Finanzkrise im Basketball Köln 99ers droht Insolvenz

Woche der Entscheidung: Der Profi-Basketball in Köln könnte eine glänzende Zukunft haben, glaubt Jürgen Wollny - doch vielleicht ist schon ganz bald alles vorbei. Bei SPIEGEL ONLINE spricht der Investor erstmals öffentlich über die Finanznot des Clubs.

Von Sascha Klettke


Hamburg - Jürgen Wollny wirkt gelassen. Ruhig erzählt der Geschäftsführer und Gesellschafter der Köln 99ers, wie die erfolgreiche Zukunft des Profi-Basketballs in Köln aussehen könnte: Mit acht bis neun deutschen Spielern könnte der Club in der nächsten Saison an den Start gehen, bis zur Weltmeisterschaft 2014 mehrere Spieler für die deutsche Nationalmannschaft entwickeln.

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Köln-Profi Bavcic: Entscheidung über Zukunft des Clubs bis Donnerstag
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Köln-Profi Bavcic: Entscheidung über Zukunft des Clubs bis Donnerstag

Schon in dieser Woche könnte sich aber entscheiden, dass die Köln 99ers aus der Basketball-Bundesliga (BBL) verschwinden. "Es ist nicht möglich, mit eigenem Geld diese Saison zu Ende zu spielen und die nächste Spielzeit zu finanzieren", bestätigte Wollny im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erstmals öffentlich die akute Finanznot des Clubs. Für die laufende Saison fehlten 600.000 Euro. Zur Hälfte handele es sich dabei um bereits entstandene Verpflichtungen, die andere Hälfte seien die Kosten für den Rest der Spielzeit.

Die mögliche Konsequenz: Die Köln 99ers müssten Insolvenz beantragen. Eine Entscheidung soll bis Donnerstag fallen, bis zum "wichtigsten Spiel des Jahres", sagte Wollny. Die Kölner treten dann gegen die Giessen 46ers an, den stärksten Konkurrenten um einen Nicht-Abstiegsplatz. "Es ist schwer vorstellbar, in diese Partie zu gehen, wenn wir den Spielern dann nicht glaubwürdig sagen können, wie es weiter geht", erklärte Wollny.

Vergangene Woche erreichte die finanzielle Krise auch das spielende Personal. Die fällige Gehaltsüberweisung sei ausgeblieben, die Trainer und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle müssten bereits seit zwei Monaten auf ihr Geld warten, sagt Wollny. Das Team ließ sich das am Sonntag nicht anmerken: Die Köln 99ers gewannen 67:59 gegen Ludwigsburg.

Köln ist nicht der einzige BBL-Standort, der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Bei mindestens zwei weiteren Vereinen ist unklar, ob sie in der nächsten Saison noch im Oberhaus mitspielen können: Die Paderborn Baskets verkünden im Vier-Wochen-Rhythmus, ob das Geld für einen weiteren Monat reicht.

Und auch beim Aufsteiger Giants Nördlingen gibt es starke Zweifel, ob der Club eine zweite Saison in der ersten Liga wagen soll: "Es macht keinen Sinn anzutreten, wenn der Etat nicht zustande kommt", sagt Vorstandschef Jürgen Kohl SPIEGEL ONLINE. Eine Entscheidung werde frühestens Ende Mai fallen. Bis dahin gebe es noch zwei Gespräche mit möglichen Hauptsponsoren.

Der fehlende Hauptsponsor ist auch das größte Problem in Köln. Es ist das zweite Mal innerhalb von 14 Monaten, dass der Club sich in einer wirtschaftlichen Existenzkrise befindet. Im Februar 2008 wurden die 99ers kurzfristig gerettet - wenige Stunden bevor das erste Spiel ausgefallen wäre. Der Retter hieß Jürgen Wollny. Der Hamburger Geschäftsmann sorgte mit dem Kölner Bauunternehmer Anton Bausinger dafür, dass die 99ers weiter machen konnten.

