Hamburg - Eisschnelllaufstar Claudia Pechstein hat Dopingvorwürfe im Zusammenhang mit der Affäre um den Erfurter Sportarzt Andreas Franke nachdrücklich zurückgewiesen. Gleichzeitig kündigte sie Strafanzeige gegen die ARD-Journalisten Hajo Seppelt und Uli Loke an. Die beiden ARD-Redakteure hatten am Wochenende über die Blut-Experimente Frankes berichtet und eine Kundenliste des Mediziners präsentiert. Auf dieser Liste mit 30 Sportlern stand auch der Name Pechsteins.
"Mich hat schockiert, dass Journalisten meinen und die Namen anderer Athleten ohne Beweis in den Schmutz ziehen dürfen", so Pechstein in einer Stellungnahme, die sie auf ihrer Internetseite veröffentlichte. Ob sie allerdings wirklich bei Franke in Behandlung war oder nicht, ließ sie in der zweiseitigen Erklärung offen. Stattdessen überhäuft sie Seppelt und Loke mit Vorwürfen und spricht von "Hexenjägern", "Schlammschlacht" und "Hetzjagd".
Sie betonte erneut, dass sie "nie unerlaubte Mittel genommen oder unerlaubte Methoden angewandt" habe. Pechstein war 2009 aufgrund eines umstrittenen indirekten Dopingbeweises für zwei Jahre gesperrt worden. Die 39-Jährige hatte sich stets als unschuldig bezeichnet.
Steigmiller: "Niemals Absicht einer Leistungssteigerung"
Franke, der als Arzt auch für den Olympiastützpunkt Thüringen tätig war, ist ins Visier der Dopingermittler geraten, weil er Sportlern Blut abgezapft hat, dies mit UV-Licht bestrahlte und es dann den Athleten wieder zurückspritzte. Praktiken mit Eigenblut sind seit längerem generell verboten, Frankes spezielle Methode ist offiziell nach Auskunft der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) allerdings erst ab 1. Januar offiziell untersagt.
Zur Wehr gegen Dopingvorwürfe setzt sich auch der Erfurter Radsportler Jakob Steigmiller, ebenfalls ein Franke-Kunde. Der 22-Jährige, gegen den derzeit ein Verfahren läuft, bekräftigte in einer Erklärung auf der Internetseite seines Teams, "dass ich niemals die Absicht hatte eine Leistungssteigerung zu erzielen, maximal wollte ich meine Gesundheit erhalten".
Steigmiller hatte im vergangenen Winter eine Nasennebenhöhlenentzündung geplagt, in deren Folge er operiert worden war. Da er nach der Operation sehr anfällig für Infekte war, habe er Franke, den Arzt des Olympiastützpunkts Erfurt konsultiert. "Dieser hat mir eine Behandlung mit ultraviolettem Licht empfohlen, bei welcher kleinste Mengen meines Bluts bestrahlt wurden. Auf meine kritischen Nachfragen wurde mir ausdrücklich versichert, dass diese Methode erlaubt ist und auch schon seit 20 Jahren praktiziert wird", sagte Steigmiller.
Der Sportausschuss des Bundestages wird auf seiner Sitzung am 21. März über mögliche Konsequenzen der Erfurter Dopingaffäre beraten. Das bestätigte die Vorsitzende des Ausschusses, Dagmar Freitag (SPD).
Ohne endgültige Erkenntnisse aus dem noch laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft zu haben, missbilligte Freitag die Methoden des belasteten Sportmediziners Andreas Franke. "Unabhängig davon, ob das angewendete Verfahren leistungssteigernd ist oder nicht, halte ich es für bedenklich, dass sich Spitzenathleten einer Manipulation ihres Blutes unterziehen", sagte sie.
Freitag betonte, dass man seit Jahren gegen diese Vorgehensweise von Sportlern kämpfe. "Aber wir müssen erkennen, dass einige Sportler immer wieder bereit sind, nicht erlaubte Methoden anzuwenden."
aha/dapd/sid
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