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Freiburger Doping-Kommission: Mitglieder drohen mit Rücktritt

Freiburger Doping-Kommission: Rücktritt steht bevor Zur Großansicht
DPA

Freiburger Doping-Kommission: Rücktritt steht bevor

Die Geduld scheint aufgebraucht: Die Freiburger Doping-Kommission beklagt in ihrer Arbeit erneut Behinderungen der Universität Freiburg. Ein Rücktritt steht damit unmittelbar bevor.

Die Kommission zur Aufklärung der Freiburger Doping-Vergangenheit steht vor der Auflösung. Die sechs Mitglieder der Gruppe drohen geschlossen mit dem Rücktritt. Wie die "Badische Zeitung" und die "FAZ" berichten, hat die Evaluierungskommission in einem Schreiben an ihren Auftraggeber, die Albert-Ludwigs-Universität, ihren Rücktritt für den kommenden Montag angekündigt.

Die Wissenschaftler protestieren gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer. Die Universitätsleitung hat bereits auf das Ultimatum der Gruppe geantwortet und mitgeteilt, dass sie die von der Kommission gestellte Forderung nach mehr Handlungsfreiheit nicht erfüllen kann. Damit spitzt sich der seit Jahren währende Streit zwischen beiden Seiten zu.

"Ich bin erst ein Jahr mit dabei, aber auch mir geht schon die Geduld mit der Uni-Leitung verloren. Ich kann vor allem die Verständnislosigkeit der Kollegin und Kollegen verstehen, die schon länger dabei sind", sagte Kommissionsmitglied Fritz Sörgel dem Sport-Informations-Dienst. Einen konkreten Auslöser des Ultimatums habe es nicht gegeben, sagte Sörgel: "Die Universitätsleitung geht fortgesetzt nicht auf unsere Wünsche ein und beantwortet Fragen nicht."

Die Universität veröffentlichte einen Brief Schriewers an die Kommission, in dem er "im Sinne unseres gemeinsamen Ziels an einer fundierten, unabhängigen und wissenschaftsgeleiteten Aufklärung zur Freiburger Sportmedizin an Ihre Bereitschaft zu einer konstruktiven und sachorientierten Zusammenarbeit" appellierte.

Schriewer betonte, dass er sich nicht in der Lage sehe, eine Zustimmung zur Änderung der Geschäftsordnung zu befürworten. Er behauptete, dass die Kommission seine Einladung zu einem Gespräch am Freitag nicht angenommen habe und schlug als nächsten Schlichtungstermin den 17. März vor.

Die Kommission war vor neun Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die Geschichte der Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Das Gremium hatte wiederholt massive Behinderungen durch die Uni Freiburg beklagt. Diese hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

bam

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franz.v.trotta 27.02.2016
Da die Freiburger Sportmedizin Mitwisser und Förderer im Innenministerium hatte, kann eine vorbehaltslose Aufklärung der Doping-Aktivitäten in Freiburg nicht erfolgen. Sie würde dem Ansehen Deutschlands im Ausland schaden... und manchem noch lebenden deutschen Politiker. - Dem Freiburger Rektor sind die Hände gebunden.
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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung
Epo/HGH
Die Ausdauerleistung ist wesentlich davon abhängig, wie gut der Körper Sauerstoff aufnehmen kann. Das Hormon Erythropoetin (Epo) stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl der im Organismus zirkulierenden Erythrozyten verbessert die Kapazität des Blutes, Sauerstoff aufzunehmen und steigert damit Ausdauerleistungsfähigkeit.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet den Gebrauch von Epo seit langem. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, die an Blutarmut leiden.

Das Wachstumshormon HGH wird bei Kleinwüchsigkeit eingesetzt. HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, das führt zu langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. (mit dpa)
Anabolika
Anabolika sind künstlich hergestellte Verwandte des männlichen Sexualhormons Testosteron. Diese Steroid- oder Wachstumshormone haben sowohl eine den Muskelaufbau fördernde (anabole) als auch eine vermännlichende (androgene) Wirkung. Anabolika können als Tabletten als auch injiziert werden. In Deutschland sind sie rezeptflichtig, werden aber nur selten zur Therapie beispielsweise von Schwächezuständen eingesetzt.

Illegal werden Anabolika parallel zu entsprechendem Training eingenommen, um den Aufbau von Muskelmasse zu fördern – also als Dopingmittel missbraucht. Bekannte Anabolika-Präparate sind unter anderen Nandrolon, Metandienon und Stanozolol.
Stimulanzien
Als Stimulanzien (lat. stimulare = "anregen") werden Substanzen bezeichnet, die anregend auf den Organismus wirken. Sie stimulieren die Aktivität des Zentralnervensystems. Als Aufputschmittel werden sie kurz vor oder während des Wettkampfs eingenommen. Sie steigern die motorische Aktivität, erhöhen die Risikobereitschaft und vertreiben die Müdigkeit, aber auch das Gespür für die natürliche Leistungsgrenze. Bekannteste Stimulanzien sind Amphetamine, Kokain, Ephedrin und Koffein (nur in hohen Mengen verboten).

Viele Stimulanzien können bei regelmäßigem Konsum abhängig machen. Bei Überdosierung drohen je nach Substanz Bluthochdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche und Übelkeit. Nach mehreren Todesfällen im Sport, die auf die Einnahme von Stimulanzien zurückzuführen waren, wurden sie 1967 auf die Dopingliste gesetzt.
Narkotika
Betäubungs- und Schmerzmittel wie Morphine werden eingesetzt, um bei Höchstleistungen auftretende Schmerzen zu unterdrücken - beispielsweise bei einem Marathon. Die Medikamente machen abhängig, weitere Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen und Kreislauflähmungen. Von Radsportlern werde berichtet, dass diese auf den letzten Kilometern gerne Alkohol trinken, sagt Patrick Diel vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. "Das dämpft den Schmerz, liefert Energie und hebt die Stimmung."

Ebenso wie Amphetamine seien auch die meisten Narkotika leicht nachweisbar und würden deshalb eher selten im Spitzensport verwendet. Zudem handle es sich auch hierbei um eine "Wettkampf-Droge", die direkt beim jeweiligen Sportereignis eingenommen werden müsse. Entsprechend hoch sei die Gefahr der Entdeckung. (mit dpa)


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