Frischer Fisch Tollkühne Männer in sexy Shorts

Angeln kann anstrengend sein, wenn man Ruten, Rollen und viel Zubehör mit ans Wasser schleppt. Wieso nicht einfach mal mit den bloßen Händen Fische fangen? Das sogenannte Noodling findet immer mehr Anhänger - birgt aber auch Gefahren in sich.

Von Horst Köder


Vor ein paar Wochen war ich kurz davor, das Angeln aufzugeben. Eigentlich wollte ich nur ein paar Rotaugen fangen, aber als ich mein Zeug zusammenpackte, kam ich mir vor wie ein ungedopter Fahrer auf einer Bergetappe der Tour de France: Es nahm kein Ende. Zwei komplett montierte Ruten, eine dritte, falls ich zwischendurch doch Lust auf Hecht oder Zander bekommen sollte, Stuhl, Kescher, literweise Paniermehl zum Anfüttern, Zubehör aller Art, das alles passte kaum noch ins Auto. An einen Fußmarsch war erst gar nicht zu denken, obwohl ich nah am Wasser wohne. Zumindest kam mir eine Idee für einen neuen Bestseller: "Simplify your Angeltrip!"

Noodler mit Katzenwels: Die Vorteile liegen auf der Hand
REUTERS

Noodler mit Katzenwels: Die Vorteile liegen auf der Hand

Aber ich war wohl nicht der erste, denn es gibt eine Entwicklung aus dem gelobten Land für alle Angler, den USA, die ich seit einiger Zeit verfolge: das Noodling. Warum schleppe ich immer Rute, Rolle und was weiß ich noch alles ans Wasser, wenn es doch viel einfacher geht? Warum taucht man nicht einfach und fängt die Fische mit der Hand? Die Vorteile liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Hand: Man spart viel Geld für teure Ausrüstung, kann einfach mal ins Wasser springen, wenn man gerade am Kanal spaziert und Lust aufs Angeln hat und man fühlt sich noch mehr dem Ursprung dieser Tätigkeit verbunden, als die Frauen noch daheim auf die Beute warteten.

Was für ein Irrsinn, werden jetzt viele sagen, und wie jeder Irrsinn kann so etwas natürlich nur aus den USA kommen. Vor allem in den Südstaaten und dem Mittleren Westen ist das Noodling verbreitet. Wer den Film "Fargo" von den Coen-Brüdern gesehen hat, der ebenfalls im Mittleren Westen spielt, und sich dort über die ganzen seltsamen Leute wunderte, dem sei gesagt: Die sind dort wirklich so. So ist es auch kein Wunder, dass aus solchen Gegenden solche tollen Angel-Variationen wie das Noodling ihren Ursprung haben.

Hauptbeute ist der Katzenfisch, dessen Lebensweise einen Fang mit Rute und Rolle sehr schwierig macht. Homer Simpson ist dies noch in der Folge "Kampf dem Ehekrieg" geglückt, als er den riesigen Katzenfisch "General Sherman" nach stundenlangem Kampf bezwang, ihn seiner Frau Marge zu Liebe aber wieder ins Wasser warf. Übrigens geht Bart im Kinofilm der Simpsons sogar freiwillig mit Ned Flanders angeln, aber das sei nur am Rande erwähnt.

Zurück zu den Katzenwelsen, die sich gerne Höhlen graben und sich dort oder auch im Schlamm verstecken, deshalb haben Noodler eher eine Chance auf einen Fang als "normale" Angler. Der Noodler sucht watend (oder tauchend) den Gewässergrund nach Löchern ab, die Hand dient als Köder, in die sich der Wels verbeißen soll. Ist dies geschehen, versucht der Noodler, sich und den Fisch an die Wasseroberfläche zu bringen. Kein leichtes Unterfangen, werden größere Exemplare des Katzenfisches schon mal bis zu 50 Pfund schwer.

Tollkühne Männer, kann ich da nur sagen, denn das Noodling ist fast noch eine Domäne der Herren unter den Fischfängern. Wettbewerbe wie das "Okie Noodle Tournament" in Oklahoma sorgen für immer mehr Fans und Mitstreiter. Unter den Zuschauern ist die Frauen-Quote hoch, denn die Kerle stürzen sich meist nur mit Shorts bekleidet in die Fluten. Nicht, um gut auszusehen, sondern vor allem, damit man sich unter Wasser nicht irgendwo verhakt.

Dort lauern auch noch andere Gefahren. Denn nicht nur Welse, sondern auch Biber oder die in manchen Gegenden beheimatete Alligatorschildkröte schnappt gerne mal nach einer Hand. Zudem steht oft noch das Gesetz im Weg: Erst in fünf Staaten der USA ist Noodling erlaubt: Mississippi, Oklahoma, Louisiana, Tennessee und Georgia. Aber Noodler lassen sich ungern den Spaß verderben und tauchen auch in anderen Staaten ab.

Und hier in Deutschland? Über die Gesetzeslage weiß ich nichts, aber ich käme mir doch ein wenig blöd vor, jetzt in meiner Badehose am Ufer von Alster oder Elbe nach Fischen zu suchen. Pioniergeist in allen Ehren: Ich packe dann doch lieber Rute und Rolle zusammen. Ich kann mich ja trotzdem in Shorts ans Wasser setzen.



Forum - Noodling: Irrsinn oder großer Spaß?
insgesamt 2 Beiträge
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Mike_D 25.07.2007
1.
Sowas nennt man Sparen, nachdem in den USA sich die Armut ja immer mehr ausbreiten soll - wer kann sich da schon eine Angel und frische Fische leisten?
J-san, 25.07.2007
2.
Da das Angeln im Allgemeinen als Sport gilt, halte ich von dieser Art des Fischfanges wenig; ich würde es eher als Nahrungsbeschaffung bezeichnen. Als solche halte ich es für tauglich - in den richtigen Gewässern. Jemand der in Deutschland versucht, einem naturbelassenen Gewässer auf diese Art Fische zum Zwecke der Nahrungsgewinnung zu entreissen, wird zwangsläufig einen Hungertod sterben. GRZ: J@Y PS: Katzenwelse werden mitnichten bis zu 50 Pfund gross - aber immerhin bis 50 cm =)
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