Football-Team: Der Todesfluch der San Diego Chargers

Von , Boston

Suizid, Flugzeugabsturz, Blitzeinschlag: Auf einer legendären US-Football-Mannschaft liegt offenbar ein Todesfluch. Bereits acht Spieler des San-Diego-Teams von 1994 sind seit dem größten Erfolg verstorben - zuletzt Junior Seau. Die Überlebenden sind fassungslos und fragen sich, wen es als Nächsten trifft.

San Diego Chargers: Die tragischen Schicksale der Football-Profis Fotos
Getty Images

San Diego weint - mal wieder. Der Fluch, so sagen viele, hat erneut zugeschlagen. Diesmal ist Junior Seau das Opfer. Der in San Diego geborene ehemalige Football-Profi wurde am Mittwoch tot in seinem Haus aufgefunden - mit einem Einschussloch in der Brust. Die Polizei geht von Suizid aus.

Seau ist bereits der achte Tote jener legendären Mannschaft der San Diego Chargers, die in der Saison 1994 als erste und bislang einzige des Vereins den Super Bowl erreicht hat und erst am 29. Januar 1995 im Endspiel von den San Francisco 49ers gestoppt wurde (26:49). 53 Profis umfasste der Kader - 15 Prozent sind tot. Keiner von ihnen wurde 45 Jahre alt.

Die Todesursachen sind unterschiedlich - und teilweise höchst ungewöhnlich: Der Linebacker Doug Miller starb am 21. Juli 1998 beim Campen in Colorado durch Blitzschlag. Nach Angaben des Nationalen Institutes für Blitzschutz (NLSI) liegt die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden, bei 1:310.000. Den 28-jährigen Miller hatte es jedoch innerhalb von wenigen Minuten gleich zweimal erwischt. "Es sollte wohl einfach so sein", sagt Courtney Hall. Der Center hatte bereits vor Jahren von einem Fluch gesprochen, der auf dem 1994er Team liege. Er hoffe, so Hall, dass er nicht der Nächste sei.

Ein Autounfall fordert das Leben des ersten Chargers-Profis

Als Ersten hatte es David Griggs erwischt. Am 19. Juni 1995 starb der Linebacker bei einem Autounfall in Fort Lauderdale. Griggs kam mit seinem Wagen bei überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn ab und prallte gegen das Stahlrohr eines riesigen Autobahnschilds. Er erlag wenig später seinen schweren Kopfverletzungen. Der 28-Jährige starb nur rund zehn Minuten entfernt vom Stadion in Miami, in dem er knapp fünf Monate zuvor noch im Super Bowl gespielt hatte. Seine Teamkollegen trugen fortan Griggs' Nummer 92 auf der Rückseite ihrer Helme.

Nicht einmal ein Jahr später wurde sie ersetzt durch die Nummer 22 von Rodney Culver.

Der Runningback war mit seiner Ehefrau Karen auf einer Kreuzfahrt unterwegs. Da beide ihre daheim gelassenen ein- und zweijährigen Kinder vermissten, entschieden sie sich, den Urlaub vorzeitig abzubrechen. Am 11. Mai 1996 bestiegen Rodney und Karen Culver in Miami ihre Maschine, die sie nach Atlanta bringen sollte. Bereits wenige Minuten nach dem Start brach aufgrund eines elektrischen Problems ein Feuer im Frachtraum aus, das bald die Passagierkabine erreichte. Die Maschine stürtzte kurze Zeit später mit einer Geschwindigkeit von mehr als 800 Stundenkilometern in die Everglades - keiner der 110 Insassen überlebte.

Überdosis und Übergewicht

Es folgte Doug Millers Tod durch Blitzschlag - und somit waren nur knapp dreieinhalb Jahre nach dem Super Bowl bereits drei Helden auf unterschiedlichste Weise verstorben.

Als Nächster war Curtis Whitley dran. Der Center, dessen Hang zum Alkohol schon zu Profizeiten bekannt war, lag am 11. Mai 2008 tot in seinem Wohnwagen in Fort Stockton im US-Bundesstaat Texas. Tags zuvor war er gerade 39 Jahre alt geworden. Die Obduktion ergab als Todesursache eine Überdosis Drogen.

Nur drei Monate später schied Chris Mims aufgrund einer Herzerweiterung aus dem Leben. Der Defensive End hatte sich bereits vor seinem Tod auffällig zurückgezogen, galt als depressiv. Er wollte niemanden seiner einstigen Weggefährten mehr sehen. Ihm war es offenbar peinlich, wie sehr er zugenommen hatte. Mims wog zuletzt 207 Kilo - 73 mehr als bei seinem Karriere-Ende acht Jahre zuvor. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass fünf Spieler einer Mannschaft sterben, es sei denn durch einen Flugzeugabsturz oder ähnliches", sagte Tight End Deems May nach Mims Tod. "Ich wette, Sie finden keine kleine Firma mit 53 Angestellten, von denen fünf gestorben sind."

"Du hoffst, dass du keine Nachrichten über tote Kameraden bekommst"

Marjorie Rosenberg, Professorin für Versicherungswesen und Biostatistik an der Universität von Wisconsin, bestätigte diese Vermutung. Sie bezeichnete die Wahrscheinlichkeit derartiger Vorfälle gegenüber der "Washington Post" damals "geringer als ein Prozent".

