Forschungsergebnis Sportfunktionär Daume unter Nazi-Verdacht

Willi Daume, zu Lebzeiten einer der wichtigsten Sportfunktionäre Deutschlands, hatte eine bisher unbekannte Nazi-Vergangenheit. Nach SPIEGEL-Informationen arbeitete Daume als Informant des Sicherheitsdienstes der SS und war Mitglied der NSDAP.

Sportfunktionär Willi Daume (gestorben 1996): Informant des SS-Sicherheitsdienstes
DPA

Sportfunktionär Willi Daume (gestorben 1996): Informant des SS-Sicherheitsdienstes


Hamburg - Der 1996 verstorbene Willi Daume, jahrzehntelang der einflussreichste Sportfunktionär im Westen Deutschlands, hat während des Zweiten Weltkrieges als Informant für den Sicherheitsdienst (SD) der SS gearbeitet. Dies geht aus einer nun veröffentlichten Dissertation des Historikers Jan C. Rode vor, einem Forscher der Universität Hannover.

Nach den Erkenntnissen des Geschichtswissenschaftlers war Daume Ende 1937 der NSDAP beigetreten, außerdem hatte er von 1943 an für den SD berichtet. Die Akte aus Daumes Entnazifizierungsverfahren, die im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf lagert, sowie Dokumente des Auswärtigen Amts in Berlin belegen laut Rode, dass Daume mit Antrag vom 20. Dezember 1937 in die Partei aufgenommen worden war. Seine Mitgliedsnummer lautete 6.098.980. Noch im vergangenen Dezember veröffentlichte der Deutsche Olympische Sportbund eine Pressemitteilung, in der es hieß, Daume sei "nie Mitglied der NSDAP gewesen".

Die Tätigkeit für den SD hatte Daume selber Anfang der neunziger Jahre in bislang unveröffentlichten Interviews mit Mitarbeitern der Universität Hannover zugegeben. Darin hatte Daume sich verteidigt, er habe die Berichte lediglich angefertigt, um einem angedrohten Fronteinsatz in Stalingrad zu entgehen. Außerdem seien sie so "blödsinnig" gewesen, dass der SD das Interesse an seiner Mitarbeit verloren habe.

Bislang war über Daumes Leben in der Zeit des Nationalsozialismus nur bekannt, dass er Mitglied der NSDAP gewesen war. Der Industriellensohn Daume hatte 1938 nach dem Tod seines Vaters die Leitung der familieneigenen Eisengießerei in Dortmund übernommen. Nach Kriegsende stieg er zum bedeutendsten Sportfunktionär der Bundesrepublik auf und gehörte bis 1991 dem Internationalen Olympischen Komitee an, dessen Vizepräsident er von 1972 bis 1976 war. Populär machten ihn in Deutschland vor allem die Sommerspiele von München 1972, Daume hatte die Bewerbung initiiert.



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