French-Open-Finalist Nadal Widerstand ist zwecklos

Rafael Nadal ist auf dem Weg zum elften Erfolg in Paris kaum aufzuhalten. Der Spanier hat sein Spiel in fast allen Bereichen perfektioniert. Die Konkurrenz hat sich aufgegeben.

Rafael Nadal
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Rafael Nadal

Aus Paris berichtet


Juan Martin del Potro musste kurz in sich gehen. Ein Journalist warf die Frage in den Raum, was man denn tun könne, um Rafael Nadal auf Sand endlich zu bezwingen. Der Argentinier zögerte weiter. Ob man denn erst warten müsse, bis Nadal seine Karriere beendet. "Vielleicht" sagte del Potro, der keine halbe Stunde zuvor vernichtend geschlagen wurde. 4:6, 1:6, 2:6 lautete das Endresultat - in einem Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Nadal ist mittlerweile 32 Jahre alt und dennoch ist seine Dominanz so erdrückend wie noch nie in der 16 Jahre andauernden Profikarriere des zehnmaligen French-Open-Champions. Seit 2005 führt der Sieg in Roland Garros eigentlich nur über ihn. In den Jahren 2009, 2015 und 2016, in denen Nadal sein Lieblingsturnier nicht gewinnen konnte, trat er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte an. Lediglich Novak Djokovic hatte es zwischenzeitlich geschafft, dem dominanten Spiel des Spaniers Paroli zu bieten - jedoch ohne dauerhaften Erfolg.

"Sein Spiel ist zu gut für mich. Die Intensität ist zu hoch. Und was noch viel schlimmer ist: Im Laufe einer Begegnung wird es immer extremer", sagte del Potro auf der Pressekonferenz. Tatsächlich gelingt es Nadal wie keinem anderen Profi, seine Gegner mürbe zu machen. Häufig ist es in Spielen Nadals so, dass Gegner in den ersten Minuten mithalten können. So auch del Potro.

Grundlinie, Rückhand, Netzspiel - Nadal ist vielseitiger als früher

Im ersten Durchgang war der 29-Jährige nicht nur auf Augenhöhe - er war der bessere Spieler. Sechsmal boten sich ihm Chancen, Nadal sein Aufschlagspiel abzunehmen. Doch der Weltranglistenerste wehrte diese teils spektakulär ab. Mal mit einem Stopp, wenig später per Konter aus der Defensive. "Ich habe gut gespielt, meine Chancen aber nicht genutzt. Wenn ich das getan hätte, wäre es ein anderes Spiel geworden", sagte del Potro.

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Nadal setzte del Potro vor allem auf seiner schwächeren Rückhand unter Druck. Der 1,98 Meter große Argentinier hatte keine taktischen Mittel, um ebenfalls Druck auszuüben. Aber welche sollten das auch sein? Nadal ist mittlerweile nicht nur an der Grundlinie übermächtig. Wenn er will, stürmt er mit einer gnadenlosen Effizienz ans Netz, seine Stoppbälle sind ebenfalls präzise und unangenehm. Insbesondere die Rückhand bereitet der Konkurrenz Sorgen. "Rafa hat seine Rückhand in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Sie ist mittlerweile einfach nur unglaublich", konstatierte del Potro, der mit ansehen musste, wie Nadal 35 Winner schlug.

Nadal sorgt immer wieder für neue Bestmarken. Die Dominanz auf Sand übertrifft sogar jene von Roger Federer auf Rasen. Der Schweizer gewann achtmal in Wimbledon, zudem erreichte er 2008, 2014 und 2015 das Endspiel. Doch Federer war immer auch angreifbar - Andy Roddick, Andy Murray, Djokovic und selbst Nadal kratzten immer mal wieder am Nimbus des Rekord-Grand-Slam-Siegers. In der gesamten Geschichte des Tennis gab es keinen Belag, der von ein und demselben Spieler derart geprägt wurde.

"Im Moment läuft einfach alles perfekt für ihn"

Geht es nach del Potro, darf sich auch Finalgegner Dominic Thiem keine allzu großen Hoffnungen auf den Sieg in Paris machen. Der Österreicher, der in drei Sätzen gegen Marco Cecchinato gewann und immer noch auf seinen ersten Major-Triumph wartet, hatte zuletzt in Madrid gegen Nadal gewonnen. Aber über fünf Sätze? "Da ist Nadal schlicht unschlagbar", sagte del Potro.

Juan Martin del Potro
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Juan Martin del Potro

Nadal selbst möchte keinen Ausblick wagen, wann es in Paris mal wieder spannend zugehen könnte. "Aktuell genieße ich den Moment. Die Jahre verfliegen. Ich weiß, dass ich in zehn Jahren hier nicht mehr stehen werde", sagte der Spanier. Immerhin: Über diese Information dürfte sich vor allem die junge Generation gefreut haben. Zu der gehört neben Thiem auch Alexander Zverev. Der Deutsche gilt als aussichtsreicher Kandidat auf einen Titel in Roland Garros - sobald Nadal abtreten sollte.

Doch daran glaubt vor allem del Potro vorerst noch nicht: "Er ist so unglaublich stark, seine Fitness ist beeindruckend. Auch seine Mentalität ist toll. Im Moment läuft einfach alles perfekt für ihn."

