Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Van Almsick über Schwimm-Weltverband: "Im Kampf gegen Doping auf ganzer Linie versagt"

Ex-Schwimmerin van Almsick: Schwere Vorwürfe gegen Weltverband Fina Zur Großansicht
Getty Images

Ex-Schwimmerin van Almsick: Schwere Vorwürfe gegen Weltverband Fina

Athleten, die Doping mit zu schnellem Autofahren vergleichen; wenige Kontrollen: Franziska van Almsick hat den Schwimm-Weltverband Fina kritisiert. Er habe im Kampf gegen Doping versagt.

Julija Jefimowa gewann bei der Heim-Weltmeisterschaft in Russland Gold über 100 Meter Brust, der Chinese Sun Yang holte bislang gleich drei Medaillen in Kasan. Dabei sind beide Athleten in der Vergangenheit des Dopings überführt worden, konnten aber aufgrund vergleichsweise kurzer Sperren bei der WM schon wieder jubeln. Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick hat den Weltverband dafür scharf kritisiert.

"Natürlich hat in meinen Augen die Fina im Kampf gegen Doping auf ganzer Linie versagt, weil sie seit vielen Jahren nichts dafür tut, dass es einheitliche Regeln für alle gibt", sagte die Freistil-Weltmeisterin von 1994 in der ARD. Litauens Olympiasiegerin Ruta Meilutyte hatte bekundet, sie habe jeglichen Respekt vor ihrer Konkurrentin Jefimowa verloren. "Sie ist mutig und sagt das und zeigt somit, wie sie zu dem Thema steht. Das müssten viel mehr machen", sagte van Almsick.

Jefimowa war Ende Oktober 2013 positiv auf ein Anabolikum getestet worden. Die Fina sperrte sie im Mai 2014 für 16 Monate, eigentlich sind zwei Jahre üblich. Sun wurde im Frühjahr 2014 des Dopings überführt. Der chinesische Verband verheimlichte aber die Probe, so startete der 23-Jährige erst bei den Asienspielen, wurde anschließend lediglich für drei Monate gesperrt - von seinem eigenen Verband auf Druck der Fina.

Nach Recherchen der ARD-Dopingredaktion lassen die Doping-Kontrollen des Weltverbandes außerdem zu wünschen übrig. So berichtete der italienische Trainer Andrea di Nino, der in Neapel ein internationales Profiteam betreut, dass in den trainingsintensiven Wintermonaten etwa ein halbes Jahr überhaupt keine Dopingkontrolle stattgefunden habe.

Die Kronzeugin der ARD-Dokumentation über flächendeckendes Doping in der Leichtathletik, Julia Stepanowa, berichtet auch über russische "Medaillengewinner von Europa- und Weltmeisterschaften" im Schwimmen und deren Trainer, die sie bei einem für Doping bekannten russischen Arzt gesehen habe.

