Ex-Box-Champion Sturm wegen Dopings und Körperverletzung angeklagt

Seine Karriere hat er zwar längst beendet, dennoch kommt auf Boxer Felix Sturm noch ein juristisches Nachspiel zu. Weil er 2016 gedopt in den Ring gestiegen ist, hat die Staatsanwaltschaft Köln jetzt Anklage erhoben.

Felix Sturm (l.) und Fjodor Tschudinow 2016 in Oberhausen
DPA

Felix Sturm (l.) und Fjodor Tschudinow 2016 in Oberhausen


Dem ehemaligen Profi-Boxweltmeister Felix Sturm droht knapp drei Jahre nach seiner Überführung als Dopingsünder ein juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft Köln hat den 39-Jährigen angeklagt und wirft ihm "Selbstdoping, Teilnahme an einem Wettkampf unter Selbstdoping und gefährliche Körperverletzung" vor. Ein Sprecher des Kölner Landgerichts bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Sport Bild".

Sturm war nach seinem Sieg am 20. Februar 2016 in Oberhausen in der WM-Revanche gegen den Russen Fjodor Tschudinow in der A- und B-Probe positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden. Bislang gab es keine Sperre gegen Sturm, weder durch den Weltverband WBA noch durch den Bund Deutscher Berufsboxer.

Sturm drohen zehn Jahre Haft

Sturm hatte seinen WBA-Titel im Supermittelgewicht im Oktober 2016 niedergelegt und seitdem auch nicht mehr im Ring gestanden. Sein Kampfrekord steht bei 40 Siegen, fünf Niederlagen und drei Unentschieden.

Die Anklage sei Felix Sturm inzwischen zugestellt worden, erklärte der Sprecher des Landgerichts der "Sport Bild", "er hat nun die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben. Danach entscheidet die Kammer, ob und mit welchen Anklagepunkten das Hauptverfahren eröffnet wird". Der Straftatbestand der Körperverletzung wird damit begründet, dass der Kampf nicht unter dem Vorzeichen der Chancengleichheit gestanden habe.

Im Falle einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung droht Sturm eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Bei Selbstdoping reicht das Strafmaß von Geldstrafe bis zu drei Jahren Freiheitsentzug. Mit einer Entscheidung des Gerichts wird frühestens im Laufe des kommenden Jahres gerechnet.

aha/sid



insgesamt 6 Beiträge
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Emeka 21.11.2018
1. Wow
Ok...harter Tobak....stellt sich dann doch die Frage ob dann nicht alle Doper vor Gericht gehören wegen Betruges etc.
God 21.11.2018
2. Die kranke StA
hat mal wieder nichts zu tun !
came66 21.11.2018
3. ... hatte ich im Studium schon meine Probleme mit ...
Im Strafrecht ging es immer darum, einen Sachverhalt unter alle denkbaren Straftatbestände zu subsumieren. Ich war regelmäßig erstaunt darüber, welche Straftatbestände ich noch hätte prüfen müssen. Hier scheint ein Kollege am Werk zu sein, der schon im Studium die volle Punktzahl mit Sternchen bekommen hat.
came66 21.11.2018
4. Einverständnis zur gegenseitigen Körperverletzung
Der Boxsport lebt ja gerade von der gegenseitigen gefährlichen Körperverletzung - ohne wäre es Streicheln mit Handschuhen. Es ist nur deswegen keine Körperverletzung, weil die Sportler ihr Einverständnis zur gegenseitigen Körperverletzung abgeben. Die Staatsanwaltschaft wird nun konstruieren, dass der Gegner sein Einverständnis nur unter der Bedingung der Einhaltung der Regularien des Boxverbandes abgegeben hat. Da das Doping gegen die Regularien verstößt, wird nach Ansicht der Staatsanwaltschaft das Einverständnis des Gegners unwirksam sein - und schwupps haben wir uns unsere Sternchen verdient. Man sollte den Boxer mal fragen, ob sein Einverständnis unter der Bedingung stand, dass sich Herr Sturm an die Regularien des Boxverbandes hält. Ich nehme mal an, dass es ihm egal gewesen wäre, wenn er den Kampf gewonnen hätte. Ich nehme auch an, dass kein Boxer auf der Welt glaubt, dass andere Boxer ohne Doping an die Weltspitze kommen und oder dort bleiben können. Da war doch gerade der Fall des Herrn Charr in der Presse. Es gibt wohl kaum einen Sport, der mehr vom Doping geprägt wird (außer Bodybuilding).
quark2@mailinator.com 21.11.2018
5.
Während ich die finanzielle Stoßrichtung ("Betrug") sofort nachvollziehen könnte und erwarten würde, daß hier ggf. Geld an frühere Gegner umzuverteilen wäre, bin ich in zweiter Lesung nicht mehr sicher, was die Körperverletzung angeht. Ja, der Gegner mag etwas stärker bzw. ausdauernder sein, als erwartet, aber dieses Risiko gibt es ja immer und entsprechend tasten sich die Gegner am Anfang auch erstmal ab, um zu spüren, wie schlimm es wird. Da kann immer das Handtuch geworfen werden. Eine Fortsetzung des Kampfes angesichts des tatsächlichen Eindrucks den der Gegner hinterläßt, stellt auch ein fortgesetztes Einverständnis dar, sich der Gefahr, so wie wahrgenommen, weiter auszusetzen. Da sehe ich einfach keine Chance, falls das Verfahren fair ist.
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