Tennisprofi Marco Trungelliti 1000 Kilometer mit der Oma im Auto - für die French Open

Tennisprofi Marco Trungelliti war in der Qualifikation für die French Open gescheitert. Doch dann bekam er eine zweite Chance, für die er tausend Kilometer mit dem Auto fuhr. Mit dabei: die Oma.

Marco Trungelliti
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Marco Trungelliti


Auch im knallharten Profi-Tennis gibt es sie noch, die völlig verrückten Geschichten. Der 28 Jahre alte Tennisprofi Marco Trungelliti hat nun eine solche erlebt. Sie handelt von einer überraschenden Wendung, einem rund zehnstündigen Roadtrip von Barcelona nach Paris, seiner 89 Jahre alten Oma - und 80.000 Euro.

Eigentlich waren die French Open für Trungelliti bereits am Donnerstag beendet. Der Argentinier hatte sein drittes Qualifikationsmatch verloren und den Sprung ins Hauptfeld verpasst. Denn hier finden nur 128 Spieler Platz: 104 über ihre Weltranglistenposition, 16 über die Qualifikation, 8 dank einer Wildcard.

Doch es gibt eine Hintertür: Sagt ein qualifizierter oder gesetzter Akteur seine Teilnahme kurzfristig ab, schlägt die Stunde der Lucky Loser - also der Spieler, die in der Qualifikation verloren haben.

Ein Platz im Hauptfeld offen - aber kein Nachrücker mehr da

Wie ein Lucky Loser ins Hauptfeld kommt? Zunächst durch seine Position in der Weltrangliste. Die "besten" Verlierer der letzten Qualifikationsrunde werden in eine Reihenfolge gelost und müssen sich täglich bis 10.30 Uhr im "Lucky Losers Sign-in" auf der Anlage eintragen und hoffen, dass ein Kollege absagt.

In der Vergangenheit eigentlich eine seltene Angelegenheit: 2017 war in Paris nur ein Lucky Loser ins Hauptfeld gerutscht, doch in diesem Jahr waren es bis zum Turnierbeginn am Sonntagvormittag bereits sieben.

Doch nach dem Start glaubte wohl keiner der Verlierer mehr an eine Chance: Der Ägypter Mohamed Safwat, die Nummer 182 der Welt, war der Einzige, der sich Sonntag früh in die Liste geschrieben hatte. Als am Nachmittag noch Nick Kyrgios verletzt zurückzog, war plötzlich ein weiterer Platz im Hauptfeld offen - aber kein Nachrücker mehr da.

Hätte sich am Sonntagmorgen (neben Safwat) auch nur ein weiterer der mehr als 100 Verlierer des gesamten Qualifikationsturniers eingetragen, hätte er für Kyrgios spielen können, sofern er in dieser Woche bei keinem anderen Turnier gemeldet wäre.

Trungelliti siegte mal gegen Marin Cilic

Während einige Profis schon abgereist waren, hielten sich andere sogar noch in Paris auf - ahnten aber nichts von ihrer Chance. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass auch Verlierer der zweiten (oder gar ersten) Quali-Runde als Lucky Loser ins Hauptfeld rutschen können.

Die nächste Gelegenheit zum Sign-in gab es dann erst wieder Montag früh. Gemäß Weltrangliste hätte der Inder Prajnesh Gunneswaran den Platz bekommen, vermutlich wäre er hierfür auch zurück nach Paris gereist. Doch Gunneswaran hatte sich für Montag bereits bei einem Mini-Turnier in Italien angemeldet. Und plötzlich war Marco Trungelliti wieder im Spiel.

Trungelliti ist als Nummer 190 der Welt meist auf der zweiten Tour-Ebene unterwegs. Er stand erst bei drei Grand-Slam-Turnieren im Hauptfeld. 2016 besiegte er Top-Ten-Spieler Marin Cilic in Paris. Doch dank seines Roadtrips kennt ihn nun die gesamte Tenniswelt.

"Meine Oma stand gerade unter der Dusche"

Trungelliti ist mit einer Spanierin verheiratet und lebt in Barcelona, in der Vorwoche bekam er Besuch von Bruder Andre, Mama Susi und Oma Lela, in dieser Woche war ein Familienurlaub geplant. Der findet jetzt in Paris statt: Am Sonntagmittag bekam Trungelliti den Anruf ("Meine Oma stand gerade unter der Dusche"), 30 Minuten später war die Reisegesellschaft unterwegs, die Fotos von der Fahrt gab es dank der Freundin live auf Twitter.

Am Sonntagabend, kurz vor Mitternacht, kam er in Paris an. Montag früh schrieb sich Trungelliti in die Lucky-Loser-Liste ein (was diesmal noch zwölf weitere Spieler taten). Um 9 Uhr ging er auf den Trainingsplatz, um 11 Uhr begann er sein Match gegen Bernard Tomic, um kurz nach 14 Uhr hatte er es gewonnen.

Trungelliti hat damit bereits 80.000 Euro sicher. Für jemanden, der in den letzten sieben Jahren zwischen Platz 126 und 400 in der Welt platziert war, eine Menge Geld. Und Trungelliti darf sich Hoffnungen auf mehr machen: In Runde zwei geht es gegen den Italiener Marco Cecchinto, als Nummer 72 der Welt eine lösbare Aufgabe.

Regeländerung macht sich bezahlt

Ärgern werden sich nun wohl viele Spieler, die ihre Grand-Slam-Chance verpasst haben. Die hohe Anzahl der Lucky Loser im Hauptfeld ist übrigens einer Regeländerung zu verdanken: Beim Wimbledon-Turnier 2017 gaben acht Herren ihr Erstrundenmatch auf - viele waren nur angetreten, um ihre Erstrundengage von rund 40.000 Euro mitzunehmen.

Rein wirtschaftlich verständlich: Rangiert ein Spieler "nur" um Weltranglistenplatz 100, geht es ums Überleben auf der Tour. Eine Erstrundenniederlage wurde in Wimbledon mit rund 40.000 Euro vergütet - dazu muss man bei kleineren Turnieren in ein Halbfinale oder Finale kommen.

Marco Trungelliti
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Sportlich waren die Match-Aufgaben jedoch eine Katastrophe, also gingen die Grand-Slam-Turniere das Problem an: Seit den Australian Open 2018 erhält ein Spieler die Hälfte seiner Erstrundenprämie, also rund 20.000 Euro, wenn er vor Matchbeginn zurückzieht. Die anderen 20.000 Euro bekommt der Lucky Loser, der im Turnierverlauf noch mehr hinzuverdienen kann - wie in Paris nun Marco Trungelliti.



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kopi4 29.05.2018
1.
Die 79 000 € für das Erreichen der 2.Runde plus die 20 000 für den Sieg in der ersten: er hat also 99 000 € sicher,nicht 80 000 wie im Artikel erwähnt. Natürlich trotzdem Peanuts für den Sieger in Paris, der kassiert 2,2 Millionen.Immerhin,die übliche Steigerung des Preisgeldes - 2018 zehn Prozent mehr als 2017- geht zum größeren Teil an die Spieler die früh ausscheiden. Er kann es sich leisten, aber auch Federer hatte mal angemahnt das die Verteilung der Preisgelder gerechter erfolgen muß. Ob Nadal am 10.Juni "nur" 2,2 Mio statt der in Melbourne gezahlten 2,5 Mio kriegt wird den Spanier nicht wirklich treffen.
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