Kritik von Ex-Wada-Chef "Warum gibt es mehr Schutz im Sport als bei Mord?"

Miserable Aufklärungsquoten, veraltete Methoden: David Howman hat die Welt-Anti-Doping-Agentur kritisiert. Verdächtige Sportler würden bei Blutproben besser geschützt werden als Mordverdächtige.

David Howman
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David Howman, ehemaliger Generaldirektor der Anti-Doping-Agentur (Wada), hat scharfe Kritik am weltweiten Anti-Doping-Kampf geübt. Die Methoden bei Dopingkontrollen seien veraltet und die Aufklärungsquote schlecht. Das sagte Howman, der mittlerweile Vorsitzender der unabhängigen Integritätskommision des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF ist, der britischen Zeitung "The Telegraph".

"Das Sammeln von Urin und Blut ist die derzeit angewandte Methode, hauptsächlich von Urin. Damit wurde in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren begonnen", sagte Howman. In den meisten Bereichen der Gesellschaft seien die Methoden seitdem überprüft worden, bei Dopingkontrollen allerdings nicht. "Warum ist die Analyse von Urin so notwendig oder so attraktiv, obwohl bewiesen wurde, dass sie bei der Jagd nach Betrügern nicht effektiv ist?", sagte der Neuseeländer, der die Wada von 2003 bis 2016 geleitet hatte.

Mehr Blutproben als bei Mordprozessen

Außerdem kritisierte er, dass für einen korrekten Nachweis von Doping zwei positive Blutproben, A-Probe und B-Probe, vorliegen müssen. Sogar Mordprozesse würden auf Grundlage einer einzigen Blutprobe geführt. "Warum gibt es mehr Schutz im Sport als bei Mord?", sagte Howman.

Um zu erreichen, "dass wir die Dinge auf die wirtschaftlich effizienteste und effektivste Weise tun", forderte er eine Debatte über die Methoden des Anti-Doping-Kampfes. Howman sagte: "Wenn nicht, geben wir Millionen und Abermillionen Dollar für die Unterstützung einer Industrie aus, in der viele Leute bezahlt werden. Tun wir das? Produzieren wir eine Industrie, anstatt saubere Sportler zu schützen?"

Auch in der Zeit, während er für die Wada arbeitete, habe Howman sich nicht wohl damit gefühlt, "eine Organisation zu leiten, in der wir ein oder zwei Prozent positive Fälle aus dem Labor hatten und noch weniger sanktionieren konnten." Die niedrige Aufklärungsquote frustriert den Ex-Wada-Chef. "In privaten Unternehmen wären diese Ergebnisse nicht akzeptabel, selbst im öffentlichen Dienst nicht", sagte Howman.

mrk/sid

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
-su- 27.01.2019
1.
Interessanter vergleich. Dopingsünder sind für diesen Herren offensichtlich genauso schlimm wie Mörder. Wobei schon klar ist worauf er raus will. Schuldig ist, wer verdächtig ist.
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