Facebook-Brief Scharapowa bastelt an ihrer Verteidigung

Die des Dopings überführte Marija Scharapowa kämpft um ihre schnelle Rückkehr auf den Tennisplatz. Auf Facebook schrieb sie nun einen Brief an ihre Fans - er zeigt ihre Verteidigungsstrategie.

Marija Scharapowa
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Marija Scharapowa

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Man kann nicht behaupten, dass sie sich versteckt. Anders als viele Superstars des Weltsports, die untertauchen, wenn sie bei der Einnahme verbotener Substanzen erwischt werden, bleibt Marija Scharapowa auf der Bühne - zumindest auf der virtuellen.

Bereits am Mittwoch, zwei Tage nach dem öffentlichen Geständnis ihres Dopingvergehens, bedankte sie sich auf ihrer Facebook-Seite für den überwältigenden Zuspruch vieler Fans, für Trost und Beistand ihrer engsten Freunde. Sie habe einen Fehler gemacht, für den sie büßen werde, lautet die Botschaft, aber auch: Marija Scharapowa ist eher Opfer widriger Umstände als eine mit Vorsatz handelnde Täterin.

Der Eindruck dieser Selbstwahrnehmung verstärkt sich noch, wenn man den jüngsten Eintrag liest, den Scharapowa am Freitagabend bei Facebook veröffentlicht hat.

In den Tagen zuvor war viel geschehen: Die Konkurrenz im Tenniszirkus hatte im Vorfeld des Turniers in Indian Wells kollektiv ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht und mehr oder weniger deutlich Konsequenzen gefordert. Porsche, Nike und der Uhrenhersteller TAG Heuer legten die Sponsorenverträge auf Eis oder kündigten das Ende der Zusammenarbeit an. Und Russlands Außenminister Sergej Lawrow verlieh der Affäre gar eine politische Dimension. Ganz zu schweigen von der Flut der Medienberichte, die seitdem erschienen sind.

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Tennisstar Scharapowa: "Ich habe einen großen Fehler gemacht"
Scharapowa bewahrt in diesem weltweiten Sturm der Entrüstung einen bemerkenswert kühlen Kopf. Die Missbilligung ihrer Kollegen, den Rückzug ihrer Vertragspartner und die öffentlichen moralischen Verurteilungen - das alles nimmt sie ohne Gegenrede hin, wiederholt in ihrem neuesten Facebook-Post, dass sie einen Fehler gemacht habe. Dass sie vom Dopingbann des Herzmittels Meldonium hätte wissen müssen. Ein Fehler, der nicht zu entschuldigen sei.

Doch in einem Punkt wehrt sie sich vehement: Dass sie tatsächlich davon gewusst hat, dass die Einnahme von Meldonium verboten ist. Von vorsätzlicher Täuschung könne nicht die Rede sein. "In einem Zeitungsbericht stand, ich sei fünfmal vor dem beabsichtigten Bann meiner Medizin gewarnt worden", schreibt der Tennisstar. "Das ist nicht wahr, das ist nie passiert".

Anschließend beschreibt Scharapowa, wie kompliziert die Bulletins der Frauentennis-Organisation WTA ihrer Meinung nach aufgebaut sind. Zwischen Detailinformationen über Statistiken, Turnierterminen, neuen Regularien, Jubiläen und Geburtstagen fände sich unter Dutzenden weiterer Links auch die "Spieler-Zone", passwortgeschützt. Erst ein paar weitere Klicks später finde man die Nachrichten zum Doping.

Auch den Berichten, die nahelegen, Scharapowa habe das Meldonium entgegen der Rezeptur viel zu lange eingenommen, widerspricht sie. Sie sei den Anweisungen ihres Arztes gefolgt, bei der Dauer der Behandlung ebenso wie bei der empfohlenen Dosis.

Das Ziel der Verteidigungsstrategie ist ziemlich leicht zu durchschauen, wenn man die Regularien kennt, nach denen der Internationale Tennisverband Dopingvergehen bestraft. Täter, die wissentlich betrogen haben, müssen mit bis zu vier Jahren rechnen. Erkennt das Sportgericht jedoch einen Fall von Fahrlässigkeit, könnte die Sperre zwei Jahre betragen, die wiederum unter bestimmten Bedingungen - aufrichtige Reue und Hilfe bei der Aufklärung zum Beispiel - auf ein Jahr oder weniger reduziert werden könnte.

