Nadals Triumph beim Tennisturnier in Paris Über den Krampf zum Sieg

Alles wie immer. Rafael Nadal gewinnt die French Open - inzwischen zum elften Mal. Sein Gegner Dominic Thiem hielt stark dagegen. Das einzige echte Problem für Nadal war jedoch: seine eigene Anspannung.

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Zahl des Spiels: Elf. Elfmal stand Rafael Nadal im Finale der French Open, elfmal verließ er den Court Philippe Chatrier mit dem Pokal. Auch Herausforderer Dominic Thiem konnte Nadal nicht stoppen. Über den Spanier sind alle großen Lobeshymnen längst geschrieben, seine Leistungen lassen sich nur noch in Zahlen beschreiben. 17 Grand-Slam-Titel hat Nadal jetzt gewonnen, elf davon in Paris. Seine Einzelbilanz in Roland Garros steht jetzt bei 86 Siegen und nur zwei Niederlagen. Mythos Nadal, schon vorher, jetzt eben wieder ein Stück mehr.

Nadal nach dem Matchball
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Nadal nach dem Matchball

Das Ergebnis: 6:4, 6:3, 6:2. Hier geht's zum Spielbericht.

Der erste Satz: Begann mit einem Blitzstart von Nadal, der acht der ersten neun Ballwechsel für sich entschied und sofort 2:0 in Führung ging. Seinem acht Jahre jüngeren Kontrahenten gelang aber sofort das Rebreak, Thiem glich zum 2:2 aus. Es entwickelte sich ein hochklassiges und extrem ausgeglichenes Duell: Thiem ging hohes Risiko beim ersten Aufschlag - mit mäßigem Erfolg: 45 Prozent ins Feld. Nadal machte "das, was er immer macht" (Eurosport-Experte Boris Becker). Die Entscheidung fiel im zehnten Spiel: Beim Stand von 4:5 setzte der Österreicher einen relativ einfachen Rückhand-Volley ins Netz - und verlor kurz darauf nach 61 Minuten den Satz.

Seriensieger unter sich: Vor zehn Tagen trat Zinédine Zidane überraschend als Trainer von Real Madrid zurück, nach drei Champions-League-Triumphen in Serie. Jetzt ist zumindest klar, wie der Mann seine neue Freizeit verbringen möchte. Etwas Tennis gucken und in der Sonne sitzen. Savoir vivre.

Veronique und Zinédine Zidane
DPA

Veronique und Zinédine Zidane

Der zweite Satz: "Also, ich würde gegen Nadal spielen, als wär's ein Rechtshänder", verriet Becker. Und während der Zuschauer sich noch in Gedanken ausmalte, wie der inzwischen 50-jährige 17-jährige Leimener sich wohl gegen den 18 Jahre jüngeren Sandplatzkönig schlagen würde, lag Thiem schon wieder 1:4 zurück. Zu viele unerzwungene Fehler (zwölf) - und ein in den entscheidenden Momenten wacher und fehlerloser Nadal. Highlight des zweiten Durchgangs: das siebte Spiel mit etlichen spektakulären Ballwechseln. Es wäre Thiems Chance gewesen, noch einmal in den Satz zurückzukommen. Wäre. Nadal gewann das Spiel mit einer krachenden Rückhand und nach 49 Minuten auch Satz zwei.

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French Open: Verletzte Hand, zerstörte Träume

Fingerspiel: Wie sehr auch Nadal in den Grenzbereich gehen musste, wurde zu Beginn des dritten Satzes deutlich. 2:1, 30:0. Nach einem Aufschlag griff sich der Spanier an den linken Mittelfinger. Plagte ihn ein Krampf? Zumindest riss sich Nadal hektisch den Tapeverband von seiner Hand, sein Physiotherapeut eilte herbei. Nach kurzer Behandlung ging es weiter. Und für ein paar Ballwechsel wirkte es tatsächlich so, als wäre Nadal beeinträchtigt. Ein paar Ballwechsel schien er schlagbar, mehr allerdings auch nicht.

Nadal streckt seinen linken Mittelfinger
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Nadal streckt seinen linken Mittelfinger

Der dritte Satz: "Die Finger gehen wieder besser", ferndiagnostizierte Dr. Becker am Eurosport-Mikrofon. Ein paar Prozent weniger Griffkraft - wenn überhaupt -, auch das reichte Nadal, um seinen Vorsprung ins Ziel zu retten. Nach 2:42 Stunden war das Finale der French Open 2018 vorbei, mit dem üblichen Ende.

Mehr Zahlen: Einzig die Australierin Margaret Court hatte es zwischen 1960 und 1973 bei den Australian Open geschafft, elfmal dasselbe Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Seit heute muss sie sich diese Statistik teilen.

Die Nummer eins: Natürlich ist es nur ein Nebenaspekt, aber durch diesen Erfolg verteidigte Nadal auch seinen Spitzenplatz in der Weltrangliste.

Dominic Thiem
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Dominic Thiem

Versprechen: Ja, schon klar, Nadal ist toll. Und was ist mit dem Gegner? Auch, wenn es im Finale am Ende nur neun gewonnene Spiele waren: Dominic Thiem hat in Paris erneut bewiesen, dass er aktuell und vielleicht auch künftig Nadals erster Herausforderer ist. Athletik, Schlagkraft, Schlagrepertoire, Variabilität - der 24-Jährige bringt alles mit, um eines Tages Nadals Erbe anzutreten. Und wer dem Spanier heute zugesehen hat, weiß: Der kann dieses Turnier maximal noch sechs- oder siebenmal gewinnen.



insgesamt 2 Beiträge
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meresi 10.06.2018
1. Paris
na dann, wenn Nadal dieses Turnier max. noch 6-7x gewinnen kann, dann ist bis dorthin Thiem ein alter Mann. Grats an Nadal, diesen alten Herrn, der den Jungen noch immer zeigt wo es lang geht auf dem Roten Meer
h.markwort 11.06.2018
2. Späte Einsicht
ich muß beichten, nach Jahren bin ich echter Nadal-Fan geworden: Absoluter Siegeswillen, Gnadenlos zu sich und Gegener, Zwangsstörung mit den Platzgegenständen, Ritualspieler, u.ä. Liege ich falsch mit der Meinung, Nadal hätte die früheren Charakterstars wie, McEnroe, Lendl usw. deklassiert. --Jaja, früher waren Bälle matschig, Schläger aus Birkenholz, Platz staubtrocken, die Kleidung häßlich und Emotionen flogen wie Bomben. Ging auch...
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