Flush Hour: Poker is a little bit lucky

Die Pokerwelt ist erschüttert. Aber warum? Weil das Onlinemysterium Isildur1 enttarnt wurde? Laangweilig! Weil Phil Hellmuth sich von seinem Sponsor getrennt hat? Gähn! Nein: Lothar Matthäus soll zum Poker wechseln! Zu Risiken und Nebenwirkungen antwortet Lasse König.

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Lothar Matthäus: Pokerface oder PR-Farce?

Später, wenn er alt ist und grau und auch so eine randlose Brille trägt wie Franz Beckenbauer heute, dann wird Lothar Matthäus vielleicht über all die anderen lachen und nicht mehr andersrum.

Die heute scheinbar nicht enden wollenden Leidensjahre des Trainers Matthäus könnten dann in der Rücksicht wirken wie eine Blinddarmentzündung. Eine Zeit, die schmerzte, aber nach der das Leben viel leichter wurde. Eine Episode - zwischen der glänzenden Karriere als Kicker und der glänzenden Karriere als Pokerprofi.

Als was???

Pokerprofi ist Lothar Matthäus noch nicht, aber zumindest steht der Einstieg des gelernten Raumausstatters in die Welt der Karten angeblich unmittelbar bevor. Repräsentant des Online-Anbieters Poker770 soll er werden, heißt es auf der für gewöhnlich sehr gut informierten Seite hochgepokert. "Ja, Lothar Matthäus wird unser Gesicht am Deutschen Markt", wird ein anonymer Mitarbeiter zitiert. Das Management von Matthäus wollte sich nicht äußern.

Poker770 ist keine Nobelherberge im Pokergeschäft

Matthäus würde sich einreihen in eine illustre Schar von ehemaligen Sportgrößen, die ihr Gesicht und einen Teil ihrer Zeit für einen Pokerraum hergeben. Boris Becker (Pokerstars) tut es, Sergej Barbarez (Everest) auch. Ohnehin ist Poker ja bei Fußballern sehr beliebt, Paulo Rink (für die Älteren: Rink war der brasilianische Sean Dundee; Dundee wiederum war der südafrikanische Heiko Gerber; Gerber war DFB-Nationalspieler, aber eben nur sehr kurz) zeigte gerade auf den Bahamas Beachtliches. Aber was würde Matthäus' Wechsel ins Pokerbusiness fürs Poker bedeuten? Und was für ihn selbst? Was erwartet den Mann, der gern in der dritten Person von sich sprach? Warum tut er sich das an?

Das Los des Trainers Matthäus war ja immer, dass er viele Jobs bekam, aber leider nicht die, die er wollte. Er war in Ungarn statt beim DFB und in Salzburg oder Serbien statt in München. Aktuell sitzt er in Bulgarien. Er war immer nahe dran an einem dieser paar 5-Sterne-Arbeitsplätze und stieg dann doch in der Jugendherberge ab. In diesem Sinne ginge es auch für Poker-Lothar so weiter, denn Poker770 ist keine Nobelherberge im Pokergeschäft. Natürlich, es gibt schlechtere. Aber bei den Besten war leider mal wieder nichts frei.

Warum tut ER sich das an?

Rechnen würde sich eine Investition des Pokerraums trotzdem. Niemand polarisiert im Sport so wie Matthäus - die einen lieben ihn und fragen sich, warum eigentlich dieser José Mourinho Real Madrid trainiert und nicht der "Loddar". Die anderen belächeln ihn und fragen, warum Matthäus Bulgarien trainiert und nicht seine Frau. Die Bekanntheit des ehemaligen DFB-Kapitäns ist ungebrochen. Noch heute soll es brasilianische Eltern geben, die ihre Kinder Mattaus nennen.

Aber warum tut ER sich das an? Es muss eine einfache Erklärung geben: Der Mann pokert gern, er ist fasziniert von dem Spiel. Und eine Facettenerweiterung der eigenen Persönlichkeit hat noch niemandem geschadet, schon gar nicht aus Marketingsicht. Er war ja Weltmeister, Weltfußballer, Rekordnationalspieler - und noch sind diese Leistungen das Erste, was man mit Lothar Matthäus verbindet. In zehn Jahren wäre es möglicherweise die Tatsache, dass er nie bei Bayern München gearbeitet hat. Oder die sechste Ehe. Erstes wünscht sich Uli Hoeneß, das zweite sicher niemand.

