NHL-Stars Brière und Giroux: Die Teamplayer

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Der Lockout in der NHL macht es möglich: Mit Daniel Brière und Claude Giroux spielen momentan zwei Top-Stars für die Eisbären Berlin in der DEL. Sie zeigen Weltklasse-Eishockey, Fans und Mitspieler schwärmen von ihrer Bodenständigkeit. Nun muss der angeschlagene Giroux nur wieder gesund werden.

Brière und Giroux: NHL-Stars begeistern Berlin Fotos
Getty Images

Daniel Brière, NHL-Star im Dienste der Eisbären Berlin, ließ am vergangenen Sonntag kurzzeitig die Fäuste sprechen. Immer wieder hatte ihn Gegenspieler Martin Buchwieser vom EHC München angerempelt. Dann reichte es dem Kanadier - und Brière zeigte, dass er sich auch für eine kleine Schlägerei nicht zu schade ist.

Doch das war nur eine Randerscheinung, denn in der Partie wurde vor allem deutlich, was Brière am besten kann: Eishockeyspielen. Er lieferte seine 17. Torvorlage im zwölften Spiel, die Partie gegen München endete 5:2. In den vergangenen zwölf DEL-Spielen erzielten die Eisbären 53 Tore, im Schnitt 4,42 pro Spiel.

Einen ganz entscheidenden Anteil daran haben die NHL-Stars Brière und Claude Giroux. Während der Europa-Aufenthalt für einige Lockout-Profis wenig glücklich verläuft - wie zum Beispiel für den dauerverletzten Goalie Rick DiPietro beim SC Riessersee - begeistern die beiden Kanadier das deutsche Eishockey-Publikum Woche für Woche.

Zur Zeit ist Brière jedoch auf sich allein gestellt. Giroux hat sich beim Spiel gegen die Krefeld Pinguine am 16. November an der Halswirbelsäule verletzt und ist momentan für Untersuchungen in den USA.

"Ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Die Untersuchungen sind reine Vorsichtsmaßnahmen. Wenn der Lockout noch länger andauert, wird er sicher bald wieder für die Eisbären im Einsatz sein", sagt Brière SPIEGEL ONLINE.

"Er ist ein kleiner Genius"

Darauf hofft ganz Berlin. Ohne Giroux fehlt Brière sein kongenialer Partner. In der NHL spielen die beiden zusammen für die Philadelphia Flyers. Der 35-jährige Brière ist zweifacher Allstar und doppelter Weltmeister mit der kanadischen Nationalmannschaft. Der neun Jahre jüngere Giroux gilt für viele als einer der momentan besten Spieler der Welt.

In der vergangenen NHL-Saison war er drittbester Scorer der Liga und Eishockey-Legende Jaromir Jagr nannte ihn anerkennend "einen kleinen Genius". Nicht zufällig ziert er das Cover des bekanntesten Eishockey-Videospiels. Zum Vergleich: Beim fußballerischen Äquivalent jubelt Lionel Messi vom Titel.

In den letzten Spielen ohne Giroux wurde deutlich, dass Brières Spielverständnis so außergewöhnlich ist, dass selbst die Mitspieler seinen Ideen nicht immer folgen können. Brière erkennt freie Räume lange bevor sie da sind, die Teamkollegen sind bei den Zuspielen dann teilweise nicht dort, wo sie sein sollten. Klar ist: Brière und Giroux geht es nicht darum, auf eigene Faust ihre Klasse zu beweisen. Sie stellen sich in den Dienst der Mannschaft, glänzen mit Vorlagen, machen ihre Mitspieler besser und reissen diese mit.

Und sorgen für Erfolg. Die Eisbären - die Serienmeister der vergangenen Jahre - erwischten einen schweren Saisonstart. In den ersten sechs DEL-Partien gab es drei Niederlagen, unter anderem ein empfindliches 1:6 gegen die Adler Mannheim. Seit Brière und Giroux in Berlin sind, ist die Statistik wieder deutlich positiver. Aktuell Rang vier in der Tabelle ist zwar noch ausbaufähig, aber die Formkurve zeigt deutlich nach oben.

Dabei kommt Brière in zwölf Spielen für die Eisbären auf 21 Scorerpunkte, davon 17 Vorlagen. Giroux hat in neun Partien bereits 19 Punkte (Vier Tore, 15 Vorlagen) sammeln können. Seine Quote von 2,11 Punkten pro Spiel ist die mit Abstand beste in der Liga.

Vom Training mit der S-Bahn nach Hause

"Dass die beiden sensationelle Eishockey-Spieler sind, ist ja gar keine Frage", sagt Eisbären-Kapitän André Rankel SPIEGEL ONLINE. "Aber das ist nicht alles: Sie sind freundlich, bescheiden und helfen uns auch in der Kabine enorm weiter."