Tatsächlich - ein Ende der Ära Nadal ist noch längst nicht in Sicht. Für die Gegner ist das keine gute Nachricht.



insgesamt 9 Beiträge
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sischwiesisch 09.06.2018
1. Es gibt nur einen,...
..., welcher Nadal bisher immer besiegt hat. Dustin Brown. Und wie ? Verrückt, mutig, unorthodox spielen, ans Netz, serve and volley, ständig beschäftigen. Wie spielen die meisten heute ? Ödes Powertennis von hinten ohne Inspiration. Mit den heutigen Schlägern geht das relativ leicht.
uli.lohmann 09.06.2018
2. Diego Schwartzmann hat gezeigt wie man Nadal schlagen kann.
Allerdings nur anderthalb Sätze, Nach der Regenunterbrechunghat er dann völlig den Faden verloren. Man muss Nadal permanent unter Druck setzen. So wie ich das sehe, könnte das DominickThiem morgen schaffen. Ich glaube, er hat das Herz und auch die technischen Fähigkeiten. Wenn er morgen sein bestes Tennis zeigt, kann er Nadal morgrn im Finale bezwingen.
kopi4 09.06.2018
3.
Na,dann freuen wir uns auf Montag, da beginnt in Stuttgart die Saison auf Rasen. Und da Nadal seine Dominanz auf Sand in den letzten Jahren auch nicht im Ansatz auf Gras zeigte geht es in Stuttgart,Queens,Halle und Wimbledon spannender zu. Wobei: Federer steigt nach Paris auch wieder ein....
carinanavis 09.06.2018
4. erstaunlich an sich
Zitat von sischwiesisch..., welcher Nadal bisher immer besiegt hat. Dustin Brown. Und wie ? Verrückt, mutig, unorthodox spielen, ans Netz, serve and volley, ständig beschäftigen. Wie spielen die meisten heute ? Ödes Powertennis von hinten ohne Inspiration. Mit den heutigen Schlägern geht das relativ leicht.
aber beide Spiele waren auf Rasen mit grundsätzlich kürzeren Ballwechseln und besseren Karten für Serve-and-Volley. Leider ist das heutige Tennis auf allen Belägen relativ ähnlich geworden und es dominieren die Haudraufs. Vorwiegend Roger Federer kann mit Spielkunst und Spielwitz noch ganz vorne mithalten. ATP und WTA sollten Schläger oder Bälle so verändern, das mehr Variationen im Spiel sich wieder auszahlen.
ulisses 09.06.2018
5. Ahnungslos durch die Nacht
Zitat von sischwiesisch..., welcher Nadal bisher immer besiegt hat. Dustin Brown. Und wie ? Verrückt, mutig, unorthodox spielen, ans Netz, serve and volley, ständig beschäftigen. Wie spielen die meisten heute ? Ödes Powertennis von hinten ohne Inspiration. Mit den heutigen Schlägern geht das relativ leicht.
Sie haben übersehen, dass der Artikel hauptsächlich über Nadals unglaubliche Dominaz auf Sand ist. Dustin Brown könnte Nadal nur auf Rasen besiegen. Das ist Browns Paradebelag und Nadals schwächster, was verwunderlich klingt, wo,er doch zwei Wimbledontitel hat und drei weitere Finalteilnahmen. Ich bewundere Brown, aber er kann Nadal nicht das Wasser reichen. Brown hat klare technische Defizite, die gerade aus Sand deutlich werden. Nadal hingegen ist technisch perfekt. Leute, die ihn als Grundlinienschaufler darstellen worden, haben wohl selbst noch niemTennis gespielt. Nadal hat meistens ein klares Konzept, wie er dem Gegner sein Spiel aufzwingt. Er ist eben nicht ein Defenspieler, was viele immer behaupten. Auf der ATP Seite gibt es einen tollen Artikel zum Finale in Rom gegen Zverev. Wenn man in Klischees denkt, könnte man meinen, dass Nadal versucht hätte, die Urgewalt von Zverev in langen, ermüdenden Rallies zu knacken, so wie Borg und Vilas das damals taten. Jedoch führt hier Nadal in der Statistik für die kürzeren Ballwechsel unter 5 Schlägen. Er bemüht sich also, möglichst schnell den Punkt zu machen. Und natürlich ist sein Tennis Powertennis. Das gilt aber für 95% aller heutigen Spieler, auch für Federer, der garantiert versucht, seine Grundschläge möglichst hart zu spielen. Was soll er denn bitte sonst spielen? Es geht heute nur mit super harten Grundschlägen und viel Spin. Wie der Autor richtig schreibt, geht Nadal auch immer öfter ans Netz. Gegen Del Potro spielte er sogar einmal Serve n Volley beim zweiten Aufschlag. Seine Stopps sind fast so gut wie die von Federer. Nadal führt auf der ATP-Seite auch die Statstik für Punkte beim zweiten Aufschlag an. Für seinen Topspin sollte er ein Patent erhalten. Er ist eigentlich Rechtshänder. Übrigens: er hat 16 Majors gewonnen, Nr. 17 kommt sicher bald. Er hat eine ziemlich beeindruckende Bilanz gegen Federer. Immer noch nicht überzeugt? Dann schauen Sie sich auf youtube irgendein Video zu Nadal an. Best of Nadal, Federer, Djokovic. Schauen Sie sich dann das Tennis der Holzschläger-Ära an. Vielleicht klingelt es dann.
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