Erfurter Blutdoping-Affäre: Wada prüft Urteile des Sportschiedsgerichts

Die Wada traut dem Deutschen Sportschiedsgericht offenbar nicht: Sie will alle Urteile, die die nationale Institution im Fall der Erfurter Blutdoping-Affäre gefällt hat, noch einmal überprüfen. Auch Einsprüche beim Internationalen Sportgerichtshof schließt sie nicht aus.

Mediziner Franke: Fragwürdige Blutbehandlungen Zur Großansicht
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Mediziner Franke: Fragwürdige Blutbehandlungen

Hamburg - Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) will in der Erfurter Blutdoping-Affäre sämtliche Urteile überprüfen, die durch das Deutsche Sportschiedsgericht (Dis) getroffen worden sind. Sollte die Wada zu neuen Erkenntnissen und Ergebnissen kommen, werde man auch den Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne einschalten. Das erklärte Wada-Generaldirektor David Howman im Deutschlandfunk.

"Hier haben wir die besondere Situation, dass auch die Fälle der Sportler noch abgeschlossen werden müssen, in denen es um den Gebrauch der verbotenen Methode durch Sportler vor 2011 geht. Sobald das der Fall ist, werden wir schauen, ob die Fälle den Regeln entsprechend in Deutschland behandelt wurden", sagte Howman. Sollte sich ein Einspruch beim Cas lohnen, werde man auch diesen Schritt in Betracht ziehen.

Bisher hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) drei Fälle in der Causa Erfurt vor das Dis gebracht. Zuletzt wurde Anfang September das Verfahren gegen Radsportler Jakob Steigmiller beendet. Demnach habe zwar ein objektiver Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen vorgelegen, allerdings sei im konkreten Fall kein Verschulden des Athleten zu erkennen. Bereits im Juni war im Fall der Eisschnellläuferin Judith Hesse so entschieden worden.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte am Dienstag Sportlern davon abgeraten, sich vom Erfurter Mediziner Andreas Franke behandeln zu lassen, der am Olympiastützpunkt Thüringen im Zentrum der Doping-Affäre stand. Nach seiner Sitzung hatte das DOSB-Präsidium dem Erfurter Olympiastützpunkt empfohlen, den dort suspendierten Mediziner nicht vor Jahresende 2020 erneut zu beschäftigen.

psk/sid

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)