Fotostrecke

19  Bilder
Bilder der Schwimm-WM: Rekorde in Regenbogenfarben

zaf/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kampf gegen Doping
fortelkas 08.08.2015
Ich bin überzeugt davon, dass in nahezu allen Sportarten gedopt wird, nur die Methoden werden immer mehr verfeinert und mit wissenschaftlichen Mitteln verbessert. Da kann keine Doping-Kommission mithalten. Wo liegen die Gründe? Weil nach Siegen bei in der Öffentlichkeit beachteten Sportarten dieser Sieg vergoldet wird. Weil die großen nationalen Sportverbände Normen setzen, die mancher Athlet manche Athletin auch mit härtestem Training kaum erfüllen kann. Weil auch von Geldgebern, Medaillenzahlen vorgegeben werden. Im Fußball ist man bei Untersuchungen sehr zurückhaltend, man rührt nicht dran. Dabei ist der Verdacht nie ausgeräumtworden, dass "unsere Helden" von Bern 1954 fitgespritzt worden sind. Allerdings offenbar mit noch nicht so mit mit erprobten und verfeinerten Methoden. Oder wie ist es zu erklären, dass die gesamte Mannschaft nach der Weltmeisterschaft mit Gelbsucht und Leberentzündungen in einer Kur behandelt werden musste. Ersatzspieler aus dem Kader haben das viele Jahre nach 1954 bestätigt. Aber besonders der Fußball wird bei uns besonders gerne von Untersuchungen ausgeklammert. Die Tour de France ist mit Sicherheit nicht sauber geworden, kein noch so gut trainierter Mensch zieht lächelnd und leicht auf den steilen Bergtouren so an der Konkurrenz vorbei. Was ist die Konsequenz: Die Zuschauer wenden sich ab, aber das wird natürlich nicht passieren. Oder keine Kommission untersucht in Zukunft, und die Zuschauer können mit einem gewissen Schauergefühl erleben, was ihnen die Sportler mit vollgespritzten Körpern so an Höchstleistungen vorführen können. Das wäre zumindest ehrlicher. Erwin Fortelka
2.
hschmitter 08.08.2015
Versagen kann man doch nur, wenn man sich einer Aufgabe erstmal stellt.
3. Dopingsünder
Odothan 08.08.2015
Franziska van Almsick hat völlig recht: Die Verbände tun nichts! Es gibt nur eine Möglichkeit, um von Anfang an ganz klar gegen Doping vorzugehen: Wer einmal auf der Basis der neuesten wissenschaftlichen Methoden des Dopings überführt wurde wird LEBENSLANG gesperrt, weil ihm / ihr offenbar jeder Anstand und jeder Respekt vor den Konkurrenten und der Öffentlichkeit fehlt! Wem Erfolg wichtiger ist als alle menschlichen Werte wie Anstand, Moral, Respekt (auch gegenüber dem eigenen Körper!) der hat im Sport nichts zu suchen!
4. Aus der Distanz von Jahren...
spon72 08.08.2015
...redet es sich natürlich leicht. Gerade die Zeiten in denen van Almsick ihre Siege errang, waren höchst dopingversucht. Natürlich wird in allen Sportarten, bei denen es um Medaillen, Pokale und erst recht Siegprämien geht, betrogen was das Zeug hält, wer das leugnet, lebt in einer Scheinwelt. Zudem nervt es mich so allmählich, dass in letzter Zeit Russland so stark im Fokus steht (wenn auch zurecht), wobei doch jeder weiß, dass in allen Spitzenverbänden fleißig gespritzt und geschluckt wird. Aber es ist eben immer besser, mit dem Finger auf andere zu zeigen, um seine eigene Taten in den Hintergrund zu rücken, eben der Buddelkasten des Lebens. Wie auch immer, das jüngste Beispiel Leichtathletik zeigt (und hier wurden lediglich die Proben von Langläufern untersucht), dass sich wohl einzig und allein der Radsport wenigstens offiziell auf einem Weg befindet, den alle anderen Weltverbände wohl nie einschlagen werden, um keine Sponsoren zu vergrätzen oder gar aus dem olympischen Programm zu fliegen. Letzteres wäre bei der Korruptheit des IOC ja ohnehin geradezu ein Hohn. Ich gönne jedem den Spaß an seiner Lieblingssportart, nur sollte man so langsam die rosarote Brille ablegen und die Leistungen oder oftmals surrealen Rekorde oder Werte einfach einmal hinterfragen und diese richtig einordnen.
5. War on Doping
adubil 08.08.2015
Auch wenn man's nicht gerne hört: grundsätzlich ist das Doping-Verbot auch nichts anderes als Prohibition. Und das Modell Prohibition ist bislang noch auf jedem Feld gescheitert. Es bedeutet jede Menge Aufwand, kostet ein Schweinegeld und nützt letztlich nur mafiösen Strukturen. Heißt im Klartext: gelegentlich gewinnt man eine Schlacht...ach was, ein Scharmützel...den Krieg gewinnt man nie und nimmer. Sollte man sich eingestehen und dann überlegen: was machen wir anstatt ?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: