Von Frederik Schäfer
Daniel Brière, NHL-Star im Dienste der Eisbären Berlin, ließ am vergangenen Sonntag kurzzeitig die Fäuste sprechen. Immer wieder hatte ihn Gegenspieler Martin Buchwieser vom EHC München angerempelt. Dann reichte es dem Kanadier - und Brière zeigte, dass er sich auch für eine kleine Schlägerei nicht zu schade ist.
Doch das war nur eine Randerscheinung, denn in der Partie wurde vor allem deutlich, was Brière am besten kann: Eishockeyspielen. Er lieferte seine 17. Torvorlage im zwölften Spiel, die Partie gegen München endete 5:2. In den vergangenen zwölf DEL-Spielen erzielten die Eisbären 53 Tore, im Schnitt 4,42 pro Spiel.
Einen ganz entscheidenden Anteil daran haben die NHL-Stars Brière und Claude Giroux. Während der Europa-Aufenthalt für einige Lockout-Profis wenig glücklich verläuft - wie zum Beispiel für den dauerverletzten Goalie Rick DiPietro beim SC Riessersee - begeistern die beiden Kanadier das deutsche Eishockey-Publikum Woche für Woche.
Zur Zeit ist Brière jedoch auf sich allein gestellt. Giroux hat sich beim Spiel gegen die Krefeld Pinguine am 16. November an der Halswirbelsäule verletzt und ist momentan für Untersuchungen in den USA.
"Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Die Untersuchungen sind reine Vorsichtsmaßnahmen. Wenn der Lockout noch länger andauert, wird er sicher bald wieder für die Eisbären im Einsatz sein", sagt Brière SPIEGEL ONLINE.
"Er ist ein kleiner Genius"
Darauf hofft ganz Berlin. Ohne Giroux fehlt Brière sein kongenialer Partner. In der NHL spielen die beiden zusammen für die Philadelphia Flyers. Der 35-jährige Brière ist zweifacher Allstar und doppelter Weltmeister mit der kanadischen Nationalmannschaft. Der neun Jahre jüngere Giroux gilt für viele als einer der momentan besten Spieler der Welt.
In der vergangenen NHL-Saison war er drittbester Scorer der Liga und Eishockey-Legende Jaromir Jagr nannte ihn anerkennend "einen kleinen Genius". Nicht zufällig ziert er das Cover des bekanntesten Eishockey-Videospiels. Zum Vergleich: Beim fußballerischen Äquivalent jubelt Lionel Messi vom Titel.
In den letzten Spielen ohne Giroux wurde deutlich, dass Brières Spielverständnis so außergewöhnlich ist, dass selbst die Mitspieler seinen Ideen nicht immer folgen können. Brière erkennt freie Räume lange bevor sie da sind, die Teamkollegen sind bei den Zuspielen dann teilweise nicht dort, wo sie sein sollten. Klar ist: Brière und Giroux geht es nicht darum, auf eigene Faust ihre Klasse zu beweisen. Sie stellen sich in den Dienst der Mannschaft, glänzen mit Vorlagen, machen ihre Mitspieler besser und reissen diese mit.
Und sorgen für Erfolg. Die Eisbären - die Serienmeister der vergangenen Jahre - erwischten einen schweren Saisonstart. In den ersten sechs DEL-Partien gab es drei Niederlagen, unter anderem ein empfindliches 1:6 gegen die Adler Mannheim. Seit Brière und Giroux in Berlin sind, ist die Statistik wieder deutlich positiver. Aktuell Rang vier in der Tabelle ist zwar noch ausbaufähig, aber die Formkurve zeigt deutlich nach oben.
Dabei kommt Brière in zwölf Spielen für die Eisbären auf 21 Scorerpunkte, davon 17 Vorlagen. Giroux hat in neun Partien bereits 19 Punkte (Vier Tore, 15 Vorlagen) sammeln können. Seine Quote von 2,11 Punkten pro Spiel ist die mit Abstand beste in der Liga.
Vom Training mit der S-Bahn nach Hause
"Dass die beiden sensationelle Eishockey-Spieler sind, ist ja gar keine Frage", sagt Eisbären-Kapitän André Rankel SPIEGEL ONLINE. "Aber das ist nicht alles: Sie sind freundlich, bescheiden und helfen uns auch in der Kabine enorm weiter."
Insbesondere die Bescheidenheit der NHL-Stars verblüfft die Mitspieler. So erzählt Rankel über Brière, der momentan einen mit 52-Millionen-US-Dollar dotierten Achtjahresvertrag bei den Philadelphia Flyers besitzt: "Danny fragte uns letztens nach dem Training, wie er am besten mit der S-Bahn nach Hause kommt. Wir haben ihm gesagt, dass er doch ein Taxi nehmen soll, aber er wollte lieber mit der Bahn fahren, um die Stadt besser kennen zu lernen."
Wie lange der NHL-Lockout andauert, also die Eisbären etwas von den beiden haben, kann niemand genau sagen. Die Verhandlungen zwischen Team-Eigentümern und Spielergewerkschaft (NHLPA) über einen neuen Tarifvertrag lassen aber momentan nicht vermuten, dass dort der Spielbetrieb bald wieder aufgenommen wird. Zuletzt wurden alle Spiele bis zum 14. Dezember und auch das für Ende Januar in Columbus geplante All-Star-Wochenende abgesagt. Staatliche Vermittler sollen nun helfen.
"Für Danny und Claude würde ich mich freuen, wenn es bald wieder losgeht. Doch für uns als Mannschaft wäre es natürlich fantastisch, wenn der Lockout weiter anhält", sagt Rankel.
Fällt die ganze NHL-Saison aus, ist für Brière die Marschrichtung klar: "Dann gibt es nur ein Ziel: Die Deutsche Meisterschaft mit den Eisbären", sagt er.
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