E-Sport Der beste "Fifa"-Spieler der Welt kommt aus Saudi-Arabien

Der jüngste Profigamer war der beste: Der 18-jährige Mosaad "Msdossary" Aldossary hat die "Fifa"-eSport-WM gewonnen. Für die deutschen Teilnehmer verlief das Turnier enttäuschend.

Mosaad "Msdossary" Aldossary
FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Mosaad "Msdossary" Aldossary

Aus London berichten und


Zigmillionen Menschen weltweit spielen "Fifa 18", allein in Deutschland verkaufte sich das Spiel zwei Millionen Mal. Seit Samstagabend ist klar, dass der weltbeste aus Saudi-Arabien stammt. Mosaad "Msdossary" Aldossary hat die Fifa eSport-WM gewonnen. Im Finale in der Londonder O2-Arena bezwang er Stefano "StefanoPinna" Pinna aus Belgien in Hin- und Rückspiel jeweils 2:0.

Damit sicherte er sich ein Preisgeld in Höhe von 250.000 US-Dollar, eine bemerkenswerte Summe für einen 18-Jährigen. Msdossary war als jüngster Spieler in die WM gegangen. StefanoPinna erhielt für seinen zweiten Platz 50.000 Dollar.

Er habe sein Land stolz gemacht, sagte Msdossary nach seinem Erfolg. In Saudi-Arabien gebe es eine durchaus große "Fifa"-Szene, hatte er dem SPIEGEL bereits vor dem Finale gesagt. Tatsächlich war vor drei Jahren bereits ein Profi aus Saudi-Arabien "Fifa"-Weltmeister geworden, Abdulaziz Alshehri. Viele Spieler in seiner Heimat seien gut, sagt Msdossary, ihnen fehle es aber an Erfahrung und Ruhe, wenn sie bei großen Turnieren antreten. Zumindest das mit der fehlenden Ruhe lässt sich Msdossary nicht nachsagen.

Ein paar Tage vor der WM mit dem Training begonnen

Im Finale wirkte nicht er wie ein 18-Jähriger, der gerade um eine Viertelmillion Dollar spielt. Während Gegner StefanoPinna an den Rand seines Sessels rückte, das Gesicht ganz dicht am Bildschirm, spielte Msdossary das wichtigste "Fifa"-Spiel seiner Karriere äußerlich entspannt. Er werde auch vor Publikum nicht nervös, hatte er vor dem Finaltag gesagt, das beeinflusse andere Spieler weit mehr als ihn. Er würde auch weniger trainieren als seine Konkurrenz. Er habe erst ein paar Tage vor der WM wieder begonnen, regelmäßig viel zu spielen.

Ob das stimmt, sei dahingestellt. Ganz offensichtlich aber war Msdossary besser als seine Gegner. Seine Gruppe gewann er souverän vor Titelverteidiger Spencer "Gorilla" Ealing, später schaltete unter anderem den extrovertierten Kurt "kurt0411" Fenech aus.

"Meine Defensive war ziemlich gut"

Msdossarys Schlüssel war seine Defensive. In einer WM-Endrunde, in der die Profis in den K.-o.-Spielen im Schnitt mehr als vier Tore erzielten, stach seine Verteidigung heraus, auch in den beiden Finalpartien ließ Msdossary kaum Chancen zu und blieb ohne Gegentreffer. Im gesamten Turnier kassierte er im Schnitt rund 1,5 Gegentore pro Partie.

"Meine Defensive war ziemlich gut", sagte Msdossary trocken. Was er mit dem Preisgeld anstelle, wisse er noch nicht.

Fotostrecke

26  Bilder
Beliebte Spieleserie: So hat sich die "Fifa"-Reihe verändert

Aus Deutschland hatten es acht Gamer dank ihrer Leistungen in vorherigen Turnieren ins "Grand Final" in London geschafft, kein Land war auch nur annähernd mit so vielen Spielern vertreten. Mit Afrika war sogar ein ganzer Kontinent nicht im Teilnehmerfeld vertreten. Kein Spieler von dort hatte sich für die WM qualifizieren können.

