Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Doping im Radsport: Heftige Kritik an Warnstrategie der UCI

Ex-IOC-Boss Samaranch, Ex-UCI-Chef Verbruggen, Ex-Toursieger Armstrong: Gute Freunde Zur Großansicht
DPA

Ex-IOC-Boss Samaranch, Ex-UCI-Chef Verbruggen, Ex-Toursieger Armstrong: Gute Freunde

Der Radsport-Weltverband hat jahrelang mögliche Dopingsünder vor drohenden Sperren gewarnt - aus Sicht der Welt-Anti-Doping-Agentur ein unmögliches Vorgehen. Eine solche Strategie sei im Kampf gegen Leistungsmanipulation komplett kontraproduktiv, so die Wada.

Hamburg - Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada geht weiter auf Distanz zum Radsport-Weltverband UCI. Die Behörde wies Aussagen des UCI-Ehrenvorsitzenden und langjährigen Präsidenten Hein Verbruggen zurück, wonach es bei den Sportverbänden üblich sei, Athleten bei auffälligen Blutwerten zu warnen.

Verbruggen, der durch die Dopingaffäre um Lance Armstrong heftig in die Kritik geraten war, hatte in einem Interview berichtet, verdächtigen Fahrern mitgeteilt zu haben, dass sie unter Beobachtung stünden. Der Niederländer verteidigte die offenbar auch bei Armstrong angewendete Praxis mit dem Ziel "Prävention durch Abschreckung und Repression".

"Dieser Ansatz steht im völligen Gegensatz zu einem effektiven Anti-Doping-Kampf", teilte die Wada mit. Die Behauptung Verbruggens, wonach diese Vorwarnpolitik nicht nur im Radsport üblich sei, wies die Wada zurück. Ihr lägen keine Hinweise vor, wonach andere internationale Verbände "atypische Bluttests oder andere Kontrollen mit den Athleten besprechen", hieß es.

UCI sieht darin Teil einer "Zwei-Säulen-Strategie"

"Fahrer wurden gewarnt, dass sie unter Beobachtung stehen", hatte der 71-jährige Verbruggen gesagt. Dies sei Teil einer "Zwei-Säulen-Strategie" gewesen, die Betrüger zu finden, aber auch, Fahrer vom Doping abzubringen. Die Wada zweifelt diese Absicht an. "Jeder Verband, der so etwas tun würde, würde sich angreifbar machen und seine Unparteilichkeit und Glaubwürdigkeit gefährden", heißt es in dem Statement.

Im Zuge des Falls Armstrong ist die Kritik der Wada an der UCI zunehmend gewachsen. So lehnte die Wada beispielsweise die von der UCI selbst gegründete unabhängige Untersuchungskommission ab, die sich mit dem Verhalten des Verbands während der Armstrong-Ära auseinandersetzen soll. Gerade Verbruggen, der bis Sommer 2002 im Vorstand der Wada saß und dort Fortschritte eher behindert haben soll, steht im Mittelpunkt der Kritik zahlreicher Anti-Doping-Kämpfer.

aha/dpa/sid

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. optional
moi1 25.01.2013
Tja, die einen führen zur Beruhigung der Öffentlichkeit Blutpass und Blutkontrolle ein um sie im Hintergrund zu unterwandern. Die anderen führen angeblich wegen Geldmangel erst gar keine Blutkontrollen ein. Bei den ersten ist es (richtigerweise) Betrug und Korruption, bei zweiten keine Nachricht und Aufregung wert. Die "Unparteilichkeit und Glaubwürdigkeit" ist hier kein Thema.
2. Stopt endlich die TV Uebertragungen
s.j.m. 25.01.2013
Ohne irgend eine Form des Dopings ist es heute unmoeglich in die Radsportspitze zu gelangen. Wer etwas anderes behauptet luegt oder ist dumm. Die Oeffentlich Rechtlichen Anstallten solche endlich aufhoeren von solchen "Pharma-Schlachten" zu berichten. Wenn die Kameras weniger werden, werden auch die Sponsoren weniger, werden die Sponsoren weniger, wird es auch fuer die Doping-Mafia uninteressant. Dieser verrottete Sumpf muss erst ausgetrocknet werden, dann bekommt man vielleicht in ein paar Jahren wieder interessante Rennen zu sehen.
3.
rainman_2 25.01.2013
Zitat von sysopDPADer Radsport-Weltverband hat jahrelang mögliche Dopingsünder vor drohenden Sperren gewarnt - aus Sicht der Welt-Anti-Dopingagentur ein unmögliches Vorgehen. Eine solche Strategie sei im Kampf gegen Leistungsmanipulationen komplett kontraproduktiv, so die Wada. http://www.spiegel.de/sport/sonst/fall-armstrong-wada-kritisiert-uci-wegen-warnung-vor-doping-a-879638.html
Die UCI wählte diese Strategie um das Radsport-Spektakel nicht zu gefährden, egal ob Doping im Spiel war oder nicht. Damit hat sie erst recht das Doping begünstigt. Vermutlich waren alle Spitzenfahrer gedopt. Wer einen Spitzenplatz erreichen wollte, musste fast schon zu Dopingmittel greifen um Chancengleichheit herzustellen, darum tut mir Armstrong fast schon leid, weil er jetzt für alle den Kopf hinhalten muss.
4. optional
malexe 25.01.2013
Wie man ernsthaft behaupten kann, dass einem Lance Armstrong leid tut, ist mir schleierhaft. Der Typ ist der perfekteste Betrüger, den die Sportgeschichte hervorgebracht hat. Das er letztlich trotz aller Unterstützung seitens "seines" Verbandes überführt wurde, finde ich sensationell. Und nur weil es "alle" gemacht haben, ist es ja noch lang nicht legitim.
5.
gegenpressing 25.01.2013
Zitat von rainman_2Die UCI wählte diese Strategie um das Radsport-Spektakel nicht zu gefährden, egal ob Doping im Spiel war oder nicht. Damit hat sie erst recht das Doping begünstigt. Vermutlich waren alle Spitzenfahrer gedopt. Wer einen Spitzenplatz erreichen wollte, musste fast schon zu Dopingmittel greifen um Chancengleichheit herzustellen, darum tut mir Armstrong fast schon leid, weil er jetzt für alle den Kopf hinhalten muss.
Oh ja, schluchz, mir tut er auch so leid. Klar er hat immernoch zig Millionen auf dem Konto, die er sich durch Betrug erschlichen hat. Klar, im Gegenzug hat er Menschen eiskalt ruiniert. Er hat Menschen richtig gehend fertig gemacht, nur weil diese einfach die Wahrheit gesagt haben! Das ist das Problem. Das viele Armstrong immernoch als Opfer sehen, ist unfassbar.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Die Karriere von Lance Armstrong: Absturz eines Helden

Armstrongs Jahrzehnt der Lügen

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: