Mayweather vs. McGregor Vom Bauchnabel abwärts

Im August treffen Floyd Mayweather jr. und Conor McGregor im "Milliarden-Kampf" aufeinander. Bei der Werbung für das Box-Event setzen die Protagonisten vor allem auf eins: verbale Tiefschläge.

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Jerry Springer dürfte seinen Spaß gehabt haben. Der US-Talkmaster bringt in der nach ihm benannten TV-Show regelmäßig Durchschnittsamerikaner dazu, sich aufs Übelste zu beschimpfen. Dank Box-Superstar Floyd Mayweather jr. und UFC-Weltmeister Conor McGregor hält das Springer-Format nun endgültig Einzug in den US-amerikanischen Spitzensport.

Denn im Rahmen einer sogenannten "World Tour" machten Mayweather und McGregor in der vergangenen Woche in Los Angeles, Toronto, New York und London Werbung für ihren "Milliarden-Kampf", der am 26. August in Las Vegas stattfinden wird. In großen Hallen vor bis zu 20.000 Fans standen sich die Protagonisten auf überdimensionierten Bühnen gegenüber - und nutzten diesen Rahmen in erster Linie dazu, wüste Beleidigungen auszutauschen. Insgesamt darf sich McGregor als (un)moralischer Sieger der Pressetour fühlen. Vor allem in Toronto und London, wo die UFC-Fans im Publikum dominierten, wurde er gefeiert und Mayweather gnadenlos ausgebuht.

Die Kämpfer überbieten sich mit Beleidigungen

Beide fanden fast ausschließlich nicht zitierfähige Bezeichnungen füreinander, schleuderten sich in bemerkenswerter Frequenz die bekannten "Four-Letter-Words" um die Ohren, die bei Springer im Normalfall mit einem Pieps zensiert werden, und leisteten sich homophobe und rassistische Aussetzer. Wobei sich der Ire missverstanden fühlte: Sein "Dance for me, boy" in Richtung Mayweather habe nichts mit Rassismus zu tun. Schließlich sei er selber zur Hälfte schwarz, nämlich "vom Bauchnabel abwärts", sagte McGregor.

Unterhalb der Gürtellinie fühlt sich der UFC-Champion inhaltlich scheinbar am wohlsten. Hoffentlich erklärt ihm jemand, dass derartige Tiefschläge im Ring verboten sind, sonst endet der Kampf schnell in einer Disqualifikation. Neben seinem Gegner beleidigte McGregor auch Stephen Espinoza, seines Zeichens Vizepräsident und Programmverantwortlicher des übertragenden TV-Senders Showtime Sports.

Espinoza nahm es lächelnd hin, vor einem Millionenpublikum im Facebook-Livestream wiederholt als "Bitch" und "Weasel" bezeichnet zu werden. Der zu erwartende dreistellige Millionenumsatz durch Pay-per-View-Verkäufe scheint allen Beteiligten wichtiger zu sein als ihre Würde.

Einzelne kreative Ausreißer nach oben

So überdeckten die vielen unnötigen Obszönitäten die wenigen originellen Momente, die es während der Vier-Tage-Tour tatsächlich auch vereinzelt gab. McGregor bewies zum Beispiel seine Schlagfertigkeit, als Mayweather sagte, er sei zwar 40, fühle sich aber wie 20. Der Ire entgegnete: "Und du benimmst dich, als wärst du zehn." Das stimmte zwar, galt aber natürlich für beide.

Auch Mayweather, der als mit Abstand bester Konterboxer der Welt gilt, hatte ein paar Momente, in denen er auf Angriffe seines Gegners gut reagierte. Als McGregor ihm vorwarf, er würde im Ring ständig nur weglaufen, sagte der 40-Jährige: "Ich laufe nur zur Bank." Überhaupt ging es meist um das Hauptthema des Kampfes: Geld.

Als Mayweather sich in typischer McGregor-Pose eine irische Flagge um die Schultern legte, konterte der UFC-Champion, indem er sich den Rucksack seines Gegners schnappte. Seit Jahren hält sich das Gerücht, "Money" Mayweather reise stets mit einer Millionen Dollar in bar. McGregor zog jedoch ein erschreckend kleines Geldbündel aus der Tasche und rief: "Das sind ja nur fünftausend. Ist das alles?"

