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Deutsches Fed-Cup-Aus: Müde, enttäuscht, stolz und erleichtert

Von Philipp Joubert

Deutsche Fed-Cup-Spielerinnen: "Traurig und enttäuscht, aber auch stolz" Zur Großansicht
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Deutsche Fed-Cup-Spielerinnen: "Traurig und enttäuscht, aber auch stolz"

Alle Augen waren beim Fed-Cup-Viertelfinale auf Angelique Kerber gerichtet. Doch auch die Australian-Open-Gewinnerin konnte dem deutschen Team nicht helfen. Wird sich die Tennis-Euphorie halten können?

Es waren nur wenige Minuten vergangen, seit das deutsche Team im Viertelfinale des Fed Cup ausgeschieden war. Tränen waren geflossen, die Ränge in der Leipziger Messehalle hatten sich schnell geleert. Die Schweizer waren noch johlend zu hören, doch da, wo die deutsche Tennis-Euphorie um die Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber noch ein bisschen verlängert werden sollte, begann bereits der Abbau. Schließlich sollen in Leipzig in wenigen Tagen schon wieder Jachten und Gartengeräte für Familien ausgestellt werden.

Fed-Cup-Wochenenden waren in den vergangenen Jahren eher gemütliche Veranstaltungen. Eine wohleingespielte Routine aus Schlagergeselligkeit, lokaler Tennisjugend und teuren Sponsoren war auch in Leipzig präsent. Doch nach Kerbers Triumph in Melbourne hatte sich die Anzahl an Journalisten und anderen Beobachtern verdreifacht, die Erwartungen waren im selben Maße gestiegen. Das hatten sich die Verantwortlichen immer ersehnt, dochnun mussten sie eine Niederlage erklären.

"Ich bin traurig und enttäuscht, aber gleichzeitig auch stolz. Wir hatten eine super Woche, leider sind wir dafür nicht belohnt worden," sagte Barbara Rittner auf der abschließenden Pressekonferenz. Die Teamchefin machte wie schon in den beiden Vorjahren nach dem engen Halbfinalaus 2015 gegen Russland und der Finalniederlage 2014 gegen Tschechien, den Eindruck, als wenn sie einige Zeit an dem Ergebnis zu knabbern haben würde.

Kerbers Gänsehautatmosphäre

Der Fed Cup schien bis zum Triumph von Kerber die beste Chance auf einen großen Erfolg für das deutsche Tennis. Das Team ist seit einigen Jahren tief besetzt, die Auslosung hatte dieses Mal Heimspiele bis zum Schluss garantiert. Ein Finale im November war der durchaus realistische Traum aller Beteiligten. Am Ende wollte Rittner niemandem einen Vorwurf machen, auch nicht Andrea Petkovic, die ihr Einzel und das Doppel verloren hatte: "Ich habe vorher gesagt, auf das Doppel sollte es lieber nicht ankommen."

Schließlich hatte auch die umjubelte Kerber die wichtige Partie am Sonntagnachmitag 6:7, 3:6 gegen die erst 18 Jahre alte Schweizerin Belinda Bencic verloren - die 2:1-Führung für die Eidgenossen. Kerber, die sich am Samstag noch strahlend über die "Gänsehautatmosphäre" gefreut hatte, versuchte, hinterher zu erklären, was passiert war. Nach einer Niederlage braucht sie sonst oft ein bisschen, um mit dem Frust umzugehen. Dieses Mal wirkte sie müde, enttäuscht, aber auch bisschen erleichtert.

"Ich habe schon gestern gemerkt, dass mein Akku alle war. Heute beim Einschlagen hat es ein bisschen gezwickt," sagte die 28-Jährige, deren Oberschenkel zu Matchbeginn getaped war. Ein Nichtantreten hatte sie laut eigener Aussage aber nie in Betracht gezogen. "Ich habe mit der Barbara geredet und wollte es noch mal für das Publikum und das Team durchzuziehen."

Während es für die deutsche Nummer 1 am Montag nach Hause geht - "Füße hoch legen, nichts tun und verarbeiten" - beginnt für die Verantwortlichen die Vorbereitung auf eine neue Tennis-Zeit. Können sie die Aufmerksamkeit endlich dafür nutzen, sich für ein jüngeres Publikum interessant zu machen? Das ist zumindest eine anspruchsvolle Aufgabe.

Auch der Job von Rittner ist nach Kerbers Grand-Slam-Sieg nicht einfacher geworden. Im Gegenteil. Sie wird wohl für die Relegation im April keine radikalen Umstellungen vornehmen. Auch wenn sich hinter Petkovic und Sabine Lisicki, die dieses Mal nach einer Verletzung fehlte, einige hoffnungsvolle Talente in den Vordergrund gespielt haben. Annika Beck siegte am Sonntag gegen Bacsinszky, ermöglichte so erst das entscheidende Doppel, und Ersatzspielerin Anna-Lena Friedsam hat ihr enormes Schlagtalent bei den Australian Open unter Beweis gestellt.

