Sponsoren McDonald's und Coca-Cola setzen Fifa unter Druck

Die Sponsoren verlieren im Fifa-Skandal die Geduld: Die internen Kontrollen erfüllten nicht die Anforderungen, die McDonald's an seine Partner stellt, heißt es. Auch Coca-Cola fordert umfassende Reformen.

Fifa-Flagge: Der Verband kämpft gegen den größten Korruptionsskandal der Fußballgeschichte
dpa

Fifa-Flagge: Der Verband kämpft gegen den größten Korruptionsskandal der Fußballgeschichte


Der Korruptionsskandal der Fifa zieht sich, und je länger er dauert, desto mehr steigt der Druck der Sponsoren. Coca-Cola und McDonald's kritisierten am Freitag die Art der Fifa-Führung und forderten umfassende Änderungen.

Der US-Getränkekonzern unterstützte die Forderung nach einer unabhängigen Reformkommission. Und die weltgrößte Fast-Food-Kette forderte einen grundlegenden Wandel, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit bei Fans und Sponsoren wiederherzustellen.

Derzeit erfüllten die internen Kontrollen und die Einstellung zur Regelbefolgung bei der Fifa nicht die Anforderungen, die McDonald's an seine Partner stelle, erklärte der Konzern. Eine unabhängige Kommission könne eine Option sein, um die notwendigen Reformen anzugehen.

Mittlerweile beschäftigt sich einem Insider zufolge auch die US-Börsenaufsicht SEC mit dem Skandal. Die Behörde untersuche, ob börsennotierte Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zur in Zürich ansässigen Fifa gegen US-Korruptionsgesetze verstoßen haben könnten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person.

Präsident des Bolivianischen Fußballverbands festgenommen

Schweizer Behörden hatten auf Ersuchen der US-Justiz Ende Mai sieben Fifa-Funktionäre in Zürich festgenommen. Sie stehen unter Verdacht, Bestechungsgelder in Höhe von mehr als hundert Millionen Dollar angenommen zu haben. Am Donnerstag lieferte das Land den ersten Funktionär an die USA aus.

Am Freitag wurde außerdem der Präsident des Bolivianischen Fußballverbands (FBF), Carlos Chávez, wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft Boliviens ordnete den Schritt an, nachdem Chávez in Sucre acht Stunden lang über die mutmaßliche Veruntreuung von Geldern des FBF ausgesagt hatte.

Chávez ist seit 2013 Schatzmeister des südamerikanischen Fußballverbands Conmebol, der in den Fifa-Korruptionsskandal verwickelt ist. Der Generalsekretär der FBF, Alberto Lozada, wurde ebenfalls verhaftet.

Im Fifa-Skandal ermitteln Behörden weltweit rund um die Vergabe von Fußballweltmeisterschaften. Es handelt sich um den größten Korruptionsskandal der Fußballgeschichte.

Die Protagonisten der Fifa-Krise
Jeffrey Webb
REUTERS 
Jeffrey Webb von den Cayman Islands gilt als Vertrauter von Fifa-Boss Joseph Blatter. Jetzt wird sich der Schweizer wohl von ihm lossagen müssen. Webb, auch Fifa-Vizepräsident, ist ins Visier der Behörden geraten. Er gehört zu denen, die am Morgen in Zürich abgeführt wurden.
Eugenio Figueredo
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Auch gegen Eugenio Figueredo gehen die Ermittler vor. Er gehört ebenfalls zu den Festgenommenen. Der 83-jährige Funktionär aus Uruguay ist einer der einflussreichsten Strippenzieher in Südamerika.
José Maria Marin
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José Maria Marin, ebenfalls 83, konnte sich im Vorjahr noch im Glanz der Fußball-WM in Brasilien sonnen. Jetzt musste auch er der Polizei ins Präsidium folgen. Der Brasilianer ist im Dunstkreis von Ex-Fifa-Chef João Havelange groß geworden. Havelange ist wegen Korruption längst aus dem IOC ausgeschlossen worden.
Rafael Esquivel
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Rafael Esquivel aus Venezuela ist der dritte Südamerikaner, der von den Festnahmen betroffen ist. Seine Konten wurden von Schweizer Behörden derweil eingefroren.
Eduardo Li
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Auch Eduardo Li wurde in der Früh in Zürich im Hotel Baur Au Lac festgenommen. Li ist Chef des Fußballverbands von Costa Rica.
Jack Warner
REUTERS 
Wenn von Korruption und Fifa die Rede ist, fällt eigentlich immer schnell der Name von Jack Warner (Foto). Der ehemalige Vizepräsident des Weltverbands gilt als Pate der Bestechung im Weltfußball. Ob er im Rahmen der Festnahmen auch betroffen war, ist offen. Dafür wurde sein Attaché, Costas Takkas, festgenommen.
Julio Rocha
REUTERS 
Bekannt ist dagegen, dass Julio Rocha (l.), der ehemalige Präsident des Verbands von Nicaragua, am Morgen abgeführt wurde. Nur an einem prallt wieder alles ab.
 
 
Joseph Blatter ist laut seinem Sprecher "nicht involviert". Wie gehabt.

irb/dpa/Reuters



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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
Airkraft 18.07.2015
1. Money makes the world go round
Da wird's jetzt aber echt eng, falls die Sponsoren mit "Geldentzug" drohen ;-)
whatmeworry 18.07.2015
2. Endlich!
Endlich, endlich rühren sich die Sponsoren. Gut so, denn Geld ist die einzige Sprache, die die FIFA versteht.
hallo??? 18.07.2015
3. das sind ja gerade die richtigen...
die da einen auf ehrlich heucheln. fehlt nur noch adidas...
Useless_User 18.07.2015
4. Der eigentliche Skandal...
...ist, daß es der Sponsoren bedarf, während sich Politiker aller Länder wegducken, anstatt gegen die mafiöse FIFA, UEFA und das IOC vorzugehen, die vor Geldgier kaum stehen können.
deglaboy 18.07.2015
5. Bevor SPON langatmig aufzählt,...
welche Fifa-Oberen verhaftet wurden, einfach eine kurze Liste, mit den Namen derer, die noch in Freiheit sind. Bei der Cosa Nostra geht man auch davon aus, dass alle Mitglieder, kriminell sind. Bei der Fifa ist da kein Unterschied, außer dass sie in der Schweizer sitzen, statt in Süditalien.
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