegen des Verdachts auf gefährliche Körperverletzung ermittelt", sagt die Pressesprecherin der Hannoveraner Polizei Tanja Rißland.
Ingo Haselbacher, Vorstandsmitglied der Wedemark Scorpions, hält die Darstellung der Hamburger für völlig falsch. "Da haben Fans von uns mit einer Fahne herumgewedelt, aber bis zum Angriff der Hamburger Spieler gab es keine körperlichen Aggressionen", sagte er SPIEGEL ONLINE. Vielmehr habe ein Spieler der Crocodiles "aus dem Nichts seinen Schläger als Waffe verwendet und auf unsere Fans eingeschlagen", so Haselbacher, für den "das Einsetzen des Spielgeräts als Waffe gegen die Fans" das "größtmögliche No-Go des Eishockeysports" darstellt.
"Das kann doch alles nicht wahr sein"
Ein zentraler Vorwurf der Crocodiles ist die Ordner-Situation beim Spiel. So sollen lediglich fünf Ordner für die insgesamt gut 1600 Zuschauer zuständig gewesen sein. "Das ist Quatsch. Es waren 15 Ordner im Einsatz. Wäre eine Beschwerde über die Belästigung durch unsere Fans an unseren Ordnungsdienst gerichtet worden, wie es in solchen Fällen üblich ist, hätten wir das sehr einfach abstellen können", sagt Haselbacher.
Zwei konträre Positionen - wer hat recht? Das muss die Polizei nun klären. "Es werden jetzt diverse Zeugen vernommen und das bestehende Videomaterial gesichtet. Die Ermittlungen werden sich einige Zeit hinziehen", sagt Pressesprecherin Rißland. Und auch der Niedersächsische Eissportverband, der für die Verbandsliga Nord zuständig ist, wird tätig werden. Verbandspräsident Hans Ellfrodt will zügig einen Kontrollausschuss einberufen. Über sportliche Konsequenzen entscheidet dann das Spielgericht des Verbandes. Der Schock sitzt so oder so beim Verband noch immer tief: "Das kann doch alles nicht wahr sein. So etwas gab es bei uns noch nie", sagt Ellfrodt.
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