Eishockey Deutschland ist B-Weltmeister

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft ist ans Ziel ihrer sportlichen Träume gestürmt. Mit dem 5:0-Sieg über Großbritannien am letzten Spieltag der B-WM in Polen feierten die Schützlinge von Bundestrainer Hans Zach nach dem Aufstieg am "grünen Tisch" auch die sportliche Qualifikation für die A-WM 2001.


Bild mit Seltenheitswert: Deutsche Eishockeyspieler mit Medaillen
DPA

Bild mit Seltenheitswert: Deutsche Eishockeyspieler mit Medaillen

Kattowitz - Auf dem Weg zu seinen "Weltmeistern" ließ Hans Zach sich selbst von drei Ordnern nicht aufhalten: Nachdem die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft mit einem 5:0 gegen Großbritannien den Titelgewinn bei der B-WM in Kattowitz perfekt gemacht hatte, zögerte der Bundestrainer nicht, gegen die strengen und sturen Offiziellen der Spodek-Arena, die ihm wegen der fehlenden Akkreditierung den kürzesten Weg verweigerten, auch körperliche Gewalt anzuwenden.

Zuvor hatte auch allergrößte Rohheit seine Mannschaft nicht aufhalten können: Als das "Finale" entschieden war, verlegten sich die Engländer auf Fouls. Leidtragender war Martin Reichel, der durch einen Stockschlag von Mike Bishop acht Zähne verlor und einen Kieferbruch erlitt. "Das schmälert meine Freude", bekannte Zach, "doch auch in dieser Szene hat sich unser Charakter gezeigt." Denn statt sich durch Gewalt zu rächen, bestrafte Andreas Renz die Engländer während der aus dem Foul resultierenden Überzahl mit dem Treffer zum 5:0-Endstand.

Zum Matchwinner war mit einem Hattrick Daniel Kreutzer avanciert. "Zuletzt drei Tore in einem Spiel habe ich irgendwann bei den Junioren geschossen", freute sich der 20-Jährige, "und dass es dann auch noch in einer so wichtigen Partie passiert ist natürlich super. Wir haben selbst nach dem 2:6 gegen Polen immer an den Turniersieg geglaubt." Schon jetzt freut sich Kreutzer auf die A-WM 2001 im eigenen Land: "Wir haben sogar eine gute Chance auf die Endrunde, wenn wir beispielsweise im ersten Spiel gleich die Schweiz schlagen. Aber vorrangiges Ziel ist der Klassenerhalt."

Darauf hofft auch der überragende Torhüter Marc Seliger, der als einziger Deutscher ins All-Star-Team gewählt wurde: "Ich glaube, dass es einfacher ist, in einem Jahr mal einem Großen ein Beinchen zu stellen, als hier in Kattowitz alle Gegner schlagen zu müssen. Dieses Turnier war ein voller Erfolg, weil wir immer an uns geglaubt haben. Dass ich jetzt noch im All-Star-Team stehe, ist natürlich das Tüpfelchen auf dem i."

Nach dem Spiel bildete Bundestrainer Hans Zach gemeinsam mit seinen Assistenten Ernst Höfner und Bernhard Englbrecht sowie Sportdirektor Franz Reindl einen engen Kreis, alle verharrten einen Moment in inniger Umarmung. Reindl: "Wir waren hier ein verschworener Haufen und haben bewiesen, dass es für uns nicht nur um die Goldene Ananas ging. Mit dem zweiten Turniersieg nach dem Gewinn des Olympia-Vorqualifikationsturniers in Ljubljana im Februar geht ein Traum in Erfüllung. Wir haben bewiesen, dass wir im jeden Fall zu den 16 A-Nationen gehören und nicht nur als Gastgeber dabei sind."

Ernst Höfner, im DEB neben seiner Position als Co-Trainer der Nationalmannschaft noch für den Nachwuchs verantwortlich, blickt sogar über das Jahr 2001 hinaus in die Zukunft: "Die Vereine haben gesehen, dass man mit Deutschen so gut und erfolgreich spielen kann, aufbauend darauf und den Erfolg der U-18, die sich durch ein 10:0 über Weißrussland unter den besten zehn Mannschaften der Welt etabliert hat, können wir jetzt konsequent unsere Programme für den Neuaufbau fortsetzen. Wir wollen die Jugend wieder für unseren Sport begeistern, damit mehr in die Eishockey-Schulen kommen und wir eine noch größere Breite erreichen."



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