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Boxen: Der Milliardenkampf

Bei anderer Gelegenheit spottete Mayweather darüber, dass McGregor bei seinem letzten Kampf "nur" drei Millionen Dollar verdient habe. Dafür würde er selber nicht mal eine Trainingseinheit absolvieren, sagte der US-Amerikaner und bewarf seinen Gegner mit Geldscheinen. McGregor sammelte eine Note auf und sagte: "Willst du mich verarschen? Das sind ja alles Einer. Wo ist das richtige Geld?"

Über weite Strecken wirkten die sogenannten Pressekonferenzen wie schlecht inszenierte Roasts, eine US-amerikanische Kunstform, bei der sich Komiker gegenseitig ihren Respekt erweisen, indem sie sich auf möglichst kreative Weise beleidigen. Leider gingen Mayweather und McGregor scheinbar jedoch schon nach zwei Tagen die Ideen aus.

Dass sich der Ire unter anderem über Mayweathers anstehende Steuernachzahlung in Höhe von über 20 Millionen Dollar lustig machte, war zu Beginn noch amüsant, wirkte danach aber ebenso ausgelutscht wie Mayweathers ständiges Herumreiten darauf, dass McGregor bereits drei UFC-Kämpfe durch Aufgabe verloren hat. "Echte Männer geben nicht auf." Aha.

Insgesamt hinterlassen die vier Promotion-Termine beim neutralen Beobachter eine Mischung aus Fremdscham und der Befürchtung, dass der eigentliche Kampf deutlich langweiliger und vor allem einseitiger werden könnte als der auf niedrigstem Niveau geführte verbale Schlagabtausch. McGregor mag vielleicht überdurchschnittlich gut darin sein, seine Gegner auf unflätige Weise zu beleidigen. Im Ring wird ihm Mayweather allerdings keine Chancen lassen.



insgesamt 16 Beiträge
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midastouch 17.07.2017
1. Gutes Marketing
Die Vermarkung des Kampfes ist wirklich fantastisch. Je mehr das aber klar wird, desto mehr wird auch klar, wie gering der sportliche Wert des Kampfes sein wird. Anfangs hatte ich noch gedacht, McGregor könnte Mayweather vielleicht durch unkonventionelles Agieren überraschen und den ein oder anderen Treffer landen. Mittlerweile bin ich aber der Meinung, dass ihm (McGregor) von Anfang an klar war, dass er keine Chance hat und sich quasi für richtig viel Geld verprügeln lassen wird. Dementsprechend werde ich mir die PayPerView-Gebühren nun doch sparen.
mapcollect 17.07.2017
2. Rummelboxen
Aber eine gute Show gehört zu diesem Sport natürlich dazu. Die Chancen von von McGregor sind sicherlich minimal - aber mit einem Lucky Punch könnte er die gesammte Boxwelt blamieren. Könnte mir auch vorstellen dass McGregor bei schlechtem Kampfverlauf ein Knie, Kick oder Ellenbogen bringt. Dann gibt es eine Ringprügelei und einen Rückkampf der noch teurer wird.
DougStamper 17.07.2017
3. Der Kampf wird langweilig
da bereits entschieden. Wäre es ein mma fight, und damit auf connors Terrain, würde mayweather gnadenlos eingehen. Im reinen Boxen aber ...
jueho47 17.07.2017
4. Hmm?
Es ist aber schon klar, dass es so läuft wie die Showeinlagen im Wrestling? Hier ist NICHTS echt. Alles gespielt
Tobias Wachtel 17.07.2017
5. War schon klar...
...dass sich in Deutschland ein dreißigjähriger Journalist hinsetzt und wie ein Rohrspatz loslegt wegen ach so vielen Schimpfwörtern. Es hat sicherlich schon bessere Kämpfe und sympathischere Charaktere im Kampfsport gegeben, wieso kann sich aber nicht ein einziges mal ein großes BRD-Medium mit dem Sport befassen, ohne den Mundwinkel-aus-Prinzip-nach-unten-Deutschen zu geben? Die homophoben und rassistischen Anklänge werden auch in Amerika mit Kritik aufgenommen, die sonstigen "Beschimpfungen" jedoch werden als das aufgesfasst, was es ist: Show. Aber das geht dem SPIEGEL natürlich zu weit.
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