Insbesondere die Bescheidenheit der NHL-Stars verblüfft die Mitspieler. So erzählt Rankel über Brière, der momentan einen mit 52-Millionen-US-Dollar dotierten Achtjahresvertrag bei den Philadelphia Flyers besitzt: "Danny fragte uns letztens nach dem Training, wie er am besten mit der S-Bahn nach Hause kommt. Wir haben ihm gesagt, dass er doch ein Taxi nehmen soll, aber er wollte lieber mit der Bahn fahren, um die Stadt besser kennen zu lernen."

Wie lange der NHL-Lockout andauert, also die Eisbären etwas von den beiden haben, kann niemand genau sagen. Die Verhandlungen zwischen Team-Eigentümern und Spielergewerkschaft (NHLPA) über einen neuen Tarifvertrag lassen aber momentan nicht vermuten, dass dort der Spielbetrieb bald wieder aufgenommen wird. Zuletzt wurden alle Spiele bis zum 14. Dezember und auch das für Ende Januar in Columbus geplante All-Star-Wochenende abgesagt. Staatliche Vermittler sollen nun helfen.

"Für Danny und Claude würde ich mich freuen, wenn es bald wieder losgeht. Doch für uns als Mannschaft wäre es natürlich fantastisch, wenn der Lockout weiter anhält", sagt Rankel.

Fällt die ganze NHL-Saison aus, ist für Brière die Marschrichtung klar: "Dann gibt es nur ein Ziel: Die Deutsche Meisterschaft mit den Eisbären", sagt er.

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insgesamt 7 Beiträge
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1. in der bayerischen wikipedia
santacatalina 27.11.2012
ist zu lesen, daß früher - wegen der vielen zugefrorenen seen, auf denen man üben konnte - fast nur bayerische mannschaften deutscher meister wurden. "Heid wearn de des, de am meisn Gead ham." die eisbären können sich nhl-spieler leisten, aber ist das noch sport, wenn mannschaften mit geringerem etat da nicht mithalten können?
2. @santacatalina
hotnikks23 27.11.2012
Nein ist natürlich kein sport mehr. Oh moment, dann gibt es ja gar keinen sport mehr. Ich finds klasse das 2spieler diesen kalibers in de spielen. Sowas sieht man hier ja hierzulande sonst nicht.
3.
renewallich 27.11.2012
Zitat von santacatalinaist zu lesen, daß früher - wegen der vielen zugefrorenen seen, auf denen man üben konnte - fast nur bayerische mannschaften deutscher meister wurden. "Heid wearn de des, de am meisn Gead ham." die eisbären können sich nhl-spieler leisten, aber ist das noch sport, wenn mannschaften mit geringerem etat da nicht mithalten können?
Ich glaube gelesen zu haben, dass die Eisbären nur die Versicherung der Spieler übernehmen müssen und nicht deren Gehälter. Die NHL-Stars trainieren und spielen dafür unter Wettkampfbedingungen. Und als großer und langjähriger Eisbären-Fan muss ich auch sagen, das was die da abliefern ist einfach nur großartig. Die Eisbären sind in den letzten Jahren so oft Meister geworden und haben ein super Team, aber wenn man die beiden spielen sieht, dann ist das einfach noch mal eine andere Liga. Als würde Messi zum FCB gehen. Und der DEL kann doch ein wenig Glanz durch die NHL-Stars doch nur gut tun. Den Fans gefällt es sowieso, also eine Win-Win Situation für alle beteiligten.
4.
Robert_Rostock 27.11.2012
Zitat von santacatalinaist zu lesen, daß früher - wegen der vielen zugefrorenen seen, auf denen man üben konnte - fast nur bayerische mannschaften deutscher meister wurden. "Heid wearn de des, de am meisn Gead ham." die eisbären können sich nhl-spieler leisten, aber ist das noch sport, wenn mannschaften mit geringerem etat da nicht mithalten können?
Dass die beiden bei den Eisbären spielen, liegt weniger am vielen Geld der Berliner, sondern am Arbeitskampf in der NHL. Und es sind eben nicht nur die großen Clubs, die sich NHL-Spieler leisten: So spielen z.B. auch bei den zweitklassigen Clubs in Crimmitschau und Riessersee NHL-Spieler.
5. Früher
jan-muero 28.11.2012
Zitat von santacatalinaist zu lesen, daß früher - wegen der vielen zugefrorenen seen, auf denen man üben konnte - fast nur bayerische mannschaften deutscher meister wurden. "Heid wearn de des, de am meisn Gead ham." die eisbären können sich nhl-spieler leisten, aber ist das noch sport, wenn mannschaften mit geringerem etat da nicht mithalten können?
...gabs im Winter auch nur Kartoffeln zu essen, weil Tomaten gar nicht wuchsen. Natürlich ist es nicht gerade der Idealzustand, was momentan in der DEL passiert. Da gibt es auf der einen Seite die "kleinen" Vereine/GmbHs, die mehr schlecht als recht versuchen, sich mit Sponsoren über Wasser zu halten. Auf der anderen Seite stehen die konzern- oder mäzenfinanzierten GmbHs, denen es, wie bei den Eisbären, egal sein kann, auch mal 40 Mio. Verluste in ein paar Jahren anzuhäufen. So werden Überraschungen in der Meisterschaft immer seltener werden, diesen Trend sieht man ja deutlich. Das ist schade, aber wohl nicht mehr aufzuhalten. Umso mehr Spaß macht es, diesen "Übermannschaften" dann ab und an mal die Grenzen aufzuzeigen. ;) Nunja, mit der Verpflichtung von Briere und Giroux hat das natürlich schon etwas zu tun, denn wir reden hier ja nun nicht von irgendwelchen NHL-Spielern, sondern von echten Top-Spielern. Dementsprechend hoch werden auch die Versicherungssummen sein, die dann auch gerne mal in den sechsstelligen Bereich gehen können, pro Monat wohlgemerkt. Für die Liga ist es mit Sicherheit toll, wird jedoch meiner Meinung nach - wie immer - keine nachhaltige Wirkung zeigen. Dazu ist die mediale Präsenz nach wie vor zu gering. Aber mit ServusTV und laola1.tv als Partner scheint man hier ja auch zumindest auf dem richtigen Weg zu sein.
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Die Meister der Deutschen Eishockey-Liga
Jahr Verein (Ergebnis und Gegner)
2014 ERC Ingolstadt (4:3 gegen Köln)
2013 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2012 Eisbären Berlin (3:2 gegen Mannheim)
2011 Eisbären Berlin (3:0 gegen Wolfsburg)
2010 Hannover Scorpions (3:0 gegen Augsburg)
2009 Eisbären Berlin (3:1 gegen Düsseldorf)
2008 Eisbären Berlin (3:1 gegen Köln)
2007 Adler Mannheim (3:0 gegen Nürnberg)
2006 Eisbären Berlin (3:0 gegen Düsseldorf)
2005 Eisbären Berlin (3:0 gegen Mannheim)
2004 Frankfurt Lions (3:1 gegen Berlin)
2003 Krefeld Pinguine (3:2 gegen Köln)
2002 Kölner Haie (3:2 gegen Mannheim)
2001 Adler Mannheim (3:1 gegen München)
2000 München Barons (3:1 gegen Köln)
1999 Adler Mannheim (3:2 gegen Nürnberg)
1998 Adler Mannheim (3:1 gegen Berlin)
1997 Adler Mannheim (3:0 gegen Kassel)
1996 Düsseldorfer EG (3:1 gegen Köln)
1995 Kölner Haie (3:2 gegen Landshut)