Als Defensive Tackle Shawn Lee dann am 26. Februar 2011 einem Herzinfarkt erlag, brach sein ehemaliger Mannschaftskamerad Natrone Means in Tränen aus. "Nicht schon wieder einer. Das ergibt doch alles keinen Sinn. Du hoffst einfach, dass du endlich keine Nachrichten mehr wie aus dem Nichts über den Tod eines Mitspielers bekommst", sagte der ehemalige Runningback.

Doch der Fluch ging weiter. Lewis Bush starb am 11. Dezember 2011 - ebenfalls an einem Herzinfarkt. Und nun Junior Seau. Der Linebacker schrammte bereits 2010 knapp am Tod vorbei, als er mit seinem Auto eine Klippe hinunterfuhr. Damals erklärte er, dass es ein Unfall gewesen sei.

Wenn Seau in den nächsten Tagen beigesetzt wird, werden viele der verbliebenen Chargers des Teams von 1994 wieder zusammenkommen - es ist mittlerweile fast schon eine makabere Tradition.

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insgesamt 31 Beiträge
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1. nee
dadanchali 04.05.2012
Zitat von sysopGetty ImagesSuizid, Flugzeugabsturz, Blitzeinschlag: Auf einer legendären US-Football-Mannschaft liegt offenbar ein Todesfluch. Bereits acht Spieler des San-Diego-Teams von 1994 sind seit dem größten Erfolg verstorben - zuletzt Junior Seau. Die Überlebenden sind fassungslos und fragen sich, wen es als Nächstes trifft. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,831271,00.html
Sie machen allen Ernstes eine Gerschichte auf die auf statistisch zusammengewursteten Zufälligkeiten basiert? Gibt es nicht auch eine Häufung von Hypertonie bei Besitzern chinesischer Nackthunde? Mal recherchieren.
2. hmmm...
unifersahlscheni 04.05.2012
... klingt mir irgendwie nach "Final Destination" Teil X. Ist nicht witzig gemeint.
3.
smartie2004 04.05.2012
Fünf Mal Candyman ausgesprochen, das kann gefährlich sein wie man sieht.
4. Nicht mein Geschmack
herrkollege 04.05.2012
"Auf einer legendären US-Football-Mannschaft liegt offenbar ein Todesfluch", schreibt Spiegel Online anlässlich der mutmaßlichen Selbsttötung eines Athleten. Wirklich? Habe ich hier jetzt versehentlich die Zeitung mit den vier Großbuchstaben aufgeschlagen? Die begriffe "Todesfluch" und "offenbar" deuten nämlich darauf hin. Das gilt auch für weitere Teile des darauf folgenden Textes. Sehr ärgerlich finde ich das. Dies gilt zudem auch, weil - so weit ich das sehen kann - die Mannschaft schlicht nicht legendär ist. Sie hat den Super Bowl erreicht und deutlich verloren. Ich kenne keine Details, die auf einen Legendenstatus deuten. Zudem bin ich mir sehr sicher, dass es einen anderen - sprich: besseren - Weg gibt, über eine mutmaßliche Selbsttötung zu berichten. Man könnte beispielsweise genauer auf den Werdegang von Junior Seau eingehen, der als einer der wenigen Profisportler in den USA in seiner Heimatstadt aktiv und daher tief in der Gesellschaft vor Ort verwurzelt war. Sicher ist deshalb auch, dass in San Diego viel über den Tod des beliebten Sportlers diskutiert und Anteil genommen wird. Ob die Stadt nun aber wirklich weint? Das wage ich nicht nur zu bezweifeln, sondern möchte auch von der weiteren Nutzung eines solchen verbrauchten Sprachbilds abraten.
5. klick
gankuhr 04.05.2012
Viele der hier aufgelisteten Tode sind selbstverschuldet (Autounfall, Überdosis, Selbstmord), viele nicht unwahrscheinlich (Mensch mit über 200 KG erleidet einen Herzinfarkt). Einzig der Blitzeinschlag, der Flugzeugabsturz und der Herzinfarkt des Runningbacks sind in meinen Augen unnatürlich, und das sind 3 von 55. Ist wahrscheinlich immer noch eine sehr hohe Quote, aber nicht mehr so extrem, dass es außergewöhnlich ist. Und schon gar kein Fluch. Trotzdem mein Beileid an Seau.
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Super-Bowl-Sieger seit 2000
Jahr Gewinner Verlierer MVP
2014 Seattle Seahawks Denver Broncos Malcolm Smith
2013 Baltimore Ravens San Francisco 49ers Joe Flacco
2012 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2011 Green Bay Packers Pittsburgh Steelers Aaron Rodgers
2010 New Orleans Saints Indianapolis Colts Drew Brees
2009 Pittsburgh Steelers Arizona Cardinals Santonio Holmes
2008 New York Giants New England Patriots Eli Manning
2007 Indianapolis Colts Chicago Bears Peyton Manning
2006 Pittsburgh Steelers Seattle Seahawks Hines Ward
2005 New England Patriots Philadelphia Eagles Deion Branch
2004 New England Patriots Carolina Panthers Tom Brady
2003 Tampa Bay Buccaneers Oakland Raiders Dexter Jackson
2002 New England Patriots Saint Louis Rams Tom Brady
2001 Baltimore Ravens New York Giants Ray Lewis
2000 Saint Louis Rams Tennessee Titans Kurt Warner