Fifa eWorld Cup 2018 in London Die WM nach der WM

"Fifa" ist das beliebteste Sport-Videospiel. In London wird bis Samstagabend der beste Spieler der Welt ermittelt, acht Deutsche treten an. Das Turnier wird aufwendiger inszeniert denn je.

FIFA/ Getty Images

Aus London berichten und


Die Londoner O2-Arena zählt zu den größten Eventhallen Europas, sie liegt an der Themse, hier treten die größten Stars der Musikbranche auf. Es ist kein Zufall, dass die Fifa diese Arena gewählt hat, um den besten "Fifa"-Spieler der Welt zu ermitteln. In der Arena findet bis Samstag der eWorld Cup statt, die WM nach der WM. Hier treten keine Profi-Fußballer an, sondern 32 junge Männer, die an der Konsole sitzen.

Im Vorjahr fand das Turnier noch ein paar Kilometer westlich in der Westminster City Hall statt, vor rund Tausend Zuschauern, eine überschaubare Zahl. Das passt nicht mit der Fifa zusammen, zumindest wenn es nach dem Fußballweltverband selbst geht. Weltmeisterschaften wie die in Russland werden immer pompöser, das soll im E-Sport nicht anders sein. Also hat die Fifa dem Turnier ein Makeover verpasst: Zeig' mir deine Location, und ich sage dir, wer du bist.

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Fifa eWorld Cup 2018: Die 32 Teilnehmer des "Grand Final"

Der Umzug in die O2-Arena ist nur ein Schritt. Der Name der virtuellen WM wurde verändert, das Preisgeld erhöht, es wurden sogar Dopingtests angekündigt, streng nach den Regeln der Welt-Anti-Dopingagentur Wada. Und während die E-Sportler an ihren Konsolen sitzen, soll der Wettmarkt auf Unregelmäßigkeiten überprüft werden.

Millionen Menschen spielen "Fifa"

Die Message dahinter: Wir, die Fifa, nehmen E-Sports ernst. Vor allem natürlich "Fifa" von EA Sports, das Spiel, das unseren Namen im Titel spielt und das sich Jahr für Jahr Millionen Mal verkauft. Das Spiel, das auch viele Menschen spielen, die keine klassischen Gamer sind, aber Fußball mögen.

Aus Sicht des Verbands ist die Zuwendung zum E-Sport ein logischer Schritt. Die Fifa gilt vielen als Synonym für Korruption, für einen Verband, der sich weit von den Fußballfans entfernt hat. Geführt wird er fast ausschließlich von älteren Herren, das Image könnte besser sein. E-Sports bietet die Chance, jünger zu wirken, moderner.

Eigene Konsolenfußball-Turniere richtet die Fifa schon seit 2004 aus. Doch erst seit wenigen Jahren ist das Interesse an solchen Wettbewerben so groß, dass sich die erhoffte und reale Relevanz der "Fifa"-WM zumindest langsam näherkommen.

Das Wichtigste zum Fifa eWorld Cup 2018
Was ist der Fifa eWorld Cup?

Ein Videospielturnier, das der Weltfußballverband Fifa ausrichtet. Die Fifa inszeniert es als virtuelles Gegenstück zur Fußball-WM, gespielt wird die beliebte Fußballsimulation "Fifa" von EA Sports. Wer hier gewinnt, darf sich offiziell "Fifa"-Weltmeister nennen - und ist dank des Sieger-Preisgeldes 250.000 Dollar reicher.

Das "Grand Final", also die Finalrunde des Turniers, findet vom 2. bis zum 4. August in der Londoner O2-Arena statt. Für die internationale "Fifa"-E-Sports-Szene ist es der prestigeträchtigste Wettbewerb des Jahres.

Das Turnier kann zum Beispiel via YouTube und via Twitch live verfolgt werden. Auch der deutsche Sportsender Sport 1 überträgt den Wettbewerb, zum Teil auch im Fernsehen. Spielergebnisse lassen sich auf einer Website der Fifa abrufen.

Wer ist im "Grand Final" dabei?

32 Spieler kämpfen auf Sonys Playstation 4 und Microsofts Xbox One um den Titel - allesamt junge Männer. Für das Turnier haben sie sich über "Playoff-Events" qualifiziert. Auch für diese mussten sich die Spieler über weitere Wettbewerbe qualifizieren.

Beim "Grand Final" treten nun Spieler aus 19 Ländern gegeneinander, gleich acht Deutsche spielen mit: "Deto", "Eisvogel", "MoAubameyang", "TheStrxngeR", "M4RV", "MegaBit", "Nraseck" und "Sakul".

Die Teilnehmer kennen sich größtenteils persönlich, von anderen Wettbewerben oder weil sie zur Vorbereitung auf den eWorld Cup gemeinsam trainiert haben. Eine Übersicht aller Teilnehmer des "Grand Final" finden Sie in dieser Fotostrecke.

Wer ist Favorit?

