US-Sportler Kyler Murray Das Doppeltalent

Football oder Baseball? Kyler Murray hat in beiden Sportarten das Zeug zum Profi. Der amerikanische Nachwuchssportler wird von vielen umworben - aber will sich einfach nicht entscheiden.

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Von Eike Hagen Hoppmann


Wenn am Samstagabend in New York die Heisman-Trophy vergeben wird, steht Kyler Murray von den Oklahoma Sooners im Mittelpunkt. Murray, 21, ist einer der drei Finalisten für die Auszeichnung. Es könnte der Beginn einer ganz großen Football-Karriere werden. Vielleicht will Murray das aber gar nicht, denn er hat noch andere Karrieremöglichkeiten.

Mit der Heisman-Trophy wird in den USA jährlich der beste College-Football-Spieler der Saison gekürt. Auch Cam Newton, Marcus Mariota und Baker Mayfield haben die Trophäe einst gewonnen, alle drei spielen längst in der NFL und sind dort zu Stars geworden.

Die Trophäe ist so etwas wie eine Eintrittskarte in die NFL: Wer sie gewinnt, zeigt, dass er das Zeug zum Star hat. Das gilt auch für Murray. "Ich denke, dass ich in der NFL spielen könnte", sagte er kürzlich. Und mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da. Experten des Sportsenders ESPN gehen davon aus, dass Murray beim NFL-Draft in der ersten Runde ausgewählt wird. Ob er bei der Heisman-Wahl an Platz eins, zwei oder drei landet, dürfte da keinen großen Unterschied machen.

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Sportler mit mehreren Disziplinen: Einmal ist keinmal

Kein College-Quarterback schnitt besser ab

In Oklahoma hat Murray eine sensationelle Entwicklung hingelegt. In der vergangenen Saison war er noch Ersatz hinter Baker Mayfield, doch als der nach einem Seniorjahr in die NFL ging, war der Weg frei für Murray. Er warf in den 13 Saisonspielen 40 Touchdown-Pässe (bei sieben Interceptions) und lief selbst zu elf Touchdowns. Seitdem ESPN im Jahr 2004 erstmals die Daten aller College-Quarterbacks erhoben hat, kam noch kein anderer Spieler an Murrays Quarterback-Rating von 96.0 heran.

Millionen Jugendliche träumen von der NFL, doch für die allermeisten wird dieser Traum immer nur ein Traum bleiben. Kyler Murray hat das Talent, um in der NFL zu spielen, nur ist sie nicht sein einziger Traum.

Denn Murray ist auch dann eines der größten Talente des Landes, wenn man ihm den Football wegnimmt und stattdessen einen Baseballschläger in die Hand drückt. Beim diesjährigen Draft der Profiliga MLB wurde er an neunter Stelle von den Oakland Athletics ausgewählt. Einen Vertrag ab Sommer 2019 hat er schon unterschrieben, er wird dann vier Millionen Euro pro Jahr verdienen.

Wie einst Bo Jackson?

Es kommt im Sport gelegentlich vor, dass Jugendliche in mehreren Sportarten talentiert sind, vor allem in den USA. Ein Grund dafür ist auch das Sportsystem, das sich nicht über Vereine wie in Deutschland organisiert, sondern über die Schulen und deren Teams. Football zum Beispiel wird im Herbst gespielt, während Baseball häufig im Frühjahr angeboten wird. Kinder und Jugendliche können mehrere Sportarten betreiben, ohne sich frühzeitig festlegen zu müssen.

Dass Murray in beiden Sportarten das Zeug zum Profi hat, mag damit zusammenhängen, dass ihm das Talent vererbt wurde. Der Vater war College-Quarterback für die traditionsreichen Texas A&M Aggies, der Onkel Baseballprofi.

Es liegt aber vor allem an einem seltenen Mix von körperlichen Fähigkeiten: Murray ist athletisch, deshalb kann er beim Football den Verteidigern entwischen. Beim Baseball hilft ihm die Athletik dabei, in seiner Position als Outfielder schwierige Bälle zu fangen. Und Murray ist schnell. Das macht ihn beim Football zu einem sogenannten "Dual-Threat"-Quarterback, der sowohl werfen als auch selbst laufen kann. Beim Baseball hilft ihm die Schnelligkeit beim Laufen zwischen den Bases sowie im Infield. Murray hat auch die Armstärke, die er beim Baseball am Schlag und beim Football zum Werfen benötigt.

Man muss in der Geschichte des US-Sports ein Vierteljahrhundert zurückgehen, um ein ähnliches Multitalent in beiden Sportarten wie Murray zu finden. Bo Jackson gewann 1985 als Runningback die Heisman-Trophy und spielte anschließend mehrere Jahre in der NFL und MLB. In beiden Ligen gehörte er zu den Besten - genau wie Deion Sanders, der nicht nur als einziger Spieler an einem Tag ein NFL- und ein MLB-Spiel bestritt, sondern auch den Super Bowl der NFL und die World Series der MLB erreichte - ebenfalls als Einziger.

Eine solche Doppelkarriere scheint heute nicht mehr möglich, der Sport hat sich inzwischen enorm weiterentwickelt. Murray wird sich wahrscheinlich für einen Weg entscheiden müssen - auch wenn es ihm offensichtlich schwerfällt. "Ich liebe beide Sportarten", sagte Murray kürzlich in einem ESPN-Interview. Und: "Momentan ist meine Zukunft schon ziemlich durchgeplant, aber wir werden sehen, was passiert."

Sein Berater bestätigte der "San Francisco Chronicle", dass Murray seine Vereinbarung mit den Athletics erfüllen wolle und an der Saisonvorbereitung im Frühjahr teilnehmen werde.

Zumindest die nähere Zukunft von Kyler Murray ist also geklärt. Die NFL muss warten, Murray wird sich erst einmal als Profibaseballer versuchen. Den Preis am Samstag wird er sicher trotzdem gern gewinnen.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
p-h-a-t-e 08.12.2018
1. schlecht recherchiert
liebe Sportredaktion, nach Bo Jackson gab es noch einen Deion Sanders. “Neon Deion“ schaffte das Kunststück an einem Wochenende einen Touchdown in der NFL und einen Homerun in der MLB zu erzielen.
surfgerards 08.12.2018
2. Scott Draper Vergessen ?
und im gegnsatz zu vielen die es in 2 sportarten versuct haben hat er in golf und tennis zumindest ein por event gewonnen . https://en.wikipedia.org/wiki/Scott_Draper
Horst Scharrn 08.12.2018
3.
Ausserdem gabs ja auch noch diesen einen Typen der vier Touchdowns in einem Spiel geschafft hat. Wenn Kyler Murray clever ist, holt er sich erst paar Millionen Dollar beim Football / Baseball als Polster, wird dann Profiwrestler, anschliessend Filmstar und danach dann Präsident der USA.
bigmitt 09.12.2018
4. Murray ist.....
...gut beraten sein Glück in der MLB zu suchen. Er ist bei aller Athletik für die NFL als QB zu klein gewachsen.Russel Wilson oder Drew Brees sind trotz ihrer nicht NFL prototypischen Statur ( beide immerhin 6 Fuss gross) Ausnahmen. Zudem kann man in der MLB immernoch deutlich mehr verdienen als in der NFL und muss nicht Gefahr laufen durch mehrere Gehirnerschütterungen bleibende Schäden zu erleiden.
Jetzt_mal_ernsthaft 09.12.2018
5. Marcus Mariota
..ist kein Star. Er ist höchstens mittelmaessig und meist verletzt. p-h-a-t-e - genau, an den hatte ich auch sofort gedacht !
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