Deutscher Radprofi Emanuel Buchmann Einen Tritt zurück, zwei Tritte nach vorn

Bei der Tour de France war Emanuel Buchmann nicht dabei, bei der Spanienrundfahrt ist er erstmals Kapitän. Der deutsche Radrennfahrer ist in der Weltspitze angekommen - aber die größte Herausforderung kommt erst noch.

Emanuel Buchmann
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Emanuel Buchmann

Von Eike Hagen Hoppmann


Die Tour de France ist das größte und bedeutendste Radrennen der Welt. Jeder Radprofi möchte hier dabei sein. Emanuel Buchmann war es in diesem Jahr nicht. Aber wahrscheinlich hätte ihm gar nichts Besseres passieren können.

Statt der Tour de France fährt Buchmann seit einer Woche die Vuelta a España, die drittgrößte Landesrundfahrt im Radsport hinter der Tour und dem Giro d'Italia. Für den 25-jährigen Buchmann - zurückhaltende Art, kurze Antworten auf lange Fragen - ist die Vuelta die bislang größte Chance seiner Karriere. Zum ersten Mal ist er bei einer großen Landesrundfahrt Kapitän, seine Teamkollegen arbeiten für ihn. Er soll im Gegenzug einen guten Platz in der Gesamtwertung herausfahren.

Emanuel Buchmann bei der Vuelta
MANUEL BRUQUE/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Emanuel Buchmann bei der Vuelta

Das ist eine besondere Verantwortung, aber auch eine Auszeichnung: "Da ist man als Fahrer nochmal motivierter", hatte Buchmann dem SPIEGEL im Juli gesagt. "Für mich wird es das Saisonhighlight - und ich versuche, dort den nächsten Schritt in meiner Entwicklung zu machen."

Buchmann nutzt seine Chance

Bei der Tour de France setzte sein Team Bora-hansgrohe in der Gesamtwertung noch auf den Polen Rafal Majka - und ließ Buchmann zu Hause. Aber Majka enttäuschte in Frankreich und verlor einen Platz unter den besten Zehn schon früh aus den Augen. Für Buchmann soll es in Spanien besser laufen, die Top Ten ist das Ziel.

Überzeugt Buchmann bei der Vuelta, könnte er in Zukunft auch bei der bedeutenderen Frankreich-Rundfahrt die Kapitänsrolle übernehmen - oder andere Teams auf sich aufmerksam machen.

Bislang nutzte er die Gelegenheit gut. Bei der ersten Bergankunft auf der vierten Etappe konnte sich Buchmann mit dem Briten Simon Yates ein paar Sekunden von den anderen Klassementfahrern absetzen. In der Gesamtwertung liegt er vor der nächsten schweren Bergankunft am Sonntag sogar auf Platz drei hinter dem Führenden, Rudy Molard aus Frankreich, und Alejandro Valverde aus Spanien auf Platz zwei.

Dass Buchmann in den Bergen mit den Besten mithalten kann, hat er bereits gezeigt. Bei der Tour de France im vergangenen Jahr belegte er Platz 15 in der Gesamtwertung. Beim "Critérium du Dauphiné", einer Art Generalprobe für die Tour de France, wurde er in diesem Jahr Sechster.

Überraschend ist eher, dass er es überhaupt so schnell in die Weltspitze geschafft hat. Erst vor zehn Jahren fing Buchmann mit dem Radsport an, da war er schon 15 Jahre alt. Das ist spät, eigentlich zu spät.

Und dann suchte er sich auch noch einen Bereich aus, in dem deutsche Fahrer bis auf wenige Ausnahmen immer hinterherfuhren: die Berge. Gute Klassementfahrer sind in Deutschland fast so selten wie Eisbären. Andreas Klöden stand 2006 bei der Tour de France als bisher letzter Deutscher auf dem Podium einer großen Landesrundfahrt.

Buchmann könnte das ändern. Vielleicht schon bei der aktuellen Vuelta. Sonst in den kommenden Jahren. Weil Buchmann erst so spät mit dem Radsport begonnen hat, ist seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Er wird von Jahr zu Jahr besser.

Neue Rolle, höherer Druck

Momentan gibt aber noch ein Risiko: die Unerfahrenheit. Bislang ist Buchmann überwiegend einwöchige Rennen auf Klassement gefahren. Eine große, dreiwöchige Rundfahrt mit dem Druck, sich als Kapitän keinen schwachen Tag erlauben zu können, ist auch für ihn neu.

Bergfahrer Buchmann
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Bergfahrer Buchmann

Entscheidend wird deshalb die dritte Woche. Kann Buchmann die starke Form der ersten Tage über die gesamte Rundfahrt aufrechterhalten? Kann er sich die Reserven richtig einteilen? Das Profil der Vuelta ist brutal: Insgesamt neun Bergankünfte gibt es in diesem Jahr. Zum Vergleich: Bei der Tour de France waren es drei. Hier nicht einzubrechen, ist eine große Herausforderung. Die meisten Konkurrenten haben damit mehr Erfahrung als Buchmann.

Aber er hat einen anderen Vorteil: Da Buchmann bei der Tour nicht dabei war, hat er im Gegensatz zu manchen Fahrern Kräfte gespart. Michal Kwiatkowski, Nairo Quintana oder Alejandro Valverde haben schon mehr als 3000 gefahrene Frankreich-Kilometer in den Beinen. Buchmann hat sich dagegen explizit auf die Vuelta vorbereitet und noch ein Höhentrainingslager absolviert. Das könnte sich nun auszahlen.



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