Hymnenprotest gegen Rassismus Trump will kniende NFL-Spieler bestrafen lassen

US-Präsident Trump hat sich erneut in die Debatte über Hymnenproteste in der US-Profiliga NFL eingemischt. Er verlangte ein hartes Durchgreifen der Verantwortlichen - und präsentierte einen Sanktionskatalog.


Wenn im Stadion die US-Nationalhymne erklingt, knien sich immer wieder Footballprofis hin. Sie wollen damit ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit und gegen Rassismus in ihrem Land setzen, doch damit soll jetzt Schluss sein. Das hat US-Präsident Donald Trump nun abermals gefordert - und sich für drastische Strafen ausgesprochen.

Gegen Proteste beim Abspielen der Nationalhymne müsse hart durchgegriffen werden, verlangte Trump auf Twitter und rief Ligaboss Roger Goodell zu konkreten Maßnahmen auf: "Der 40-Millionen-Dollar-Commissioner muss Stellung beziehen", schrieb der US-Präsident mit Blick auf Goodells Jahresgehalt. "Beim ersten Mal knien - ein Spiel Sperre. Beim zweiten Mal knien - Sperre für die gesamte Saison, ohne Gehalt!"

Eigentlich hatte die NFL bereits entschieden, dass der Kniefall und andere Protesthandlungen beim Abspielen der US-Hymne künftig verboten sind - und die Profis ihren Protest stattdessen nur noch durch einen Aufenthalt in der Kabine kundtun dürfen. Diese Regel wurde jedoch im Lauf der Woche außer Kraft gesetzt - NFL und Spielergewerkschaft wollen offenbar eine Eskalation in dem Streit vermeiden. In einer gemeinsamen Mitteilung gaben sie bekannt, dass sie am richtigen Umgang mit der Hymnendebatte arbeiteten.

Klub-Miteigentümer über Trump: "Er hat keine Ahnung"

Vor diesem Hintergrund gibt man sich bei der Spielergewerkschaft zu Trumps Aufruf nach außen hin auch betont gelassen. Deren Präsident Eric Winston sagte nach den Äußerungen des Präsidenten bloß lapidar: "Vielen Dank für Ihre Gedanken, aber wir übernehmen ab hier." Hinter den Kulissen könnte sich der Streit damit aber nochmals deutlich verschärfen.

In den vergangenen Tagen hatte bereits ein internes Teamdokument der Miami Dolphins für Aufregung gesorgt. Es sah Sperren für protestierende Sportler von bis zu vier Spielen sowie Geldbußen vor. Nach Bekanntwerden dieses Inhalts sah sich der NFL-Klub zu einer Stellungnahme gezwungen, Eigentümer Stephen Ross sagte, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. NFL-Profi Jurell Casey von den Tennessee Titans wiederum kündigte bereits an, weiterprotestieren zu wollen. Der 28-Jährige sagte dem Sender CNN: "Dann zahle ich eben die Geldstrafe."

San-Franciscos-49ers-Quarterback Colin Kaepernick hatte vor zwei Jahren als erster NFL-Profi während des Abspielens der US-Nationalhymne gekniet. Er wollte damit ein Zeichen setzen gegen Ungleichheit, Rassismus, Polizeigewalt gegen Schwarze - und trat eine regelrechte Welle los. Viele Sportler auch außerhalb des American Football schlossen sich an, auf dem Höhepunkt der Proteste waren es allein etwa 200 Footballprofis.

Der Spielerprotest führte zu unterschiedlichen Reaktionen bei Liga, Klubs und Zuschauern. US-Präsident Trump hatte die Spieler über Twitter und in Ansprachen bereits mehrfach beschimpft, unter anderem als "Hurensöhne" - und von den Chefs der Klubs die Entlassung der Spieler gefordert. Steve Tisch, Miteigentümer der New York Giants, will seine Spieler dagegen nicht bestrafen, sollten sie gegen soziale Ungerechtigkeit und Rassismus protestieren.

"Er hat keine Ahnung, warum sie auf die Knie gehen oder warum sie überhaupt protestieren", sagte Tisch in einem Interview mit "Hollywood Reporter" Richtung Trump. "Wenn die Saison startet, hoffe ich, dass er andere Dinge zu tun hat als die NFL zu kritisieren."

apr/dpa/sid



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.