Eishockey-Glossar
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Ein Torwart, zwei Verteidiger und drei Angreifer stehen zeitgleich auf dem Eis. Die Stürmer sind in einen Center, der die Bullys spielt, und zwei Flügelstürmer aufgeteilt - eine sogenannte Reihe. Jede Mannschaft verfügt über je drei bis vier Sturm- und Verteidigungsreihen, die abwechselnd zwischen etwa 30 und 60 Sekunden auf dem Eis stehen.

Gängig ist dabei, dass einzelne Reihen besondere Aufgaben haben und daher in speziellen Situationen eingesetzt werden. So sollen die ersten beiden Reihen vorwiegend die Tore schießen und spielen deshalb auch in Überzahl. Die dritte, oft als "checking line" bezeichnet, ist dagegen eher defensiv orientiert und soll die Top-Reihen des Gegners ausschalten. Eine ähnliche Aufgabe hat Reihe vier, die oft auch deshalb aufs Eis geschickt wird, um den Top-Spielern eine Verschnaufpause zu ermöglichen.
Die Stanley-Cup-Sieger seit 2000*
Jahr Gewinner Saison-MVP
2014 Los Angeles Sidney Crosby
2013 Chicago Alexander Owetschkin
2012 Los Angeles Jewgeni Malkin
2011 Boston Corey Perry
2010 Chicago Henrik Sedin
2009 Pittsburgh Alexander Owetschkin
2008 Detroit Alexander Owetschkin
2007 Anaheim Sidney Crosby
2006 Carolina Joe Thornton
2004 Tampa Martin St. Louis
2003 New Jersey Peter Forsberg
2002 Detroit José Théodore
2001 Colorado Joe Sakic
2000 New Jersey Chris Pronger
*2004/2005 fiel die komplette Saison wegen eines Tarifstreits zwischen Team-Besitzern und Spielern aus

Der NHL-Modus
Die 30 Teams der National Hockey League (NHL) spielen in sechs Gruppen (Divisions) zu je fünf Mannschaften. Die Aufteilung richtet sich nach der geografischen Lage der Heimatorte. Jeweils drei Divisions bilden die Eastern und die Western Conference. In der Hauptrunde (Regular Season) absolviert jedes Team 82 Spiele. Die Playoffs werden zunächst in der jeweiligen Conference ausgespielt: Qualifiziert sind die drei Division-Sieger sowie die fünf nächsten punktbesten Mannschaften der Conference. Gespielt wird nach dem Modus Best of seven. Der Sieger der Eastern und der Sieger der Western Conference bestreiten das Finale um den Stanley Cup. Dieser wird seit 1894 ausgespielt und ist damit eine der ältesten Mannschaftstrophäen der Welt.