Neue Dopingfälle in Russland Aber Putin beschwichtigt

Erneut ist ein russischer Spitzensportler nach der Einnahme des Dopingmittels Meldonium aufgeflogen - der siebte innerhalb weniger Tage. Für den Kreml sind es dennoch nach wie vor Einzelfälle.

Tennisstar Marija Scharapowa
AFP

Tennisstar Marija Scharapowa


Trotz der Reihe von Doping-Enthüllungen im russischen Sport spricht der Kreml weiter von Einzelfällen. "Es geht um einzelne Sportler, um einzelne Fälle", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, am Mittwoch in Moskau. "Uns tut das natürlich leid. Aber man darf die Situation nicht auf den gesamten russischen Sport übertragen", sagte Peskow nach Angaben der Agentur Interfax. Putin habe schon vor einigen Monaten die russischen Sportverbände beauftragt, jeden einzelnen Dopingfall aufzuklären.

Auch Russlands Volleyball-Nationalspieler Alexander Markin hat sich mit Meldonium gedopt. Der Außenangreifer von Dynamo Moskau sei bei einem Urintest im Dezember aufgefallen, habe aber noch die Olympia-Qualifikation im Januar in Berlin gespielt, berichtete der Branchendienst volleyrussia.com am Mittwoch. Mit der Tennisspielerin Marija Scharapowa an der Spitze umfasst die Liste jüngst entdeckter russischer Dopingsünder ein gutes halbes Dutzend Athleten aus verschiedenen Sportarten.

Scharapowa ist nach ihrem positiven Dopingtest scharf vom Wada-Gründungspräsidenten Dick Pound kritisiert worden. Ihr Verhalten sei "beispiellos an Unverantwortlichkeit", sagte der einstige Leiter der Welt-Anti-Doping-Agentur der BBC: "Ihr Millionen-Geschäft beruht darauf, in der Lage zu sein, Tennis zu spielen. Und dann nimmt sie etwas, das auf der Liste steht. Das ist ein Riesenfehler, sie hätte einfach informiert sein müssen."

Wegen der Dopingfälle wenige Monate vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro forderte der Parlamentsvize Igor Lebedew am Mittwoch eine Sondersitzung des russischen Nationalen Olympischen Komitees. "Wir sehen, wie in dem Dopingskandal einer nach dem anderen die Sportler auffliegen, auf deren Erfolg bei der Sommerolympiade wir zählen", sagte er nach Angaben der Agentur Interfax.

In den vergangenen Tagen sind mit Markin nun sieben russische Sportler bekanntgeworden, die mit dem Mittel Meldonium gedopt haben sollen. Es sind Marija Scharapowa (Tennis), Jekaterina Bobrowa (Eistanz), Pawel Kulischnikow (Eisschnelllauf), Semjon Jelistratow (Shorttrack), Alexander Markin (Volleyball), Alexej Lowtschew (Gewichtheben) und Eduard Borganow (Radfahren).

Der Fall Scharapowa hat derweil offensichtlich unmittelbar eine stark erhöhte Nachfrage nach dem Mode-Dopingmittel Meldonium ausgelöst. Eine russische Webseite, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, berichtete auf Anfrage der BBC, nach dem Geständnis des Tennis-Superstars seien innerhalb von 24 Stunden 150 Packungen des meldoniumhaltigen Präparats Mildronat verkauft worden - im Vergleich zu 850 im gesamten vergangenen Jahr.

Der Preis sei nun nahezu verdoppelt worden, erklärte ein Sprecher von RUPharma, sogar ein zusätzlicher Mitarbeiter werde eingestellt: "Wir nennen Mildronat hier schon scherzhaft Scharaponat."

aha/dpa/sid



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insgesamt 9 Beiträge
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xvxxx 09.03.2016
1. Hetzjagd
selbst wenn es keine Einzelfälle gewesen wären, bleibt doch klipp und klar eines: Bis Anfang des Jahres war die Einnahme legal! Hier einen Zusammenhang herzustellen zum russischen Staatsdoping ( ich gehe allerdings davon aus dass es das gibt) ist im konkreten Fall schon arg weit hergeholt. Zumal Fr. Scharapova zwar von der Herkunft her Russin ist, aber schon früh im amerikanischen Sportsystem "aufgezogen" wurde. Ich gehe davon aus, dass alle Nationen und Profisportler eine mehr oder weniger ausgefeilte "medizinische Abteilung" haben. Oder denkt jemand ernsthaft, dass die große Zahl amerikanischer oder chinesischer Olympiasieger nur durch das bessere Training zustandekommen? Und in Deutschland hat auch noch NIE NIE jemand gedopt... Lächerlich...
cmann 09.03.2016
2. Nun denn,
solange der große "Sportförderer" im Kreml seine schützende Hand über diese skrupellose und kriminelle Bande von Trainern und Funktionären hält, gibt es nur einen Weg, auch wenn es unter Umständen einige trifft die nicht dopen (was angesichts wohl eher selten der Fall sein wird weil offensichtlich quer durch alle Sportarten gedopt wird). Ausschluß Russlands von den Olympischen Spielen und WM bzw. EM. Ich bin mir der Radikalität dieses Vorschlags durchaus bewußt. Andererseits wird es, bedingt durch die Unterstützung dieser Betrüger von höchster Stelle Zeit diesen "prestigesüchtigen" Typen (Putin) dort zu treffen wo es ihm am meisten weh tut: bei seiner Eitelkeit!
hasipapa 09.03.2016
3. Mildronat
Dieses Mittel kam in diesem Jahr auf die Dopingliste und wurde rechtswidrig gegen das Rückwirkungsverbot bei mindestens 30 internationalen Sportlern mit einer Sperre geahndet. Auch bei zwei deutschen Ringern. Es sind auch mehrere Ransportclubs dabei. Ich denke da an den Fall Krabbe. Aber das ist wiedermal nicht der Punkt. Es wird vergessen und verschwiegen, daß Frau Scharapowa seit vielen Jahren in den USA lebt, dort treniert, ihren Arzt dort hat und ihre Medikamente von dort bekommt. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist nur eins: SIE IST RUSSIN.
Dr. Seltsam 09.03.2016
4. Das sollte sich mal ein Arzt ansehen...
... anscheinend leiden alle russischen Spitzensportler unter Herzproblemen.
der_gärtner13 09.03.2016
5. Der Kreml also
Allein die Tatsache dass Putin beschwichtigt zeigt halt schon die immer noch vorhandene Politisierung des russischen sports ! Und ob scharapowa in den USA ausgebildet wurde heißt gar nichts. Ob freiwillig oder unfreiwillig - sie ist natürlich Teil der Kreml- Propaganda. Sehr verwunderlich, dass eine große Anzahl foristen intellektuell nicht in der Lage ist, den unterschied zwischen Doping (ein Problem das keine Nationalität kennt ) und zu Propagandazwecken, politisch verordnetem Doping in einem dopingsystem zu durchdringen.
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