Fall Sinkewitz Dopingfahnder bestreiten Verfahrensfehler bei Kontrolle

Verwirrung um die Trainingskontrolle des positiv getesteten Radprofis Patrik Sinkewitz. Nach Angaben der Nationalen Anti-Dopingagentur Nada lief alles korrekt ab. Zuvor hatte das ZDF über formale Fehler berichtet. Sinkewitz' B-Probe wird frühestens am Dienstag geöffnet.

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Hamburg - Beim unangemeldeten Test am 8. Juni im Trainingslager des Radsportteams T-Mobile in den Pyrenäen soll der Kontrollraum während der Entnahme der Probe für andere Personen zugänglich gewesen sein, berichtete das ZDF. Dies habe Sinkewitz auch im offiziellen Kontrollformular kritisch vermerkt, bestätigte Nada-Sprecherin Ulrike Spitz SPIEGEL ONLINE. Dem Athleten sei es grundsätzlich gestattet, "persönliche und subjektive Bemerkungen abzugeben".

Verdächtiger Sinkewitz: Bemerkungen auf dem Kontrollformular
AFP

Verdächtiger Sinkewitz: Bemerkungen auf dem Kontrollformular

Entschieden widerspricht aber die Nada der Behauptung, dass es einen Verfahrensfehler gegeben habe. Die Kontrolle sei "korrekt nach den Vorgaben der International Standards for Testing (IST) durchgeführt" worden, hieß es in einer heute verbreiteten Erklärung.

Zu den Vorschriften zählt unter anderem, dass die "notwendige Diskretion" für den Athleten während der Urinprobe gewährleistet sein muss. Für eine Blutprobe macht die IST keine Angaben zur Privatsphäre, es dürfen also mehrere Personen im Raum anwesend sein.

Nach Aussage von T-Mobile-Profi Linus Gerdemann sei die Urinprobe auf einer öffentlichen Toilette abgenommen worden. Die Fahrer seien nacheinander zum Test gebeten worden. Danach habe man zusammengesessen, einige Fahrer hätten sich über die Räumlichkeiten beschwert. "Es war schon komisch, aber das hat sicherlich keinen Einfluss auf das Testergebnis gehabt", sagte Gerdemann SPIEGEL ONLINE.

Sinkewitz wurde nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bei der Kontrolle sowohl Blut als auch Urin abgenommen. Die positive A-Probe war die Urinprobe, diese hatte bei dem 26-Jährigen einen sechsfach höheren Testosterongehalt ergeben als der zulässige Grenzwert. Die Nada versicherte, dass auch der Transport der Probe nach den Vorgaben der IST korrekt abgelaufen sei. "Wir haben alles richtig gemacht", so Spitz.

Mit eventuellen Verfahrensfehlern will sich T-Mobile-Sprecher Christian Frommert nicht beschäftigen. "Wir halten uns an das, was Fakt ist, und das ist die positive A-Probe von Patrik Sinkewitz. Damit werden wir umgehen", sagte Frommert SPIEGEL ONLINE. "Sollte es neue Fakten geben, werden wir uns damit auseinandersetzen. Aber derzeit ist das alles eine Art Nebelkerzenwerfen." T-Mobile hatte Sinkewitz nach Bekanntwerden der A-Probe umgehend suspendiert, dem Fahrer droht eine zweijährige Sperre.

Sinkewitz hatte gestern die Öffnung der B-Probe beantragt. Nach Informationen der dpa ist mit einem Ergebnis nicht vor Dienstag zu rechnen. Der Bund Deutscher Radfahrer hat mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des nach seinem Sturz bei der Tour frisch operierten Radprofis entschieden, sich erst dann mit ihm über einen Termin zu verständigen. Die B-Probe muss nach den Regularien spätestens am 29. Juli geöffnet werden. Sollte auch diese positiv sein, steht Sinkewitz in der Beweispflicht. Er müsste dann den überhöhten Testosteronwert erklären.

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Umberto, 18.07.2007
1.
Zitat von sysopT-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz wies bei einer Trainingskontrolle einen erhöhten Testosteronwert auf. Soll sich das Unternehmen sofort aus dem Radsport zurückziehen?
Angesichts der grossen Töne, die die T-Mobile-Vertreter in Sachen Doping-Bekämpfung von sich gegeben haben, wären das wohl ein konsequenter Schritt. Denn man hat wohl mehr über Doping geschimpft, als dagegen getan.
unicoma, 18.07.2007
2.
Zitat von sysopT-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz wies bei einer Trainingskontrolle einen erhöhten Testosteronwert auf. Soll sich das Unternehmen sofort aus dem Radsport zurückziehen?
Also zu erst ist mal das Ergebnis der B-Probe abzuwarten. Sollte sich der Verdacht bestätigten, wirft dies kein besonders gutes Licht auf den Anti-Doping-Kurs des Teams bzw. den Erfolg des Selbigen. Sollte sich T-Mobile zurückziehen? Schwierige Frage, aber vielleicht wäre das die beste Lösung für den Konzern und langfristig, wenn andere Großsponsoren diesem Vorbild folgten, gut für den Sport.
unicoma, 18.07.2007
3.
Zitat von UmbertoAngesichts der grossen Töne, die die T-Mobile-Vertreter in Sachen Doping-Bekämpfung von sich gegeben haben, wären das wohl ein konsequenter Schritt. Denn man hat wohl mehr über Doping geschimpft, als dagegen getan.
Das befürchte ich auch. Dann möchte ich aber lieber nicht wissen, was so bei den anderen Teams abgeht (Jacksches Äußerung, Stichwort "Fixertum", finde ich doch sehr zutreffend).
Tomislav, 18.07.2007
4.
Zitat von sysopT-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz wies bei einer Trainingskontrolle einen erhöhten Testosteronwert auf. Soll sich das Unternehmen sofort aus dem Radsport zurückziehen?
Das wäre die einzige logische Konsequenz. Trotz großer Töne und angekündigtem harten Kampf gegen Doping fällt man wieder auf. Es ist wie all die Jahre zuvor. Große Klappe und nichts dahinter. Jeder verspricht den großen Wandel um alle zu beruhigen und einfach weitermachen zu können wie bisher. Eigentlich sollte man es wirklich durchziehen was Holzcer vorgeschlagen hat, "den ganzen Laden mal für ein paar Monate dicht machen".
Cider, 18.07.2007
5. Was bleibt den TMO ...
Zitat von sysopT-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz wies bei einer Trainingskontrolle einen erhöhten Testosteronwert auf. Soll sich das Unternehmen sofort aus dem Radsport zurückziehen?
... auch anderes über, als auszusteigen. Weiterfahren und sagen es war eine Ausnahme und der Sportler hat alleine das Doping haben wollen? Die Tour de France kann man ohne gar nicht gewinnen, geschweige denn im Mittelfeld mitfahren. Und ich glaube nicht das TMO sein "sauberes" Team als letzt sehen will.
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