Formel E Vorsicht vor der Fernseh-Falle

Große Spannung, viele Fans: Die erste Formel-E-Saison war ein Erfolg. Sie könnte bald erfolgreicher sein als die Formel 1 - zwei Fehler muss sie dafür unbedingt vermeiden.

Formel-E-Rennen im Londoner Battersea Park: "Unglaublich viel erreicht"
AFP

Formel-E-Rennen im Londoner Battersea Park: "Unglaublich viel erreicht"

Von Karin Sturm


Die Entscheidung fiel erst im letzten Rennen, und der Weltmeister heißt Nelson Piquet. Genau so dürften sich das die Macher der neuen Formel E zu Beginn der Saison erhofft haben. Spannung und große Namen, damit wollte die Rennserie punkten - und das ist ihr auch gelungen.

Die Zuschauer in London, wo am vergangenen Wochenende die beiden letzten Rennen stattfanden, waren begeistert von dem Spektakel, das ihnen geboten wurde. An beiden Tagen kamen mehr als 30.000 Menschen, beim Rennen auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof Ende Mai waren es fast genauso viele. Auffällig dabei war stets, dass unter den Besuchern viele Familien mit Kindern und Jugendlichen waren - nicht unbedingt das klassische Rennsportpublikum. Aber die vergleichsweise moderaten Eintrittspreise - meist zwischen 30 und 60 Euro - sorgen für einen Zuspruch, den sich die Formel 1 nur wünschen kann.

Rennen im Zentrum der Städte erweisen sich als Volltreffer, weshalb weitere Metropolen Interesse an einem E-Prix haben. In der Saison 2015/2016 dürften wohl Paris und Mexiko-Stadt dazukommen, später soll Tokio dazustoßen. Und in der Schweiz gibt es gleich drei Interessenten: Lugano, Montreux und Lausanne. Sollte einer von ihnen den Zuschlag bekommen, würde die Schweiz dafür das im Land seit 60 Jahren bestehende Verbot von Rundstreckenrennen aufheben.

Spannung bis zur letzten Runde des letzten Rennens

"In fünf Jahren hat die Formel E die Formel 1 überholt", sagte Virgin-Chef Richard Branson am Rande der London-Rennen, wo sein Team Citroën als neuen Partner bekanntgab. Seriengründer und Chef Alejandro Agag konstatierte zufrieden: "Wir haben für das erste Jahr unglaublich viel erreicht."

Ist die Formel E mit ihren leisen Elektroautos und ihren Stadtrennen, die die Show zu den Menschen bringt, also die Motorsportserie der Zukunft?

Impressionen aus der Formel E: So hört sich leiser Motorsport an

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Vieles an dem neuen Konzept scheint tatsächlich aufzugehen. Politisch und gesellschaftlich passt es in den Zeitgeist von Nachhaltigkeit und grüner Energie. Zudem wird sportlich viel geboten. Das Finale in London lieferte Spannung und Action bis zur letzten Runde, mit noch drei Titelkandidaten im Rennen.

Senna verhilft Piquet zum Titelgewinn

Dass am Ende der neue Champion Nelson Piquet junior seinen Titel ausgerechnet seinem brasilianischen Landsmann Bruno Senna zu verdanken hatte, der Piquets Hauptrivalen Sebastien Buemi trotz dessen wilder Attacken hinter sich halten konnte, war für klassische Motorsportfans ein besonderes Detail. Schließlich verband Piquets Vater Nelson und Sennas Onkel Ayrton eine tiefe Feindschaft zu ihren Formel-1-Zeiten.

Also alles toll in der Formel E? Nicht ganz. Die Frage, die sich derzeit viele stellen, lautet: Was passiert, wenn mehr Hersteller in die Formel E kommen? Einerseits ist das ja genau das Ziel der Serie, für die Automobilhersteller eine Bühne im Bereich Elektromobilität zu sein. "Wir brauchen die Hersteller unbedingt", sagt Jarno Trulli, Ex-Formel-1-Pilot und in der Debütsaison als Fahrer und Chef seines eigenen Privatteams unterwegs.

Mehr Hersteller bedeuten mehr Kosten

Andererseits gibt es die Befürchtung, dass mit weiteren Herstellern die Kosten steigen. Mit vier bis fünf Millionen Euro ließ sich für ein Team die Auftaktsaison bestreiten. Mehr Hersteller bedeutet aber zugleich mehr Entwicklungsarbeit und damit auch deutlich höhere Kosten, das ist aus anderen Rennsportserien bekannt. Und ob dann die relative Ausgeglichenheit bestehen bleibt, die die Spannung und damit den Reiz der Rennen ausmacht, ist ungewiss.

