Elf Asse: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il - der beste Golfer der Welt

Von Thomas Lötz und Gerald Kleffmann

Elf Asse auf einer Runde Golf - da ist selbst ein Lottogewinn deutlich wahrscheinlicher. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il will die Glanztat dennoch vollbracht haben. Dagegen haben es Golfer, die im Hauptberuf nicht Diktator sind, in Nordkorea deutlich schwerer.

"Wir müssen ein starkes Land aufbauen. Wir haben nicht die Zeit, um Golf zu spielen." Das sagte der nordkoreanische Fremdenführer Kim Kun-chol 2006 zu einem australischen Reporter.

Anscheinend kann man in dem abgeschotteten Land aber doch golfen.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il: Elf Asse auf einer Runde? Zur Großansicht
AFP

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il: Elf Asse auf einer Runde?

Denn der einzige Mensch, dem auf der ersten Golfrunde seines Lebens elf Asse gelangen, stammt aus Nordkorea: Kim Jong Il, der "geliebte Führer". Das behauptet zumindest das Informationsministerium des Landes. Angeblich, wenn auch so nicht durch das Informationsministerium bestätigt, soll sich die Glanztat im Oktober 1994 auf einem 18-Loch-Platz außerhalb der Hauptstadt Pjöngjang zugetragen haben.

Zur Einordnung dieser Leistung sei folgender Vergleich aufgezeigt: Die Chance, auf einer Runde Golf zwei Asse zu schlagen, liegt bei 1:67.000.000. Die, einen Sechser im Lotto zu landen, bei 1:14.000.000.

Nordkorea ist ein realsozialistischer Staat, der diktatorisch regiert wird. Die Hauptstadt Pjöngjang verfügt über einen Kurzplatz (neun Löcher) in der Nähe des Yanggakdo-Hotels, das zwei Kilometer südöstlich des Zentrums steht. Mithilfe des Internetservices "Google Earth" lassen sich zwischen Pjöngjang und der Stadt Nampo ein 18-Loch- sowie im Süden Pjöngjangs ein Drei-Loch-Kurs ausmachen. Auch eine Driving Range soll es in der Hauptstadt Nordkoreas geben, im so genannten Sosan Sports District.

Die größte Golfanlage des Landes wurde in der Region des stets als malerisch bezeichneten Kumgang-Gebirges erbaut, in einer Sonderwirtschaftszone, die rund 20 Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt ist. Der südkoreanische Konzern Hyundai Asan hat viele Millionen US-Dollar gezahlt, um diesen Abschnitt touristisch nutzen zu dürfen.

Allerdings ruhte der Betrieb in dem Resort Ende 2008, und es ist nicht bestätigt, ob überhaupt schon einmal auf der Golfanlage gespielt wurde. Fest steht immerhin: Das Resort existiert. 70 Millionen US-Dollar hat die südkoreanische Firma Emerson Pacific Group in den Bau der Sechs-Sterne-Ferienanlage mit dem Namen "Kumgang Ananti Golf and Spa Resort" investiert.

Der Golfplatz wurde mit diversen Extras versehen. Er verfügt über 19 statt 18 Löcher, die dritte Bahn ist 929 Meter lang und das 14. Loch so angelegt, dass jedem Spieler ein Ass gelingt, sofern er den Ball auf das Grün spielt. Der Boden senkt sich zur Mitte hin ab, der Ball rollt automatisch ins so genannte Wiedervereinigungsloch - Putten nicht mehr notwendig.

Ende Mai 2008 meldeten südkoreanische Quellen, dass das "Kumgang Ananti Golf and Spa Resort" nach vier Jahren Bauzeit kurz vor der Eröffnung stehe. Im Juli allerdings kam es zu einem tragischen Zwischenfall. Eine südkoreanische Touristin hatte das Gelände des Resorts verlassen und eine verbotene Zone betreten - ein nordkoreanischer Soldat erschoss die Frau. Die nordkoreanischen Behörden kündigten eine Untersuchung des Falls an. Doch es passierte nichts. Ende 2008 meldeten australische Medien, dass das Resort geschlossen sei.

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