Verglichen mit einer Fußball-WM ist es bei "Fifa"-Turnieren schwieriger, klare Favoriten auszumachen. Die meisten Profi-Spieler sagen: Wer es bis in "Grand Final" geschafft hat, kann auch den Titel holen. Eine entscheidende Frage wird sein, welcher der 32 Teilnehmer die stärksten Nerven hat - vor allem, wenn am 4. August nicht nur für den Internet-Stream, sondern vor Livepublikum in der O2-Arena gespielt wird.

Einen Vorteil haben in dieser Hinsicht Spieler, die schon einmal einen so wichtigen Titel gewonnen haben. Dazu zählt Spencer "Gorilla" Ealing aus England, der 2017 das Vorläufer-Event des eWorld Cups, den Fifa Interactive World Cup, für sich entscheiden konnte. Einen Triumph beim Interactive World Cup im Rücken hat auch August "Agge" Rosenmeier aus Dänemark, er gewann ihn 2014.

Die deutschen "Fifa"-Spieler gelten allgemein als stark - und da sie gleich zu acht vertreten sind, gilt auch ein deutscher Sieg in London als gut möglich. Den Interactive World Cup allerdings konnte nie ein Deutscher gewinnen: 2017 in London scheiterte Kai "Deto" Wollin im Finale an "Gorilla".

Wie läuft das Turnier ab?

Es gibt acht Vierergruppen, aus denen sich jeweils die vier erfolgreichsten Spieler für die K.-o.-Runde qualifizieren. Jeder spielt zweimal gegen jeden aus seiner Gruppe, das Ergebnis wird ohne Auswärtstor-Regel addiert. In der Gruppe A und B wird auf der Xbox One gespielt, in der Gruppe C und D auf der Playstation 4. Auch die Achtel-, Viertel- und Halbfinals werden in Form zweier Partien ausgetragen.

Im Endspiel trifft der Sieger der Playstation-Seite auf den Sieger der Xbox-One-Seite. Beide Finalisten spielen jeweils einmal auf jeder Konsole gegeneinander.

Der Turniersieger darf sich über 250.000 Dollar freuen, der Zweitplatzierte über 50.000 Dollar. Wer im Viertelfinale ausscheidet, bekommt immerhin noch 10.000 Euro. Und wer die Vorrunde übersteht, erhält 2500 Euro.

Wird normal "Fifa" gespielt?

Beim eWorld Cup wird eine besondere Variante von "Fifa 18" gespielt, der sogenannte E-Sports-Build. Die Spieler treten - wie es im beliebten "Ultimate Team"-Modus üblich ist - nicht mit Fußballteams in ihrer realen Besetzung an, sondern mit einem Kader, den sie sich selbst zusammenstellen.

In London tritt jeder mit der Nationalmannschaft seines Landes an, welche 23 virtuellen Spieler diese im Kader hat, lässt sich aber frei festlegen: Deutsche Teilnehmer können zum Beispiel auch Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo nominieren, alle Spieler aus dem "Ultimate Team"-Universum stehen zur Auswahl. Auch sogenannte Legenden wie Brasiliens Ronaldo oder Lothar Matthäus lassen sich ins eigene Team holen.

Welche Rolle spielen reale Fußballklubs?

Der Fifa eWorld Cup ist kein Vereinsturnier, jeder Spieler kämpft hier für sich und sein Land um den Titel. Diverse Spieler sind jedoch bei E-Sports-Teams oder in den E-Sports-Abteilungen von Fußballklubs unter Vertrag, sie dürfen diesmal sogar in ihren Vereinstrikots spielen - mit einer Landesflagge auf dem Ärmel. Der Deutsche "Deto" zum Beispiel steht bei Manchester City unter Vertrag, "TheStrxngeR" beim FC Basel.

Die Vereine zahlen den Spielern ein Gehalt und unterstützen sie zum Beispiel, indem sie ihnen Trainer oder Psychologen zur Seite stellen. Das Geld, das die Vereine zahlen, macht es vielen Spielern leichter, sich auf das professionelle "Fifa"-Spielen zu konzentrieren.

Ist "Fifa" ein beliebter E-Sport?

Die "Fifa"-E-Sports-Szene professionalisiert sich gerade: Die Preisgelder steigen, das Zuschauerinteresse wird größer, immer mehr Sportklubs und Sponsoren steigen ein. So groß wie Titel wie "League of Legends" und "Dota 2" ist "Fifa" im E-Sport aber nicht.

Zudem gibt es immer wieder Kritik an "Fifa": So ärgern sich Spieler zum Beispiel darüber, dass es im "Ultimate Team"-Modus ständig den Anreiz gibt, echtes Geld auszugeben, da das eigene Team so schneller leistungsfähiger wird. Im Fall von "Fifa 18" wird auch immer wieder über Bugs, also technische Fehler im Spiel, geschimpft.

Allgemein zählt "Fifa" zu den beliebtesten Videospielen überhaupt, "Fifa 18" etwa hat sich in Deutschland mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Nicht jeder Käufer interessiert sich aber fürs kompetitive Gaming: Viele spielen "Fifa" zum Beispiel auch gern offline gegen vom Computer gesteuerte Gegner.

Ist der eWorld Cup neu?

