French-Open-Champion Simona Halep Sieg über alle Zweifler

Simona Halep galt als beste Weltranglistenerste - ohne Grand-Slam-Titel. Nach drei bitteren Final-Niederlagen hat sich die Rumänin nun ihren Traum erfüllt und in Paris gewonnen. Nicht nur für sie ist das ein großer Triumph.

Simona Halep
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Simona Halep

Aus Paris berichtet


Ion Tiriac ist nicht bekannt für emotionale Ausbrüche. Im diesjährigen Endspiel der French Open kam der rumänische Milliardär dennoch gehörig ins Schwitzen. Immer wieder raufte er sich die Haare und richtete seine Hände fragend gen Himmel. Der Manager von Simona Halep musste über eineinhalb Sätze mit ansehen, wie die 26-Jährige ein weiteres Grand-Slam-Finale zu verlieren drohte. Als Halep nach über zwei Stunden dann ihren ersten Matchball verwandelte, blieb Tiriac wie immer cool. Ganz im Gegensatz zur Siegerin.

Halep ließ ungläubig ihren Schläger fallen, umarmte die unterlegene Gegnerin Sloane Stephens und genoss die "Simona"-Rufe der vielen rumänischen Tennis-Fans. "Es ist ein unglaublicher Moment. Seit ich mit dem Tennisspielen begonnen habe träume ich davon, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Nun bin ich am Ziel. Die Atmosphäre war unglaublich", sagte Halep. Zur tollen Stimmung trugen auch die Franzosen bei. Wohl auch, weil sie den Leidensweg der French-Open-Gewinnerin hautnah miterlebt hatten.

2014 war die Rumänin erstmals ins Finale von Roland Garros eingezogen, damals unterlag sie Maria Sharapova in einer umkämpften Partie. 2017 folgte trotz klarer Führung an dergleichen Stelle die dramatische Niederlage gegen Jelena Ostapenko. Im Januar verlor sie dann das Endspiel der Australian Open. Halep schien ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden.

"Ich konnte nicht atmen"

"Niemand hat es mehr verdient als du, Simona", sagte Stephens bei der Siegerehrung. Damit sprach sie einem Großteil der Zuschauer aus der Seele. Im ersten Satz dominierte die US-Amerikanerin, sie konnte vor allem die langen Ballwechsel für sich entscheiden. Auch im zweiten Durchgang glückte ihr gleich ein Break - Stephens war auf dem Weg zu ihrem zweiten Major-Triumph nach den US Open 2017.

Sloane Stephens zunächst auf Siegkurs
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Sloane Stephens zunächst auf Siegkurs

Doch Halep war fortan die bessere Spielerin. Plötzlich hatte sie keine Probleme mehr mit ihrem Returnspiel, vermeidbare Fehler unterliefen fast nur noch der Gegnerin. Stephens haderte gestenreich, nachdem die Netzkante gleich zwei wichtige Punkte zugunsten von Halep beeinflusst hatte. Beim Stand von 5:0 wurde Halep allerdings noch einmal nervös, wie sie später verriet. "Ich konnte nicht atmen. Ich habe von Punkt zu Punkt gedacht und versucht, alles um mich herum auszublenden."

Der Sieg in Paris ist auch eine Genugtuung für Haleps Trainer: Darren Cahill hatte sich beim WTA-Turnier in Miami im vergangenen Jahr von Halep getrennt, nachdem diese nicht die gewünschte Reaktion auf dem Platz gezeigt hatte. Doch Halep wusste, dass sie auf Cahill angewiesen war, um erfolgreich zu sein. Es folgte die Aussprache und wenig später der Sprung auf Rang eins der Weltrangliste.

Nach 40 Jahren die Zweifel einer Tennis-Nation beseitigt

Der Titel bei den French Open ist die vorläufige Krönung der erfolgreichen Zusammenarbeit. "Ohne meinen Trainer hätte ich es nach drei so bitteren Niederlage in großen Finals niemals hierhin geschafft", sagte Halep. Schon im vergangenen Jahr hatte sie verkündet, ihre Karriere an der Seite des Australiers beenden zu wollen.

Halep hat nicht nur ihre Zweifel beseitigt, sondern auch die eines ganzen Landes. Rumänien zählte in den Siebzigerjahren zu den großen Tennis-Nationen. Illie Nastase gewann in Paris und New York zwei Majors und war die erste Nummer eins der damals neu eingeführten Weltrangliste. Auch Haleps Manager, Ion Tiriac, reüssierte in Frankreichs Hauptstadt - im Doppel an der Seite von Nastase.

Vor 40 Jahren schließlich holte Virginia Ruzici den bislang letzten Grand-Slam-Titel für Rumänien - ebenfalls in Paris. Halep konnte die rumänische Erfolgsgeschichte in Roland Garros damit fortsetzen. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne nach ihrer Karriere in Paris zu leben, antwortete Halep mit einem zwinkernden Auge: "Man sollte niemals nie sagen."

Den Moment genießen, mal einen Augenblick abschalten. Im straffen Terminkalender der Tennis-Verbände ist das eigentlich nicht möglich. Halep will sich trotz der bevorstehenden Rasensaison genau diese Zeit nehmen: "Sprechen Sie mich nicht auf Wimbledon an. Daran will ich jetzt nicht denken. Jetzt habe ich Urlaub."



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