Serena Williams gegen Marija Scharapowa Hass und Enttäuschung

Seit Marija Scharapowa ihre Kontrahentin Serena Williams weinen hörte, hat sie fast nur noch gegen sie verloren: Bei den French Open treffen die Tennisstars wieder aufeinander - Freunde werden sie wohl nicht mehr.

Getty Images

Wissen Sie, was Sie 2004 zum letzten Mal getan haben? Marija Scharapowa weiß es noch gut. Im Juli gewann sie das Wimbledon-Finale gegen Serena Williams. Und im November schlug sie Williams erneut. Seither siegte Williams 18-mal am Stück, 19:2 lautet die Gesamtbilanz. Einige unken, dass man angesichts dieser Zahlen kaum von einer Rivalität sprechen könne.

Dabei ist es nicht so, dass Serena Williams fast 14 Jahre lang unbesiegbar gewesen wäre. Es gab Zeiten, in denen sie die Lust am Tennis verloren hatte und kaum trainierte, in denen sie schauspielerte, Kleidung entwarf und Turniere ausließ. Nur gegen Scharapowa leistete sie sich keinen Patzer mehr. Und Scharapowa weiß, warum.

Die 31-Jährige veröffentliche im Vorjahr ihre Autobiografie "Unstoppable", sie schildert ihren Wimbledonsieg als 17-Jährige - und Williams' bitterste Niederlage. "Ich denke, Serena hasste mich dafür, das dürre Kind gewesen zu sein, das sie geschlagen hat, gegen alle Wahrscheinlichkeiten, in Wimbledon. Und ich glaube, sie hasste mich, weil ich ihr etwas genommen habe, das ihr gehörte. Ich denke, sie hasste mich, weil ich sie in ihrem schwächsten Moment erlebt habe."

Scharapowa und Williams mit Neustart

Und: "Am meisten glaube ich, dass sie mich hasste, weil ich sie weinen gehört habe. Das hat sie mir nie verziehen." Williams habe nach dem Finale in beängstigender Art geweint, "kehlige Schluchzer, die dich nach Luft ringen lassen. Es ging immer weiter." Sie habe versucht, so schnell wie möglich die Umkleide zu verlassen. "Aber Serena wusste, dass ich da war."

Fotostrecke

10  Bilder
Serena Williams vs. Scharapowa: 19:2

Nun treffen beide bei den French Open im Achtelfinale aufeinander. Seit ihrem letzten Duell, im Viertelfinale der Australian Open 2016 (Williams siegte 6:4, 6:1), hat sich im Leben von Scharapowa und Williams viel verändert. Scharapowa wurde kurz darauf des Dopings überführt. Sie kehrte im Frühjahr 2017 beim Grand Prix in Stuttgart zurück, der erwartete Durchmarsch an die Spitze blieb jedoch aus, kleine Verletzungen zwangen sie immer wieder zu Auszeiten.

"Ich hatte meine Momente, in denen mein Spiel da war, wo ich es haben will - aber als ich daran anknüpfen wollte, hat mein Körper mich im Stich gelassen", sagte sie tennisnet.com. "Ich wusste, dass mein Körper sich erst wieder an alles gewöhnen muss." So langsam scheint er das getan zu haben. Scharapowa, aktuell auf Rang 30 der Welt notiert, stand kürzlich im Finale von Rom, in Paris gewann sie nach zwei umkämpften Begegnungen glatt gegen die Weltranglistensechste Karolina Pliskova.

Zu Gast auf der Hochzeit von Prinz Harry

Auch Serena Williams war wegen ihrer komplizierten Schwangerschaft längere Zeit raus als geplant, ihre Auftritte in Indian Wells und Miami fallen unter das Kapitel "Probe-Comeback". "Sie hat zu früh wieder gespielt, aber sie wollte den Wettkampf spüren", urteilte ihr Coach Patrick Mouratoglou. In der Akademie des Franzosen in Nizza hat sich Williams fit gemacht, nebenher besuchte sie die Hochzeit von Prinz Harry und promotete ihre US-Doku "Being Serena", in der es mehr über ihren Gatten, den Reddit-Gründer Alexis Ohanian, und Töchterchen Olympia geht als um ihr Tennis.

Auch in Paris drehte sich zunächst alles um ihr schwarzes Catsuit-Outfit, zuletzt überzeugte sie mit dem Schläger in der Hand und Kampfgeist. Denn auch an einer Über-Spielerin wie Williams geht eine Wettkampfpause nicht spurlos vorbei. "Sie hatte keine Energie, sie hat sich kaum bewegt", erklärte Mouratoglou den schwachen ersten Satz gegen die Australierin Ashleigh Barty in Runde zwei, "dann habe ich es immer mehr versucht und Serena kam zum Vorschein", philosophierte Williams nach dem starken Ende.

Freunde? Vielleicht im nächsten Leben

Nach dem überzeugenden Sieg gegen Julia Görges kamen natürlich die Fragen zu Scharapowa. Es wäre ungewöhnlich gewesen, wenn sie nach einem so wichtigen Finale wie in Wimbledon 2004 nicht geweint hätte, sagte Williams. "Ich habe keine negativen Gefühle ihr gegenüber, daher war das in ihrem Buch etwas enttäuschend für mich." Was in der Umkleide passiere, "sollte dort bleiben, darüber sollte man besser nicht in einer nicht sehr positiven Art in einem Buch sprechen".

Scharapowa liegt mit fünf Grand-Slam-Titeln weit hinter Williams mit 23 - aber war stets mit besseren Werbeverträgen ausgestattet, war jahrelang die bestbezahlte Sportlerin der Geschichte. Und dann war sie auch noch mit Williams' Ex-Freund Grigor Dimitrov liiert.

"Serena und ich sollten Freunde werden", schreibt Scharapowa noch in ihrem Buch. "Wir lieben dasselbe, wir haben dieselbe Leidenschaft." Ob es mal so weit kommt? Vielleicht, wenn alles vorbei ist. Oder auch nicht. "Zu einem gewissen Maße haben wir uns gegenseitig angetrieben. Vielleicht ist das besser, als befreundet zu sein."

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.