Doping-Prozess: Fuentes gibt Behandlung weiterer Sportler zu
Eufemiano Fuentes hat nicht nur Radsportlern geholfen, ihre Leistung mit unsauberen Methoden zu verbessern. Der spanische Doping-Arzt sagte vor dem Madrider Gericht aus, 2006 auch Athleten anderer Sportarten betreut zu haben - angeblich soll es sich dabei auch um einen Fußballer handeln.
Hamburg - Er habe sich nicht nur um Radsportler, sonder auch um Profis aus anderen Sportarten gekümmert, sagte der Mediziner Eufeminao Fuentes am Dienstag im Madrider Prozess um den Dopingskandal der "Operación Puerto". Der Hauptangeklagte nannte bei seiner Vernehmung zunächst keine Einzelheiten. "Die meisten Patienten waren Radsportler, aber es waren auch Vertreter anderer Sportarten dabei", sagte der Arzt.
Der spanische Journalist Juan Gutierrez twitterte aus dem Gerichtssaal, es solle sich dabei auch um einen Fußballer gehandelt haben, dier sich im WM-Jahr 2006 von Fuentes behandeln ließ. "2006 stand ich bei keinem Radteam unter Vertrag, da habe ich einen Leichtathleten, einen Fußballer und einen Boxer beraten", zitiert auch die Online-Zeitung "as.com" den Angeklagten. Fuentes nannte allerdings mit Ausnahme der Radprofis Roberto Heras, Unai Osa und Santiago Botero keine Namen.
Seine Verschwiegenheit hatte er bereits am Vortag im Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" angekündigt: "Ich habe nicht die Absicht, Namen meiner Kunden und Patienten zu nennen. Für mich ist alles Vergangenheit."
Der Mediziner bestritt zudem den Vorwurf der Anklage, die Gesundheit seiner Patienten gefährdet zu haben. Er habe Bluttransfusionen bei Hochleistungssportlern vorgenommen, weil deren Blut bei Wettkämpfen einen gefährlich niedrigen Hämatokritwert aufgewiesen habe. Dabei sei es ihm darum gegangen, den Wert auf ein normales Niveau zurückzuführen. Er sagte außerdem aus, dass die in einem Labor sichergestellten Dopingmittel nicht ihm gehört hätten, sondern dem Ex-Radsportler Alberto León, der sich 2011 das Leben genommen hatte.
Richterin lässt Ex-Radprofi Hamilton vorladen
Die Richterin Julia Patricia Santamaría hatte vor Fuentes' Vernehmung einen Antrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada abgelehnt, Zugang zu den Daten aus dem 2006 sichergestellten Computer des Mediziners zu bekommen. Zum Wada-Antrag auf eine Herausgabe der 200 beschlagnahmten Blutbeutel vertagte die Richterin ihre Entscheidung. Die Guardia Civil hatte bei Fuentes mehr als 200 Blutkonserven gefunden, die mit Codenamen beschriftet waren - nicht alle waren eindeutig Radsportlern zuzuordnen. Die Richterin will darüber wahrscheinlich erst beim Urteilsspruch entscheiden, der nicht vor April erwartet wird.
Die Wada hatte sich von den Daten aus dem 2006 sichergestellten Rechner Aufschlüsse über die Kundenkartei des Mediziners erhofft. Dem Antrag hatten sich auch der Weltradsportverband UCI und die oberste spanische Sportbehörde CSD angeschlossen. Laut Richterin Santamaría würde eine Herausgabe die Privatsphäre von Fuentes verletzen. Auch der Ermittlungsrichter Antonio Serrano hatte sämtliche Anträge auf eine Preisgabe der Dateien über Jahre hinweg abgelehnt.
Dagegen erlaubte die Richterin, Ex-Profi Tyler Hamilton als Zeugen vorzuladen. Der Amerikaner hatte zuletzt detailliert über Dopingvergehen und seine Besuche bei Fuentes berichtet. Außerdem gab der langjährige Helfer von Lance Armstrong an, in der Praxis von Fuentes auch Fußballer und Tennisspieler gesehen zu haben.
Für den 57 Jahre alten Mediziner, zu dessen Kunden rund 200 Spitzensportler gehört haben sollen, darunter der frühere Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich, fordert die Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Gefängnisstrafe.
psk/dpa
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