Fünf Tage nach der Diagnose Kanu-Weltmeister Zereske starb an Blutkrebs

Die Kanu-Welt ist schockiert: Der zweimalige Weltmeister Thomas Zereske ist im Alter von 38 Jahren gestorben. Erst vor fünf Tagen war bei dem Neubrandenburger eine schwere Form von Blutkrebs diagnostiziert worden.


Thomas Zereske (l., mit Teamkamerad Christian Gille): Viermal bei olympischen Sommerspielen
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Thomas Zereske (l., mit Teamkamerad Christian Gille): Viermal bei olympischen Sommerspielen

Neubrandenburg - Der Tod Zereskes wurde vom Präsidium des SC Neubrandenburg auf der Internetseite des Vereins mitgeteilt. Bei dem Canadier-Spezialisten war am vergangenen Donnerstag eine schwere Form von Leukämie festgestellt worden. Innerhalb von nur fünf Tagen starb Zereske an dem Blutkrebs.

"Ich kann es nicht fassen. Es ist ein Schock für uns alle", reagierte der Doppel-Olympiasieger Andreas Dittmer auf den Tod seines Vereinsgefährten, mit dem er viele Jahre in einer Gruppe bei Bundestrainer Jürgen Lickfett in Neubrandenburg trainierte. Erst am Sonntagabend hatte der deutsche Gold-Favorit für die Olympischen Spiele in Athen vom bedenklichen Zustand seines Kameraden gehört.

"Nach der Regatta in Duisburg habe ich erfahren, dass Zecke schon am Donnerstag zusammengebrochen war und in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Dort hat man dann die schwere Form von Blutkrebs bei ihm festgestellt. Offenbar hat er gar nicht gewusst, wie krank er eigentlich war", sagte der 32-jährige Dittmer.

Trauerflor bei Olympia

Zereske gewann bei Welttitelkämpfen insgesamt neun Medaillen und nahm viermal an Olympischen Spielen teil. Im Zweier-Canadier war er mehrere Jahre Partner des Leipzigers Christian Gille, der sich für die Olympischen Spiele in Athen qualifiziert hat. Mit ihm erkämpfte der Mecklenburger im Canadier-Zweier 1997 und 1998 zwei WM-Titel über 200 Meter.

"Er war mir viele Jahre ein guter Freund. Ich werde bei Olympia auf jeden Fall mit einem Trauerflor starten. Das ist das Letzte, was ich für ihn tun kann", sagte Gille. Es gilt als sicher, dass sich weitere Teamgefährten dieser Geste anschließen werden. Nach seiner aktiven Laufbahn war Zereske als Drachenbootfahrer und Trainer im Drachenbootsport erfolgreich. Von ihm betreute Teams gewannen bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2003 insgesamt sechs Medaillen.

Auch der Deutsche Kanu-Verband reagierte entsetzt auf die Nachricht vom Tod des langjährigen Aktivensprechers. "Das ist ein Schlag für mich. Nach Beendigung seiner Laufbahn war ich gut mit Thomas befreundet. Ich habe die letzte Nacht kein Auge zugemacht", sagte Cheftrainer Josef Capousek. Sportdirektor Jens Kahl sprach von "großer Erschütterung".



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