So stark und groß die deutsche "Fifa"-Szene ist, erfüllt haben sich die teils hohen Erwartungen der deutschen Teilnehmer nicht. Fünf der acht Spieler überstanden die Vorrunde, spätestens im Viertelfinale war aber Schluss.

Erstmals Doping-Kontrollen bei "Fifa"

Als erfolgreichste Deutschen schieden dort Mohammed "MoAubameyang" Harkous und Michael "MegaBit" Bittner gegen die späteren Finalisten aus. MoAubameyang, seit kurzem im Trikot von Werder Bremen, verlor über die zwei K.-o-Spiele hinweg knapp 5:6 gegen StefanoPinna. "MegaBit", der für den VfL Bochum antrat, kam bei einem 4:9 gegen Weltmeister Msdossary an seinen Grenzen.

MegaBit durfte in London auch noch erleben, wie sich eine Doping-Kontrolle anfühlt, wie sie dieses Jahr erstmal bei einem "Fifa"-Turnier durchgeführt wurde. Er war direkt zu Turnierbeginn dafür ausgelost worden. "Mit ein bisschen Anlaufproblemen ist es dann auch gut gegangen", berichtet er vom ersten Dopingtest seines Lebens.

MegaBit hält es aber für ein gutes Zeichen, dass kontrolliert werde: Das zeige, dass der "Fifa"-E-Sport immer professioneller werde.



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
titoandres 04.08.2018
1.
Man muss zwar vorsichtig sein, Neuigkeiten zu kritisieren, die nachkommende Generationen hervorrufen, aber dennoch habe ich das Gefühl, hier wird der größte Versager ausgezeichnet. Menschen, die den ganzen Tag Video-Spiele spielen. Und es gibt auch noch Interesse und Zuschauer. Es ist schwierig, dem Ganzen einen Sinn abzugewinnen.
frenchhornplayer85 04.08.2018
2. tito
Welchen Sinn haben dann zum Bsp Schachweltmeisterschaften? Da wird auch nur gesessen und nachgedacht. Klar ist esport neu, aber es ist nicht weniger sinnfrei als andere Leistungssport Events. Wer brauch denn all die hoch gezüchteten Sportler in Leichtathletik usw. Welchen tieferen Sinn haben die?
xbooomx 04.08.2018
3. Ready Player One
Hallo Titoandres, vielleicht etwas plump aber möglicherweise kann der Film "Ready Player One" Ihren Horizont erweitern. LG
mayazi 05.08.2018
4. #1 @titoandres
Was für ein Unterschied sollte zwischen dem Zuschauen bei eSport und bei "echtem" Sport bestehen?
gbaboyseb 05.08.2018
5. Es
ist schon einfach unglaublich wie wenig Ahnung teilweise vorhanden ist. Natürlich war das Turnier noch nicht optimal, wenn auch ungleich besser als im letzten Jahr von der gesamten Organisation. Ich finde es gut, wenn sich junge Menschen für irgendwas begeistern können und es mit Leidenschaft betreiben und nicht wie üblich alle zwei Wochen wieder alles öde finden. Es ist natürlich richtig, dass man gerade während der Kindheit und der Jugend die Bewegung nicht vergessen sollte, aber das ist etwas ganz anderes. Daher finde ich es immer wieder amüsant wie lächerlich abwertend man über etwas herziehen kann ohne überhaupt einen Funken Ahnung zu besitzen. Die Debatte kommt mir vor wie diejenige in den 80-igern als viele Eltern und Lehrer vor COMPUTERN, nicht nur vor Spielen, warnten. Außerdem könnte man über die meisten Sportarten aufgrund ihrer Historie doch ganze Bücher verfassen, die nichts als herbe Kritik beinhalten würden -->Transferpolitik im Fußball...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.