Erfurter Blutdoping-Affäre Urteil für Sportschiedsgericht eine Einzelfallentscheidung

Für die Nationale Anti-Doping-Agentur Nada ist das Urteil des Deutschen Sportschiedsgerichts Dis in der Erfurter Blutdoping-Affäre "richtungweisend". Für das Gericht selbst hingegen nur eine Einzelfallentscheidung, glaubt man den Worten von Dis-Generalsekretär Jens Bredow.

Anti-Doping-Labor: Urteil zum Fall Erfurt Einzelfallentscheidung
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Anti-Doping-Labor: Urteil zum Fall Erfurt Einzelfallentscheidung


Hamburg - Das Deutsche Sportschiedsgericht (Dis) stuft sein Urteil zum Fall Erfurt im Gegensatz zur Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) als Einzelfallentscheidung ein. "Eine grundsätzliche Aussage, dass es vor 2011 zulässig war, Blut zu entnehmen, zu bestrahlen und wieder zuzuführen, enthält das Urteil nach meinem Dafürhalten ganz sicher nicht", sagte Dis-Generalsekretär Jens Bredow dem Deutschlandfunk.

Das Verfahren zwischen der Nada und einem Radsportler war am Freitag vor dem Dis mit einem Freispruch für den Athleten zu Ende gegangen. Die vom Mediziner Andreas Franke am Olympiastützpunkt Erfurt praktizierte UV-Behandlung von Blut vor dem 1. Januar 2011 stellt laut Urteil keinen Dopingverstoß dar, da das Vorgehen nicht von der Regel M1 der Verbotsliste erfasst sei.

Anschließend hatte Nada-Chefjustiziar Dr. Lars Mortsiefer von einem "richtungweisenden Fall" gesprochen. "Wir haben jetzt Klarheit über die Rechtslage vor 2011 und richten daran nun unser weiteres Vorgehen aus", so Mortsiefer. Sowohl die Nada als auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) haben die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Rechtsmittel beim Internationalen Sportgerichtshof Cas einzulegen.

"Druck der Öffentlichkeit nun da"

Sobald eine Entscheidung darüber gefallen ist, soll das Dis-Urteil öffentlich gemacht werden. "Weil der Druck der Öffentlichkeit nun da ist", sagte Bredow: "Der Schiedsspruch wird veröffentlicht in dem Moment, in dem entschieden wurde, ob ein Rechtsmittel zum Cas eingelegt wird. Unabhängig wie entschieden wird."

In den Fällen eines anderen Radsportlers, Jakob Steigmiller, und der Eisschnellläuferin Judith Hesse, die im Gegensatz zu dem Schiedsspruch vom Freitag den Zeitraum nach dem 1. Januar 2011 betrafen, hat die Wada die Entscheidungen des Dis, die Verfahren einzustellen, bereits akzeptiert. In beiden Fällen hatte zwar ein objektiver Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen vorgelegen, allerdings sei kein Verschulden des Athleten zu erkennen gewesen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat Sportlern davon abgeraten, sich von Andreas Franke behandeln zu lassen. Dem Olympiastützpunkt Thüringen wurde empfohlen, den dort suspendierten Mediziner nicht vor Jahresende 2020 erneut zu beschäftigen. Der DOSB will Franke bis dahin auch nicht für eine Olympiamannschaft einsetzen. Zudem empfahl das Präsidium seinen Mitgliedsverbänden, während dieser Zeit mit Franke nicht zusammenzuarbeiten.

jar/sid

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Seite 1
TLR9 09.11.2012
1.
Wenn alles erlaubt, was nicht verboten ist, dann warte ich auf den ersten Sportler, dessen Leistung auf genetische Manipulation zurückzuführen ist. Bei Mäusen kann man mit einem Gendefekt die Bildung von Muskelzellen induzieren.
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