Wenn es ideal für Scharapowa läuft, könnte sie also schon bei den nächsten Australian Open wieder auf dem Platz stehen. Es gibt nicht wenige Spielerinnen, die nach so einer Ruhepause wieder aufgetrumpft haben.

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mulli3105 12.03.2016
1. Wie heißt es so schön...
Angriff ist die beste Verteidigung. Aber leider wird kaum jmd bereit sein zu glauben, dass sie vom Bann ihres Medikaments nichts gewußt hat - sie nimmt es angebl. schon über 10 Jahre. Es gibt für Doping keine Entschuldigung und wer behauptet, er hätte dies und jenes nicht gewußt, macht sich genauso lächerlich wie der deutsche Radfahrer, der behauptet hat, man hätte ihm die verbotenen Substanzen in die Zahnpasta gespritzt. Scharapova hat Millionen verdient und ob sie das immer mit redlichen Mitteln erreicht hat, bleibt angesichts der aktuellen Situation fraglich. Sie sollte sich zurückziehen und gut. Dass sie sich immer noch großer Beliebtheit bei den Fans erfreut, dürfte zu einem großen Teil ihrer Attraktivität geschuldet sein - schönen Menschen verzeiht man grundsätzlich eher und die Freaks, die "gerne so wären wie sie" haben sowieso Scheuklappen vor den Augen.
derpif 12.03.2016
2.
Wenn die Präparate, bzw. wohl eher die Wirkstoffe, die neu in die Dopingliste aufgenommen werden sollen, Wochen vor der Aufnahme bekannt sind, verstehe ich den Arzt ehrlich gesagt nicht. Sicher hatte man längst Alternativen zur Hand. Trotzdem, wenn sie positiv getestet wurde, aber die Einnahme des Präparats noch in den Zeitraum fällt bevor es gelistet wurde, gibts streng genommen nichts was man ihr vorwerfen könnte.
juba39 12.03.2016
3. Sommermärchen-Neuauflage
Die ganze Problematik Doping läuft genau nach dem selben Schema. Erst waren es Rusland und Katar. Na vieleicht noch Südafrika und Brasilien. Aber wir doch nicht! Jetzt läuft Dopingjäger Seppelt wieder zur Höchstform auf. Allerdings auch nur wieder, wenn es um Russland geht. Zwar berechtigt! Aber warum beantwortet er keine Fragen zur Dopingliste, auf der nach eigenen Angaben der ARD AUCH deutsche Sportler stehen. Warum auch keine Antwort zum Skandal um die Dopingkommission in Köln. Und, natürlich, auch keine Berichte zu den aktuellen Dopingfällen im deutschen Sprint und beim Ringen. (Süddeutsche Zeitung). Schon der Satz, daß Meldomin in Russland UND dem Baltikum vertrieben wird, hätte stutzig machen müssen. Genau dieses Mittel ist jetzt bei den Fällen in D aufgetaucht. Ist der Verdacht so abwegig, daß man mit diesen "Enthüllungen" bis nach Olympia wartet?
sniggle 12.03.2016
4. Was soll
Das Zeug eigentlich bewirken? Ausdauer haben die Tennisspieler sicher alle genug. Den Ball treffen sie sicher seit sie noch ganz klein sind und Technik sollte in der Liga ja auch vorhanden sein. Also frag ich mich was müssen die dopen? Beim Radfahren kann ich mir sowas noch mehr erklären wie bei Tennis. Sollen sie Doping doch legalisieren dann sind ein paar Jahren die dummen natürlich ausgelesen und der Rest denkt 2 mal nach. Da brauch dann auch keiner trauern...
f-rust 12.03.2016
5. zu # 1: sie nimmt es 10 Jahre, ABER
als DOPING gilt es erst ab 1.1.2016. Und DAS wurde erst - lt. Bericht von Spon! - erst am 22.12. mitgeteilt - aber eben auch nicht als "Sondermeldung Doping" o.ä. und auch unter einem anderen Namen ... Ich halte M.S. für glaubwürdug. Sie wird zurück kommen - und es gibt genügend andere Firmen, die sie gerne als Werbeikone hätten (Head hat übrigens nichts auf Eis gelegt) ;-)
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