Zudem gibt es zwei Punkte, bei denen die Formel E aufpassen muss, nicht die gleichen Fehler zu begehen wie die Formel 1. Da ist einmal die Fixierung auf das Fernsehen, trotz aller Versprechungen und ursprünglichen Absichten, vor allem soziale Medien und das Internet zur Verbreitung der Formel E zu nutzen. So läuft die Serie etwa in Deutschland und Frankreich nur im Pay-TV, mit teils sehr niedrigen Zuschauerzahlen.

Trotzdem gibt es wegen der Exklusivverträge mit den TV-Stationen in diesen Ländern keinen Live-Stream im Netz, sehr zum Ärger vieler Fans. Auch die Sponsoren sind von dieser Situation alles andere als begeistert. Bei Schaeffler zum Beispiel, die hinter dem deutschen Abt-Audi-Team stehen, sagt man das auch sehr offen. Allerdings heißt es, das Thema solle schon bald gelöst werden.

Das zweite Problem sind die sehr restriktiven Zugangsbeschränkungen in den inneren Kreis, auch für die Teams. Es gibt für jedes Team nur sechs Fahrerlager-Gästetickets pro Rennen, das ist sehr wenig. Als Nick Heidfelds Manager für die Veranstaltung in Berlin potenzielle Sponsoren einladen wollte, bekam er zu hören, er solle doch Pässe für den "Emotion Club" kaufen - vergleichbar mit dem "Paddock Club" in der Formel 1. Diese Pässe kosten allerdings 1500 Euro. Auf Nachfrage heißt es dann von den Organisatoren, sie müssten schließlich auch Geld verdienen.

Vielleicht sollten sie erst einmal daran denken, ihre neue Serie mittel- und langfristig gut zu promoten und als Alternative zur Formel 1 zu etablieren.



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Seite 1
herrdainersinne 01.07.2015
1. Mit einem Wort:
Laaaaangweilig. Die Dinger sehen aus wie Seifenkisten. Und klingen wohl auch so.
Flying Rain 02.07.2015
2. J
Ja ein Livestream über das Internet wäre schon was, und am besten Grafisch mit den Daten so aufgearbeitet wie man es z.B. bei manchen Segelregatten sehen kann. Zu den Gästetickets kann man es nur wie im Artikel oben sagen, lieber erst mal etablieren. Und zu dem Punkt mit noch mehr Teams.... es wäre eine Idee ein maximales Budget festzulegen und jeder muss rausholen was geht, aber das würde natürlich auch wieder die Entwicklung einbremsen, ...es ist schwierig. Ansonsten noch. Ja Elektrorennen können spannend sein ( Curling ist auch manchmal spannend hehehe) aber deswegen nicht gleich den (Verbrennungs-)Motorsport verteufeln wie es gerne im gleichen Atemzug geschieht, es sind zwei verschiedene Dinge ...nur als Beispiel...ein großes Frachtschiff das 15 Tage von Europa nach Nordamerika fährt Verbraucht genug Rohöl das man mit daraus hergestellten Benzin gut 55 Rennen fahren kann (ich gehe von einem Verbrauch von 300L/Rennen/Fahrzeug aus...) ...
Loddarithmus 02.07.2015
3. Oh mein Gott, ...
... hoffentlich kannst Du RTL da raushalten, sonst ist's totgeboren.
Bueckstueck 02.07.2015
4. Übertreibung
"Rennsportpublikum. Aber die vergleichsweise moderaten Eintrittspreise - meist zwischen 30 und 60 Euro - sorgen für einen Zuspruch, den sich die Formel 1 nur wünschen kann." Wie kommt man eigentlich dazu so einen Quatsch zu schreiben, wenn von 30'000 Zuschauern die Rede ist? Das übertrifft die F1 selbst dieses Jahr noch deutlich. Die Frage ist auch wie oft die Leute wiederkommen. Bei der F1 jammern viele dass es mittlerweile zu leise ist und somit zu wenig Spektakel bietet - diesbezüglich hat die Formel E ja gar nichts zu bieten aber hier ist es plötzlich toll? Ich frage mich, was man mit diesem messen mit zweierlei Mass bezwecken will? Man redet da einem Branson nach dem Mund, der vielleicht erst mal eines seiner vielen vollmundigen Projekte zum Ziel bringen sollte - sein Space Tourismus ist ja auch schon seit Jahren im Verzug. In fünf Jahren wird die F1 wieder davongezogen sein, weil man wohl jetzt endlich aufgewacht ist und ab 2017 wieder Regeln installiert, die der Spitze des Motorsports würdig sind.
gribofsky 02.07.2015
5. Fehler im Artikel!
In den Statuten der Formula E ist festgelegt, das die Teams (für den Höchstpreis) die Technik der anderen Teams erwerben können MÜSSEN. Dies geschieht um das Wettbewerbsniveu möglichst hoch zu halten. Nachzulesen in der aktuellen c't 14/2015, Seite 81, linke Spalte, Absatz 3, Satz 2 ff
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