Irgendwie kann man Lothar Matthäus (auch wegen der WM 1990, danke!) ohnehin nichts Schlechtes wünschen. Hoffen wir deshalb, dass er - so er zusagt - den Einstieg ins Pokern ernst nimmt. Hier zum Abschluss schnell noch ein paar Tipps:

  • Es reicht "All-in" zu sagen statt "ein Lothar Matthäus ist All-in";
  • Zurückhaltung lernen und nicht so schnell in die Karten verlieben wie in die Frauen;
  • Üben, üben, üben, um vom Glück unabhängiger zu werden. Respekt am Pokertisch ist wichtig, ein Satz wie "I hope i have a little bit lucky" wirkt kontraproduktiv;
  • Man darf mit zwei Damen spielen und muss nicht gleich "Bild" und "Bunte" anrufen;
  • Zwei Damen sind ohnehin besser als eine.

Sollte es wirklich bald das Lothar Matthäus' Pokerface geben und das Ganze keine PR-Farce werden, wird das in der Szene sicher nicht den Jubel auslösen wie sein Tor gegen Jugoslawien 1990. Für die Pokerspieler ist Lothar nur ein weiterer ehemaliger Topverdiener als Werbegesicht. Eine Ungerechtigkeit mit dicken Waden und fränkischem Dialekt. Aber er soll ja Menschen neu zum Poker bringen - und das könnte ihm durchaus gelingen. Und sei es nur, weil sie ihn immer noch lieben.

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insgesamt 5 Beiträge
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    Seite 1    
1. nicht schon wieder...
Matyaz 21.01.2011
manche Leute kann man wirklich nicht mehr sehen,und darin ist Lothar Matthäus nach Boris Becker wirklich Spitze.Die Zeiten , in denen sie mal gute Sportler waren liegen mittlerweile 30 Jahre zurück, 30 Jahre in denen sie wirklich eindrucksvoll bewiesen haben, dass das auch wirklich ihre einzige bemerkenswerte Befähigung war, sieht man mal von der ebenso penetranten wie peinlichen Mittelpunktsstrebigkeit ab. Die Frage müsste also lauten: warum tut er uns das an?
2. Matyaz
syracusa 21.01.2011
Zitat von Matyazmanche Leute kann man wirklich nicht mehr sehen,und darin ist Lothar Matthäus nach Boris Becker wirklich Spitze.Die Zeiten , in denen sie mal gute Sportler waren liegen mittlerweile 30 Jahre zurück, 30 Jahre in denen sie wirklich eindrucksvoll bewiesen haben, dass das auch wirklich ihre einzige bemerkenswerte Befähigung war, sieht man mal von der ebenso penetranten wie peinlichen Mittelpunktsstrebigkeit ab. Die Frage müsste also lauten: warum tut er uns das an?
Warum schon? Sie würden es für das Salär vermutlich auch tun.
3. fische
aristophanis 21.01.2011
Zitat von sysopDie Pokerwelt ist erschüttert. Aber warum? Weil das Onlinemysterium Isildur1 enttarnt wurde? Laangweilig! Weil Phil Hellmuth sich von seinem Sponsor getrennt hat? Gähn! Nein: Lothar Matthäus soll zum Poker wechseln! Zu Risiken und Nebenwirkungen antwortet Lasse König. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,740656,00.html
bei jeder pokerrunde sind "fische" willkommen.
4. .,-
teenriot 21.01.2011
Gibt es eigentlich Anbieter die ihr Geld nicht für Sponsoring an Leute verschwenden die es ich nicht nötig haben und stattdessen auf niedrigere Gebühren setzen? Wenn man als Anbieter damit werben kann das man nur halb zu viel Gebühren nimmt wie die Anderen, dann müsste das doch eine größere Werbewirkung haben, vor allem bei den Vielspielern. Ich habe manchmal den Eindruck das die Anbieter sich absprechen. Von einem Anbieter der sich deutlich von den anderen abgrenzt habe ich jedenfalls noch nicht gehört.
5. t
loncaros 21.01.2011
Zitat von Matyazmanche Leute kann man wirklich nicht mehr sehen,und darin ist Lothar Matthäus nach Boris Becker wirklich Spitze.Die Zeiten , in denen sie mal gute Sportler waren liegen mittlerweile 30 Jahre zurück, 30 Jahre in denen sie wirklich eindrucksvoll bewiesen haben, dass das auch wirklich ihre einzige bemerkenswerte Befähigung war, sieht man mal von der ebenso penetranten wie peinlichen Mittelpunktsstrebigkeit ab. Die Frage müsste also lauten: warum tut er uns das an?
30 Jahre? man man man, Matthäus spielte bis 2000 Bundesliga und Bumm-Bumm-Becker gewann seine letzten großen Titel 1996. Übertreibung ist kein pauschalstilmittel dass man einfach so rausrotzen kann
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Flush-Hour-Fans

Post für Lasse
Sie haben keine Ahnung vom Poker oder mehr als genug? Sie haben mal Phil Hellmuth abgezockt oder im Verbalduell mit Mike Matusow triumphiert? Sie haben todsichere Hände verloren oder einfach eine Frage an Lasse König? Dann schreiben Sie ihm doch einfach.