Die Aufmerksamkeit für Tennis dürfte sobald nicht abreißen. Die Ansprüche aber auch nicht kleiner werden.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Aber, aber,
qewr 08.02.2016
... es ist keine Schande gegen diese Schweizerinnen verloren zu haben
2. welche Euphorie?
anselmi 08.02.2016
Von gesteigertem Zuschauerinteresse kann wohl keine Rede sein, wenn am Samstag auf Sat 1 gerade mal 440.000 Menschen die Übertragung von Kerber vs Bacsinsky verfolgten. Gestern auf Sat 1 Gold waren es in der Spitze 330.000 beim Doppel, da hatte die Wiederholung einer Uraltfolge Bulle von Tölz im Anschluss mehr Zuseher.
3. War auch kein leichtes Los
Sibylle1969 08.02.2016
Es gab sicher leichtere Gegner als die Schweizerinnen. Mit Belinda Bencic haben sie eine aufstrebende Jungspielerin, die mit einiger Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr in die Top-10 vorstoßen wird. Und Timea Baczinsky steht aktuell auf Rang 15 der Weltrangliste. Und mit Martina Hingis eine starke Doppelspielerin, die erst vor einer Woche die Australian Open im Damendoppel gewonnen hat. Es war klar, dass man gegen die Schweiz nur gewinnen kann, wenn man mindestens einen Sieg gegen Bencic holt. Das ist leider nicht gelungen, aber Bencic war auch sehr stark am Wochenende.
4. Wo genau...
wolfgangreusch 08.02.2016
... ist denn in Deutschland eine Tennis-Euphorie??? Nur, weil AK ein Grand Slam-Turnier gewonnen hat? Das ist GENAU diese Art von Medien-Meinungsmache, die den Leuten so auf den Keks geht!
5. Steffi Graf ist Kerbel noch lange nicht.
alyeska 08.02.2016
Nicht EIN Sieg zählt, sondern kontinuierliches Weltklassespiel über viele, viele Jahre. Ein langer Weg.
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Tennis: Die wichtigsten Schläge
Beginnt der Aufschläger nicht mit einem Ass und der Rückschläger spielt den Ball zurück übers Netz, läuft der Ballwechsel. Dann kann es zu folgenden Schlägen kommen:

  • VOLLEY: Der Ball wird noch vor dem Aufkommen auf dem Boden geschlagen. Dieser Schlag wird vorwiegend am Netz gespielt und soll den Ballwechsel beenden.

    PASSIERSCHLAG: Ist der andere Spieler ans Netz vorgerückt, kann er nicht die gesamte Breite des Feldes abdecken - und mit einem Schlag seitlich an ihm vorbei passiert werden.

    STOPP: Ein zumeist mit Rückwärtsdrall gespielter Ball, der kurz hinter dem Netz aufkommt und für den Gegner schwer zu erreichen ist. Wird vorwiegend auf dem langsamen Belag Sand gespielt.

    LOB: Nach einem gespielten Stopp rückt der Spieler zumeist ans Netz vor. Dann ist es möglich ihn mit einem hoch geschlagenen Lob-Ball zu überspielen.

    SCHMETTERBALL: Wird der Lob zu flach gespielt, bietet sich für den Gegner die Möglichkeit, den Ballwechsel mit einem Schmetterball zu beenden. Der Schlag ähnelt sehr dem Aufschlag und ist ein mit hohem Tempo gespielter Überkopfschlag.

  • Zudem lassen sich die Schläge von der Grundlinie unterteilen, egal ob Vor- und Rückhand:

  • TOPSPIN: Durch eine von unten nach oben durchgeführte Schlagbewegung wird dem Ball Vorwärtsdrall verliehen. Der Ball steigt dadurch zunächst relativ hoch an, fällt dann aber steil nach unten. So können auch sehr diagonal oder schnell gespielte Bälle noch im Feld landen.

    SLICE: Ist das Gegenteil vom Topspin. Die Schlagbewegung ist von oben nach unten, der Ball erhält damit Rückwärtsdrall. Der Ball wird möglichst am höchsten Punkt getroffen, die Flugkurve ist dann sehr flach und stetig sinkend. Der Ball ist dadurch relativ lange in der Luft, so dass der Schlag entweder als Verteidigungsschlag oder als Vorbereitung zum Aufrücken ans Netz verwendet wird.

    DRIVE: Der Ball wird sehr direkt getroffen und damit nur mit sehr wenig oder gar keiner Rotation versehen.

Jeder dieser drei Schläge kann entweder cross, also quer, oder longline, der Linie entlang, gespielt werden. Ein Longline-Schlag erfordert eine hohe Präzision, da der Ball leicht im Aus landen kann - und das Netz zudem außen höher ist als in der Mitte. Cross gespielte Schläge hingegen fordern weniger Genauigkeit, können dafür aber mit mehr Tempo gespielt werden.

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