French-Open-Sieger Nadal "Einzigartig, atemberaubend"

Rafael Nadal hat in Paris mit seinem elften Sieg erneut Tennis-Geschichte geschrieben. Angst vor einem baldigen Ende seiner Dominanz hat der 32-Jährige aber nicht. Andere Dinge sind ihm mittlerweile wichtiger.

Rafael Nadal
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Aus Paris berichtet


Sollte etwa tatsächlich noch einmal Spannung aufkommen? Im Court Philippe Chatrier machte sich unter den Zuschauern Unruhe breit, als sich Rafael Nadal im Finale der French Open ohne ersichtlichen Grund behandeln lassen musste. Sein Physiotherapeut massierte seinen Unterarm, der Spanier klagte über Krämpfe, die Aufschläge wurden langsamer. Dominic Thiem witterte seine Chance.

Schade nur, dass Nadal gar nicht auf seinen eigenen Aufschlag angewiesen ist. In der Folge versuchte er, die Ballwechsel kürzer zu halten und noch mehr Druck auszuüben. Am Ende hieß es 6:4, 6:3, 6:2 aus Sicht des 32-Jährigen. Für Nadal ist es der elfte Titel in Paris und der 17. bei einem Grand-Slam-Turnier. "Ich habe mehr erreicht, als ich mir jemals erträumt hatte. Ich musste in meiner Karriere so viele Rückschläge hinnehmen. Deswegen war der Erfolg so emotional für mich", sagte er nach dem Sieg.

Wie nahe ihm der erneute Triumph wirklich ging, war schon bei der Siegerehrung zu sehen. Nadal wurde von den eigenen Emotionen und den nicht enden wollenden Ovationen der Zuschauer derart überwältigt, dass er anfing zu weinen. Als die spanische Nationalhymne ertönte, begann er zu lächeln. In diesem Moment realisierte Nadal vermutlich, dass er erneut Tennis-Geschichte geschrieben hatte.

Österreich wartet weiter auf den ersten großen Erfolg seit 1995

Der Weg dorthin war schwieriger, als das Ergebnis vermuten lässt. Thiem verwickelte Nadal vor allem im ersten Satz in lange und teils hochklassige Ballwechsel. Wie eng es tatsächlich zuging, zeigte auch der Spielstand nach 40 (!) Minuten: 3:3. Nach knapp einer Stunde verwandelte Nadal dann seinen ersten Satzball. Thiem, der im Viertelfinale noch Alexander Zverev bezwungen hatte, konnte das hohe Tempo seines Gegners fortan nur noch phasenweise mitgehen.

"Nadals Spiel ist einzigartig und atemberaubend. Es ist unmöglich, seine Art auf dem Platz in wenigen Sätzen zu beschreiben", sagte der 24-Jährige nach seinem ersten Grand-Slam-Endspiel. Vor der Partie hatte es im österreichischen Lager berechtigte Hoffnungen gegeben, dass Thiem dem Sandplatzkönig gefährlich werden könnte. Mitte Mai hatte er Nadal in Madrid seine einzige Niederlage auf Sand in diesem Jahr zugefügt. Doch Österreich muss 23 Jahre nach dem Triumph von Thomas Muster in Paris weiter auf einen großen Erfolg warten.

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"Die Bedingungen liegen Nadal hier mehr als in Madrid. Der Platz ist deutlich größer, er kann sich beim Return viel weiter nach hinten stellen. Das gibt ihm Zeit, seine Schläge gut vorzubereiten", erklärte Thiem die unterschiedlichen Ergebnisse: "Auch mir liegt der Platz hier, aber ihm eben noch ein bisschen mehr."

Nadals Erfolg in Roland Garros setzt - mal wieder - neue Maßstäbe. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Sports konnte das gleiche Grand-Slam-Turnier von einer Person elfmal gewonnen werden. Die Australierin Margaret Court hatte in den Sechziger- und Siebzigerjahren ebenso oft bei ihrem Heimturnier in Melbourne triumphiert. Nadals Bilanz bei den French Open beträgt mittlerweile 86:2-Siege. Als erst dritter Profi nach Roger Federer und Novak Djokovic hat der Schützling von Carlos Moya nun mehr als 100 Millionen Dollar an Preisgeldern eingespielt.

"Glücklich zu sein, steht im Vordergrund"

Und was noch bemerkenswerter ist: Erstmals seit 2006 haben Nadal und Federer gemeinsam sechs Majors in Folge gewonnen. Auch 13 Jahre nach seinem ersten Titel bei den French Open ist Nadal noch so besessen von seinem Sport, dass ein Ende der Karriere nur dann vorstellbar ist, wenn ihn eine schwere Verletzung am Weiterspielen hindert.

"Du kannst nicht gegen dein Alter kämpfen. Ich bin 32 Jahre alt und fühle mich auch so. Ich muss mittlerweile mehr auf meinen Körper hören als früher. Angst vor der Zukunft habe ich nicht. Ich werde spielen, bis mein Körper sich widersetzt", sagte Nadal, nachdem ein Journalist angemerkt hatte, dass man ihm sein Alter auf dem Platz nicht anmerke.