Von Anfang hatte Wollny klar gemacht, dass er kein Mäzen sein will, der den Verein dauerhaft mit eigenem Geld finanziert, sondern dass er sich als Investor sieht, der ein wirtschaftliches tragfähiges Projekt entwickelt. Das Marketing-Konzept sollte Sponsoren überzeugen. Fast hätte er es geschafft, berichtet Wollny im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: Im Herbst 2008 habe es zwei ernsthafte Interessenten für die beiden teuersten Werbeflächen gegeben - für den Namen des Clubs und für das Trikot. Doch dann ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite, die potentiellen Sponsoren sprangen ab.

Hoffen auf die Hilfe der Stadt

"Es war mir klar, dass wir uns in dieser Saison darauf einstellen mussten, auch ohne Namenssponsor klar zu kommen. Was ich aber nicht einplanen konnte, war die Krise an sich - mit der Folge, dass dann Zusagen nicht mehr eingehalten wurden", sagt Wollny. Etwa die Hälfte des 600.000 Euro-Defizits ist nach Wollnys Angaben entstanden, weil bereits vereinbarte Gelder nicht an den Club überwiesen wurden. So verweigere zum Beispiel die Brauerei, die bisher die 99ers gesponsert hatte, zugesagte Zahlungen.

Trotz Finanzkrise und den kurzfristig fehlenden finanziellen Mitteln zeigt sich Wollny noch verhalten optimistisch. Sein Rettungsplan besteht aus zwei Teilen: Einem kurzfristigen, der die Existenz des Clubs bis zum Saisonende sichern soll und einem langfristigen, der die Köln 99ers auch für bundesweite Sponsoren interessant machen soll.

Vergangenen Donnerstag trafen die 99ers sich mit Vertretern von Stadt und der lokalen Wirtschaft. Wollny hofft, dass Oberbürgermeister Fritz Schramma und die Stadt in den nächsten Tagen ihr Netzwerk nutzen, um das Geld aufzutreiben. Möglicherweise könnten auch die vorhandenen Sponsoren ihr Engagement verstärken. Wenn es dann noch eine Etat-Lücke gebe, sei er bereit einzuspringen, sagt Wollny "Ich würde sofort auch noch Geld reinstecken, wenn ich wüsste, dass die Köln 99ers danach gerettet sind - und zwar für fünf Jahre und nicht nur für drei Monate."

Neuer Kölner Weg

Beim Gespräch der Steuerungsgruppe für die Stadt Köln war auch Bundestrainer Dirk Bauermann dabei, um das langfristige Konzept des Vereins zu unterstützen. Die Kölner Pläne sind auch eine Antwort auf die Debatte um die geringe Spielzeit für einheimische Spieler in der Bundesliga. Die Idee der 99ers heißt "Team Germany". Von nächster Saison an sollen mindestens acht Deutsche im Kader stehen und nur von drei oder vier ausländischen Profis verstärkt werden.

"Wir wollen auch Spieler holen, die jetzt woanders nur auf der Bank sitzen", sagt Wollny. Das Bundesliga-Team soll an der Spitze eines umfassenden Programms zur Nachwuchsförderung stehen: Arbeitsgemeinschaften in Schulen, Internats-Plätze für Basketballer, Vereinsmannschaften, möglicherweise ein Zweitliga-Team für den Nachwuchs. Das meiste davon ist schon vorhanden und nennt sich "Cologne School of Basketball". Damit sollte bisher bei der lokalen Wirtschaft um Unterstützung geworben werden.

Mit dem Kölner "Team Germany", das nach Wollnys Vorstellungen bis 2014 mehrere Spieler in der Nationalmannschaft stellen könnte, soll auch das Interesse überregionaler Sponsoren geweckt werden. Für einen hohen sechsstelligen Betrag würde er denen gerne das Namensrecht für den Club verkaufen.

Doch damit das möglich wird, müssen die Köln 99ers erst einmal diese Woche überstehen. Wollny sagt, er würde sein Engagement nicht bereuen, wenn die zweite Rettung scheitert: "Auch wenn ich dann eine Menge Geld verloren hätte, persönlich machen mir die 99er sehr viel Spaß".



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