Frankreich-Rundfahrt Bergkönig Riccò positiv getestet, Team verlässt Tour

Jetzt hat es den ersten Top-Fahrer erwischt: Riccardo Riccò, zweifacher Etappensieger bei dieser Tour de France, ist positiv auf Epo getestet worden. Sein spanisches Team Saunier Duval zog die Konsequenzen und nahm alle Fahrer aus dem Rennen.


Hamburg - Die Probe wurde dem 24-Jährigen nach dem Zeitfahren am 8. Juli abgenommen. Riccò hatte zwei Tage darauf die sechste und später auch die neunte Etappe der 95. Tour de France gewonnen. Vor der heutigen zwölften Etappe lag der Bergspezialist auf Rang neun des Gesamtklassements, außerdem war er Träger des Bergtrikots. Auch beim Giro in diesem Jahr war er als Zweiter aufgefallen.

Tour-Profi Riccò: Vom Favoriten zum akut Dopingverdächtigen
DPA

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Der spanische Rennstall Saunier Duval zog direkt die Konsequenzen aus dem Vorfall um seinen Kapitän und schickte die Mannschaft erst gar nicht mehr zum Start der zwölften Etappe nach Lavelanet. Die Equipe ist damit das erste Team mit Dopingfall in den eigenen Reihen, das in der Folge die Rundfahrt komplett verlässt. Dadurch müssen nun auch Juan José Cobo, derzeit Achter des Gesamtklassements, und Etappensieger Leonardo Piepoli (24.) abreisen.

Beinahe sprachlos zeigte sich Hans-Michael Holczer, der Chef des deutschen Teams Gerolsteiner: "Dazu fällt mir nichts mehr ein. Ich gehe jetzt davon aus, das Ricco nicht der letzte Dopingsünder ist. Man darf es ja kaum laut sagen, aber bei ihm hatten es viele erwartet," sagte Holczer.

Riccò gewann die beiden Bergetappen in diesem Jahr in beeindruckender Manier. Jedoch wurde er von der Zeitung "L'Equipe" schon vor dem jetzt bekanntgewordenen Ergebnis als einer jener 20 Fahrer genannt, bei denen die französische Anti-Doping-Agentur AFLD vor Beginn des Rennens auffällige Blutwerte feststellte - laut AFLD-Generalsekretär Philippe Sagot insbesondere erhöhte Hämatokritwerte, die auf Blutdoping hindeuten können.

Riccò verfügt allerdings ohnehin über eine ärztliche Ausnahmegenehmigung für einen Wert von 51 bis 52, den Experte Werner Franke jüngst in der "Süddeutschen Zeitung" als Krankheit bezeichnete: "Dem würde ich sagen, um Gottes willen, du bist infarktgefährdet." Doch zum Ausgleich weist der Italiener mitunter einen Testosteronwert wie ein Kleinkind auf, zuletzt beim Giro d'Italia 2007. Das könnte auf Verschleierung von Doping mit einem Sexualhormon hindeuten.

Das Team Saunier Duval konnte durch den Riccòs Landsmann Piepoli auf der zehnten Etappe einen weiteren Tagessieg erringen. Durch die starken Leistungen der Equipe in den Bergen war es zuvor schon zu Diskussionen über mögliche Dopingvergehen gekommen.

In der vergangenen Woche war der Spanier Manuel Beltrán vom Team Liquigas ebenfalls positiv auf Epo getestet worden. Das gleiche Schicksal ereilte dessen Landsmann Moisès Dueñas Nevado, als 19. des Gesamtklassements bester Fahrer seines Rennstalls Barloworld. Dem 27-Jährigen wurde nach der vierten Etappe Epo-Doping nachgewiesen. Im Gepäck von Dueñas Nevado wurden zudem bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer zahlreiche medizinische Utensilien sowie verdächtige Substanzen sichergestellt.

Dopingsünder Dueñas Nevado droht Gefängnisstrafe

Wie die Staatsanwaltschaft in Tabres am Donnerstag mitteilte, habe man bei der Durchsuchung seines Hotelzimmers Spritzen, Nadeln und Transfusionsbeutel gefunden. Auch ein noch nicht auf dem französischen Markt zugelassenes Medikament namens ADP sei gefunden worden, wie zudem viele andere Produkte, die noch nicht zugeordnet werden können. Laut Staatsanwalt Gerard Aldige ist ADP vom französischem Gesundheitsamt verboten und darf nicht in das Land eingeführt werden.

Nach französischem Recht droht dem Spanier eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren sowie eine Geldbuße von bis zu 75.000 Euro. Bis zu zwei Jahre und eine Geldstrafe von 3750 Euro drohen wegen Gebrauchs und Besitzes giftiger Substanzen, drei Jahre und eine hohe Geldstrafe wegen des Imports verbotener Güter. Der Chef des Barloworld-Rennstalls, Claudio Corti, kündigte umgehend die Entlassung Dueñas Nevados an.

Bereits am Donnerstagmorgen hatte ihn die Staatsanwaltschaft in Tarbes verhört, die danach umgehend ein Verfahren gegen Dueñas einleitete. "Er hat zugegeben, die Produkte ohne Wissen der Mannschaftsärzte gekauft und genutzt zu haben, um seine Leistung zu steigern", sagte Aldige. Er hätte die Zusammensetzung der Mittel nicht gekannt und sich diese oral oder intravenös zugeführt.

fpf/all/AP/sid



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