Ähnlich entspannt geht der Spanier auch mit der Jagd nach Rekorden um. Federers Grand-Slam-Bestmarke (20 Titel) liegt mittlerweile wieder in Reichweite. "Es geht nicht immer darum, alle Rekorde zu brechen. Die 20 Titel von Roger spielen in meinem Kopf keine Rolle", so Nadal. Und weiter: "Ich bin einfach glücklich, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Das heißt zwar nicht, dass ich nicht leidenschaftlich für jeden Titel kämpfen werde. Aber glücklich zu sein, steht im Vordergrund."



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gehdoch 11.06.2018
1. Er ist einfach unfassbar...
...symphatisch. Ich ziehe meinen Hut vor diesem großartigen Sportsmann!
golfstrom1 11.06.2018
2. Nadal und Federer
Rafael Nadal und Roger Federer sind Jahrhundertsportler im Tennis und werden ewig in Erinnerung bleiben. Beide haben auch deswegen so viele Grand Slams gewonnen, weil sie gegenseitig seit über 10 Jahren konkurieren und auf jeweils ihrem Lieblingsbelag das Maß aller Dinge seit vielen Jahren sind. Nadals Spiel ist deutlich mehr auf Verschleiß ausgelegt, weswegen ich nicht davon ausgehe, dass Nadal in Federers Alter noch auf diesem Niveau spielen kann. Federer traue ich aufgrund seiner einzigartigen Technik noch 2-3 Jahre auf derzeitigem Niveau zu. Der Titel in Wimbledon wird wieder nur über Roger Federer laufen. Er muss geschlagen werden, wenn man in Wimbledon gewinnen möchte.
Rebierhcs 11.06.2018
3. #2
Das Nadals Spiel mehr auf Verschleiß angelegt ist hat man schon vor Jahren prophezeit, nach diesen Prophezeihungen dürfte er heute gar nicht mehr spielen. Ich bin kein Experte, aber ich denke Nadal hat früher extremer gespielt. Gefühlt kommen von ihm viel weniger Longline-Schläge sowohl Vor- als auch Rückhand wie vor einigen Jahren. Für Thiem war meiner Meinung nach der Knackpunkt, dass sein Umfeld und er wie im Artikel kurz angerissen vermutlich wirklich geglaubt haben, dass er eine Chance hätte zu gewinnen. Dadurch war er dann wie blockiert, als ihm Nadal seine Grenzen gesetzt hat. Thiem hat gute Ballwechsel gespielt, aber meist nur bei eigenem Aufschlag, bei dem er pro Satz immer 3x stark unter Druck stand, während er Nadal bei dessen Aufschlag nur 2x im ganzen Spiel gefährlich wurde. Ich meine Thiem wäre mit der Einstellung "Keine Chance, also nutze sie" besser gefahren als mit "Öfter als ich hat niemand Nadal auf Sand geschlagen, also gewinne ich heute bestimmt auch". Das Ergebnis war ähnlich deutlich wie im HF 2017, insofern ist er Nadal in Paris keinen Schritt näher gekommen.
ulisses 11.06.2018
4. Federer, Nadal, Djokovic ....Sampras
Wirmleben in einer Goldenen Ära des Profisports. Es ist immer lustig, wenn die Pokale der Grand Slam Turmiere überreicht werden oder nach dem Match ein Interview nich direkt auf dem Court durchgeführt wird. Dann schlägt häufig die Stunde der Champions aus vergangenen Jahren. Vor 15 Jahren, als Federer seine unglaubliche Siegesserie begann, müssten die interviewten Spieler noch ganz bescheiden und ehrfürchtig das Interview angehen. Seit 10Jahren begann das Blatt sich zu drehen und seit fünf Jahren ist es den Exchampions quasimgegönnt, dass sie auch mal ein bisschen vom Glanz der großen Drei mitbekommen. Ich wünsche mir ein US Open Finale zwischen Federer und Nadal. Das wäre der Höhepunkt.
golfstrom1 11.06.2018
5. #3
Natürlich hat Nadal früher extremer gespielt. Aber sein Spiel ist trotzdem noch deutlicher kraftaufwändiger und verletzungsanfälliger als Federer sein Spielstil. Ich behaupte auch, dass Nadal schon mehr Grand Slams gewonnen hätte, wenn er weniger verletzt gewesen wäre. In den stärksten Phasen von Nadal, Djokovic und Murray hatte Federer eigentlich kaum eine Chance ein Grand Slam zu gewinnen, trotz blendender Gesundheit. Dort verlor er regelmäßig die Halbfinals und Finals gegen seine Rivalen. Der Unterschied ist, dass Federer sein Niveau gehalten hat und Djokovic, Murray oder Nadal schwächer geworden sind. Nadal nehme ich jetzt mal insbesondere auf seinem Belag Sand da raus. Auf den schnellen Belägen ist Nadal nicht mehr so stark wie vor 7-8 Jahren.
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