Ja und nein. Das Turnier ersetzt ab 2018 den Fifa Interactive World Cup, ein ähnliches Turnier, das seit 2004 einmal pro Jahr stattfand. Der Interactive World Cup wurde schon in Städten wie Dubai, Barcelona und New York City ausgespielt.

Neu beim eWorld Cup sind Doping-Kontrollen. Zudem müssen die Teilnehmer dieses Jahr den Disziplinar- sowie den Ethikkodex der Fifa unterschreiben: Auf diese Art stellen sie unter anderem klar, dass sie sich nicht an der Manipulation von Fußballspielen und -wettbewerben beteiligen.

Wie kann ich "Fifa" spielen?

Von "Fifa" erscheint jedes Jahr eine neue Version, aktuell ist "Fifa 18". Das Spiel gibt es für Playstation 4, Xbox One und den PC. Außerdem existieren optisch und spielerisch weniger moderne "Fifa 18"-Versionen für Playstation 3, Xbox 360 und die Nintendo Switch. Die Mobilversion des Spiels, "Fifa Mobile", ist noch deutlicher abgespeckt.

Das nächste "Fifa", "Fifa 19", soll am 28. September 2018 erscheinen. Es wird erwartet, dass EA Sports in London weitere Details zu dessen Neuerungen bekanntmacht. Bislang weiß man unter anderem, dass "Fifa 19" ein neues Schuss-System bietet und die Champions-League-Lizenz hat.

Die "Fifa"-Reihe ist zwar seit mehr zwei Jahrzehnten rund um den Globus erfolgreich, wird von vielen Gamern aber nicht unbedingt mit dem Verband in Verbindung gebracht. Die Fifa ist die Fifa, "Fifa" ist das Fußballspiel, das viele Menschen beim Erwachsenwerdens begleitet - und oft auch darüber hinaus.

Viele Jahre konkurrierte man in "Fifa" jedoch vor allem mit dem Nachbarn auf der Couch statt mit den Besten der Welt. Jüngere "Fifa"-Spieler dagegen können sich oft wohl gar nicht mehr vorstellen, wie das Spiel in Zeiten gespielt wurde, als es noch keinen Online-Multiplayer gab.

Viele junge Menschen

Vor Ort in der O2-Arena wirkt der eWorld Cup tatsächlich wie ein junges Event. Die Zielgruppe sind vor allem Nutzer von sozialen Netzwerken, die sich die Spiele in mehreren Live-Streams anschauen können, samt Kommentatoren. Internet statt TV, Livechat statt Kneipendiskussionen.

Und auch die Profi-Gamer selbst sind jung, größtenteils Anfang bis Mitte 20. Der Deutsche Kai "Deto" Wollin ist mit 29 der mit Abstand älteste Teilnehmer. Wer in der Arena dieser Tage mit Mitte 40 rumläuft, ist sofort im Verdacht, ein Elternteil zu sein.

Im Unterschied zur Fußball-WM können sich für den eWorld Cup mehrere Spieler aus demselben Land qualifizieren. Die kuriose Folge: Für Deutschland treten gleich acht Spieler an, darunter "Deto", der 2017 erst im Finale scheiterte. Nach dem blamablen Ausscheiden der Nationalmannschaft in Russland ist im Konsolenfußball ein deutscher WM-Sieg so gut möglich.

Viele der Teilnehmer treten im Trikot realer Fußballklubs an, sie stehen zum Beispiel in den E-Sports-Abteilungen von Bayer Leverkusen oder der AS Rom unter Vertrag. Manchester City, der Verein von "Deto", hat sogar zwei Spieler vor Ort, genau wie der VfL Bochum, der im Analogfußball in absehbarer Zeit wohl nicht gegen den englischen Meister antreten wird.

Am Geburtstag ins Finale?

Der "Fifa"-Star der Bochumer ist Michael "MegaBit" Bittner, der sich am Samstag selbst ein Geburtstagsgeschenk machen könnte: Am Finaltag wird Bittner 20. Wie es sich anfühlt, ein großes Turnier zu gewinnen, weiß Bittner: bei der Qualifikationsrunde in Amsterdam war er der beste Xbox-One-Spieler.

Aber alte Erfolge sind in London wenig wert, spätestens in der K.-o.-Runde, wenn ab dem Halbfinale Tausende Zuschauer in der Arena dabei sind, bedeuten schon einige Sekunden Unachtsamkeit das Aus: "Fifa"-Spiele sind schnell, voller Highlights und im Zweifel schneller vorbei, als es manchem Spieler lieb ist.

Wer bis zum Ende dabei ist - und sich auch in den beiden Finalpartien durchsetzt, den Spielen 21 und 22 binnen drei Tagen -, wird dafür ordentlich belohnt: 250.000 Dollar bekommt der Sieger, immerhin 50.000 der Zweitplatzierte. Ein Jahr lang darf sich der Gewinner bester "Fifa"-Spieler der Welt nennen, es wird Siegerfotos geben mit strahlenden jungen Gesichtern, und diese Bilder werden zigfach in sozialen Medien geteilt. Gewonnen hat dann auch die Fifa.



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